SPD: Die unsichtbaren Erfolge

Foto: Imago
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Der Kommentar zum Parteitag.

von Max Erdinger

Nicht, daß auf dem Parteitag der SPD nur Blödsinn geredet worden wäre. Bisweilen ist es auch einfach so hysterisch geworden, daß meinereiner sich in der Freakshow wähnte. Unvergesslich der Redebeitrag dieser blonden Ausgeflippten aus dem Osten, wie sie erst in Rage sich –  und schließlich in die Trance gar redet. Zum Schluß klang sie, als ob ein eierlegender Geist voller Aufputschmittel gackernd Besitz von ihr ergriffen hätte. Entschuldigung. Die arme Frau hatte echte Sorgen wegen ihrer Religion.

Aber es gab auch Gewieftes zu hören. Juso-Chef Kühnert mimte den zutiefst Überzeugten in einer rhetorischen und mimischen Meisterlichkeit, als sei er schon im Senat auf die Welt gekommen. Herrlich, wie der alerte Jungspund sich im Genossenjargon an den alten „Martin“ wendet, um Schulz in der Minute darauf zu bescheinigen, daß er für die SPD schlimmer sei als Fußpilz und Mittelohrvergiftung zusammen. Dadurch aber, daß er das Ganze mit dem Sahnehäubchen seiner persönlichen Betroffenheit garnierte, gewann er viele rote Herzen.

Ein Genosse aus Rostock mißfiel dem honorigen Parteichef, wie des Genossen Martins Mimik verriet. Der füllige Rostocker rühmte sich, in seinem Wahlkreis viel Vertrauen zu haben, dennoch aber nicht gewählt worden zu sein. Immer wieder sei ihm gesagt worden, daß die Leute kein Vertrauen mehr zu der Partei hätten, für die er antritt. Das war keineswegs sämiger Seim, den er da in die Gehörgänge des Präsidiums geschmiert hat. Es gibt schon Leute mit Eiern für die verkehrte Sache der SPD, nicht nur welche mit Eierstöcken.

Besser als Rowan Atkinson, wenn er Rudolf Scharping persifliert, gab allerdings Scharping den Scharping selbst. Daß die SPD dahinsieche, bemerkte er in seiner legendären, bedächtigen Spitzfindigkeit, läge daran, daß sie ihre Erfolge in der bisherigen GroKo nicht genügend herausgestellt habe. Es handele sich leider um „unsichtbare Erfolge“.

Ich glaube, Scharping wäre heute gern zum ersten SPD-Papst gewählt worden. Wer einen solchen Glauben an das Unsichtbare hat …

Richtig ist natürlich, was die meisten der Anti-GroKos in der SPD heute gesagt haben: Die Groko wird ruinös werden für die Sozen. Sowohl Merkel als auch die AfD werden ihr wie hemmungslose Piranhas von beiden Seiten her die Restsubstanz gar herausfressen. In wenigen Wochen schon wird nur noch ein Haufen roter Röhrenknochen auf der Spree hinter dem Kanzleramt vor sich hindümpeln, ausgelutscht bis aufs Mark. Alle roten Hühner politisch tot.

Mit 362:279 Stimmen für Koalitionsverhandlungen mit dem Regime, an dem sie sich bisher schon zum eigenen und des Landes Schaden beteiligt hat, beschloß die SPD gestern ihren endgültigen Untergang. Die noch ausstehende Mitgliederbefragung zum Ende der Koalitionsverhandlungen wird daran nichts mehr ändern. Der smarte Juso-Chef Kühnert wird sich bald eine andere Karriereleiter suchen müssen.

Wandere aus, solange es noch geht!
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