Deutsch-Tunesierin sieht inneren Frieden bedroht

Symbolfoto: Durch Martynova Marina/Shutterstock
Es gibt sie noch, die freien Muslima (Symbolfoto: Durch Martynova Marina/Shutterstock)

„Köln und Bielefeld haben alles verändert“. Davon ist eine junge Bielefelderin mit tunesischen Wurzeln überzeugt. Am Dienstag hat sie dem Westfalen-Blatt  erklärt, warum sie sich Sorgen um Deutschland macht.

Von Verena B.

Ihre Worte sind deutlich: „Die Debatte über Ausländer, Flüchtlinge und Muslime wird sich verschärfen. Es wird schwieriger, sachlich und gelassen zu bleiben.“

Das Verhalten und Denken der jungen arabischen Männer, die in der Neujahrsnacht in Köln, Bielefeld und anderen Großstädten massenweise Sexualstraftaten begangen haben, nennt sie „widerlich“. „Wenn diese Leute hierbleiben dürfen, dann befürchte ich das Schlimmste. Der Staat muss jetzt handeln.“

Die Bielefelderin hat Zweifel

Doch die Bielefelderin, die nicht namentlich genannt werden möchte, hat Zweifel – wegen der Politik und der Behörden: „Unser Bürokratie-Apparat macht uns handlungsunfähig. Wenn NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei ‚Hart, aber fair‘ sagt, dass wir die Täter von Köln gar nicht abschieben könnten, dann ist das Politik- und Staatsversagen. Da werden wir als Bürger verhöhnt. Und das nehme ich nicht hin.“ Ihren Vorstoß in die Öffentlichkeit will sie nicht als Statement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen verstanden wissen. „Im Ge­genteil. Es geht darum, die wirklich schutzbedürftigen Menschen aufzunehmen – und eben nicht kriminelle Leute.“

Beim Asylrecht sieht die Deutsch-Tunesierin Änderungsbedarf: „Die Gesetzgebung ist nicht dafür gemacht, jedes Jahr mehr als eine Million Menschen aufzunehmen. Wie soll das funktionieren, ohne den sozialen Frieden aufzugeben?“ Und den sieht sie bedroht.

Integration und Identität beschäftigen die Bielefelderin seit ihrer Geburt: „Ich bin mit Deutschland verheiratet und möchte nicht, dass diese Ehe geschieden wird. Die Entscheidung, Deutsche zu werden, war ein bewusster Schritt. Ich will nicht zulassen, dass man mir dieses Leben wegnimmt. Und das passiert, wenn diese arabisch-stämmigen Männer wie die Täter aus Köln und Bielefeld nicht aus dem Verkehr gezogen werden. Dann kann auch ich nicht alleine auf die Straße gehen. Dann bin ich keine selbstbestimmte Frau und kein freier Mensch mehr.“

Eltern kamen in den 60er Jahren aus Nordafrika

Die junge Frau, deren Eltern Ende der 60er Jahre aus Nordafrika nach Deutschland kamen, sieht sich als Leidtragende der gesellschaftlichen Entwicklung. Gerade gut integrierte Menschen mit Mi­grationshintergrund seien besonders skeptisch, was die Flüchtlingspolitik angeht. „Denn wir leben die Integration und wissen, wie schwierig es ist, sich einen guten Platz in Deutschland zu erarbeiten. Man bekommt nichts geschenkt im Leben. Aber diese zugewanderten Kriminellen in Köln, Bielefeld und anderswo bekommen in Deutschland eine Menge geschenkt. Die wollen sich nicht integrieren.“

Auch wenn sie in diesen Tagen noch nicht ernsthaft  über eine Scheidung von Deutschland nachdenkt, so hält sie den inneren Frieden zumindest  für gestört. Doch auswandern wohin? „Tunesien ist unsicher, außerdem kann ich da nicht arbeiten. In Frankreich haben Araber gar kein Ansehen. Und die USA wollen keine Muslime. Vielleicht kann ich in der Schweiz um Asyl bitten.“

Im Jahr 2015 wanderten offiziell 18.266 Deutsche in die Schweiz aus – und begannen dort ein neues Leben, manche im Ruhestand, doch die meisten wegen besser bezahlter Arbeitsstellen, geringer Steuern und anderer Vorteile, die das Land wohltuend von Deutschland abheben. Wer dauerhaft in der Schweiz leben will, muss allerdings nachweisen, dass er dort selber für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann.

12.064 Deutsche kamen 2015 aus der Schweiz wieder in ihre Heimat zurück. Innerhalb der letzten zehn Jahre (2005 bis 2014) emigrierten offiziell 216.403 Deutsche in die Schweiz und 91.315 zogen nach Deutschland zurück. Damit landete die Schweiz auf dem 2. Platz der Zufriedenheitsliste aller Auswanderungsziele. Wie lange Deutsche und andere Ausländer noch in der Schweiz willkommen sind, bleibt allerdings abzuwarten: Schließlich wollen die konservativen Schweizer auch nicht mit Fremden übervölkert werden.

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