Dem Heinerhofbauern sein Knecht über Steuern

Dem Heinerhofbauern sein Knecht (Foto: Pixabay)

Was die wenigsten wissen dürften und wohl kaum einer glauben wird: Bevor dem Heinerhofbauern sein Knecht zum Knecht vom Heinerhofbauern wurde, ist er Eigentümer mehrerer CEO-geführter, multinationaler Konzerne gewesen. Weiber, Orgien, Rauschgift, Autos, Schlösser, Landsitze, drei eigene Skigebiete, 120 Diener mit Migrationshintergrund und 500 Araber – also Pferde – samt 700-Meter-Yacht und 25 Düsenfliegern: Alles hat dem Heinerhofbauern seinem Knecht einmal gehört, bevor er sich entschied, Knecht zu werden. Hier die Erklärung.

von Max Erdinger

Dem Heinerhofbauern seinem Knecht haben die Steuern gestunken, sagt er. Nicht, daß speziell er jetzt besonders viel Steuern bezahlt hätte, schränkt er ein, aber aus Solidarität mit denen, die alles das weniger haben als er selbst – und die mit einer Steuerquote von weit jenseits der fünfzig Prozent ein Sklavendasein als Bienen der Königin führen, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, habe er den ganzen Plunder angezündet und sei am nächsten Tag beim Heinerhofbauern vorstellig geworden, um sich solidarisch als Knecht zu bewerben. Dabei habe er aus Versehen noch eine halbe Million im Rucksack gehabt, die er beim Anzünden übersehen hat. Der Heinerhofbauer sei anwesend gewesen, als er sie zufällig dort entdeckte, während er nach seiner Brotzeit suchte.

Dem Heinerhofbauern sein Knecht sagt, das mit den Steuern sei eine derartige Sauerei, daß ihm das Leben als Megamultimilliardär keinen Spaß mehr gemacht hat. Vor lauter Mitleid. So wollte er nicht weiterleben. Er persönlich habe zwar vergleichsweise wenig Steuern bezahlt, aber seine Konzerne und alle seine Angestellten dafür umso mehr. So konnte es einfach nicht weitergehen

Beim Heinerhofbauern bekommt der Knecht einen angemessenen, ziemlich steuerfreien Lohn, hat Kost und Logis frei, er kann im Schatten hinter der Scheune sein tägliches Mittagsschläfchen halten, hat den ganzen Tag seinen Freund, den Hofhund neben sich – und die Arbeit hält sich in Grenzen, weil der Heinerhofbauer wegen der vergessenen halben Million selbst sehr fleißig ist. Sein Tag allerdings hat auch heute noch genau die 24 Stunden wie früher schon. So hängt dem Heinerhofbauern sein Knecht seinen Gedanken nach, egal wie lange das dauert und empfindet das als einen großen Gewinn. Dadurch sei er weise geworden, sagt er.

Weil, so der Knecht, mit der Materie sei es so: Sie versklavt einen. Von nichts kommt nichts. Wenn man Materie haben will, muß man die ganze Zeit an sie denken, sonst bekommt man sie nicht. Er hat aber seinen Kopf nicht auf, sagt er, um dauernd an Materie zu denken. Er weiß schon noch, was ein schöner Hubschrauber ist. Aber es ist halt ein Hubschrauber. Zeit seines Lebens ist er ein großer Freiheitsfreund gewesen, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Und als es noch so gewesen ist, daß man die Früchte seiner Arbeit auch weitestgehend selbst behalten durfte, sei das Denken an die Materie auch kein Problem gewesen. Zum Problem geworden sei die Materie für ihn erst, als ihm klar wurde, für wen die meisten Bienen materialistisch denken. Für einen großen Räuber nämlich, der ihnen über die Hälfte ihres Geldes einfach abnimmt, um es für Dinge auszugeben, die sich die Bienen der Königin selbst niemals einkaufen würden. Also, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, habe er beschlossen, durch sein Vorbild ein Angebot zu machen. Es läßt sich auch leben, ohne seine Feinde mit dem Geld zu füttern, das man zu allem Überfluß erst noch erarbeiten muß.

Mit der materiellen Leistung, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, steht und fällt alles im Land. Würden sich die Bienen eine zeitlang kollektiv weigern, Lebenszeit für besteuerbare Materie zu verschwenden, hätten sie ihre Feinde ganz schnell los. Als ihre Feinde identifizieren müssten sie halt die Königin und ihren Hofstaat. Deswegen unterhalte er sich auch gern mit mir, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Weil ich immer aufschreibe, was er sich so denkt.

Er sei kein Feind der Materie, sagt er, aber ein Freund des Lebens sei er. Wenn er sich schon zeitintensiv den Kopf über Materie zerbrechen muß, dann kann er diese Zeit drastisch verkürzen, wenn er weniger oder gar keine Steuern zahlt. Eine Steuerquote von jenseits der fünfzig Prozent sei jedenfalls völlig inakzeptabel. Zehn Prozent hält er unter freiheitlichen Gesichtspunkten gerade noch für vertretbar. Bei zehn Prozent, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, wären die obersten Volksvertreter noch gezwungen, mit Verstand zu regieren, anstatt in bequemer Umnachtung jedesmal sein Geld kübelweise zum Fenster hinauszuwerfen, sobald ein Problemchen ihren feistgefressenen Alltag kreuzt.

Wenn er sich überlegt, daß eine wie Claudia Roth aus deutschen Steuergeldern ein bescheidenes Kleinvermögen von 1,5 Mio. Euro aufbauen konnte – und wenn er sich weiter überlegt, sagt er, daß sie dafür sogar hinter einem Transparent mit der Aufschrift: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!“ herlaufen durfte, dann ist Steuern zu erwirtschaften komplett indiskutabel für ihn. An Schulz oder Merkel habe er dabei noch gar nicht gedacht.

Sobald die Kleptokraten erst einmal weg sind, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, kann er sich wieder viel unbeschwerter mit der Materie befassen. Brauchen tut er sie zum Leben nicht. Sie zu haben sei nicht mehr als ganz nett. Wenn die Kleptokratie endlich am Ende ist, dann wird er vielleicht auch wieder in aller Freiheit seines Erdenbürgerdaseins über Schlösser und eigene Skigebiete nachdenken. Vorher nicht. Einer Kleptokratie begegnet man am besten rezessiv, sagt er.

 

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