RBB Inforadio Besser informiert… man sich woanders

Foto: Von Bundesarchiv, Bild 102-00169 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478724
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Pünktlich zur Beratung der AfD über den Namen einer eigenen Stiftung, wollte der öffentlich-rechtliche Radiosender RBB Inforadio natürlich seinem „Bildungsauftrag“ nachkommen und die AfD mal wieder ins „rechte“ Licht zu rücken. Dazu führte man mit dem Historiker und Stresemann-Biographen Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl ein Gespräch. Nach einigem geschichtlichen Vorgeplänkel kam man denn endlich zu des Pudels Kern. Man ahnt es schon…

Von Nils Kröger

Moderator: „Passt denn die politische Haltung eines Gustav Stresemann zu den Zielen der AfD?“

 Pohl: „Ja, das ist eine ganz interessante Sache. Ich vermute, dass die AfD sich den Namen Gustav Stresemann zu Nutze machen will um ihr eigenes Image aufzubessern. Sie sagten ja in der Anmoderation schon, dass normalerweise die Parteien sich Namensgeber aussuchen, die mit dem, was sie selber im Sinne haben, mit der Politik die sie vertreten in irgendeiner Weise eine große Ähnlichkeit besteht. Das besteht bei Gustav Stresemann und der AfD unter keinen Umständen.“

 Woher weiß der Professor das? Hat er mit Gustav Stresemann etwa selbst gesprochen? Dachte, dies kann nur die Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Es ist immer wieder ein Genuss zu erfahren, wie Personen meinen, für Politiker der Vergangenheit (!) zu sprechen. Ob Konrad Adenauer oder Rosa Luxemburg heute, wenn sie noch lebten, ihre Namen für die Stiftungen von CDU oder Die Linken hergeben würden?

 Moderator: „Nun sagt AfD-Chef Alexander Gauland, der Name Gustav Stresemann erinnere an das nationalliberale Erbe Deutschlands und diesem Erbe sehe sich auch die AfD verpflichtet. Kann man ihm das nicht abnehmen?“

 Pohl: Das kann man ihm nicht abnehmen. Gustav Stresemann steht für das System der Weimarer Republik, die parlamentarische Demokratie. Er war, wenn man so will, ein Systempolitiker. Die AfD ist eine Partei, die genau dieses System abschaffen und bekämpfen (!) will. Da stehen sie sich diametral gegenüber und es ist schon ein ganz schön starkes Stück sozusagen die Tatsachen der Politik in Weimar, die Gustav Stresemann geschaffen hat, so zu verdrehen. (…)

 Mit Verlaub, diese Behauptung ist wirklich ein starkes Stück. Denn im Parteiprogramm der AfD steht nichts zur Abschaffung oder Bekämpfung der parlamentarischen Demokratie (nicht einmal der Verfassungsschutz beobachtet die AfD). Die Absicht dahinter ist mehr als offensichtlich. Man möchte wohl gewisse Assoziationen wecken. Eine Erkenntnis bei diesem Gespräch hat man auf jeden Fall gewonnen. Beim Autofahren lieber eine CD hören.

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