Mit Linken leben und sprechen

Foto: Durch shutter_tonko/Shutterstock
Linkes Klientel (Foto: Durch shutter_tonko/Shutterstock)

Sprache verändert sich. „Geil“ muß nicht immer mit „libidinös hochmotiviert“ übersetzt werden, sondern kann auch einfach „sehr gut“ oder „super“ heißen. „Breit“ ist nicht mehr unbedingt mit „lang“ oder „hoch“ zu assoziieren, sondern kann auch „besoffen, bekifft“ oder „knülle“ bedeuten. Was wiederum das „breite Bündnis gegen rechts“ gut erklären würde. Wie breit kann man sein?

von Max Erdinger

Bisweilen verändert sich Sprache auch nicht einfach so. Sie wird verändert – und zwar mit Absicht. Von breiten Ideologen zum Beispiel. Die wissen, daß Sprache das Denken formt und deswegen verändern sie die Sprache. Es kommt zu Denkverformungen, die man früher als Geisteskrankheiten bezeichnet hätte.

Die „Benachteiligung“ zum Beispiel. Gab es früher Bürger, die sich schon in aller Herrgottsfrüh im Vollbesitz ihrer Freiheitsrechte als Souverän eigenverantwortlich so den Verstand weggesoffen haben, daß sie nicht mehr arbeiten konnten und deshalb auf Sozialtransfers angewiesen waren, so nannte man sie Säufer. War jemand auch ohne Flaschenbier zu lethargisch, um für seinen eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, so nannte man ihn einen Faulpelz. Einen Faulpelz wiederum, der dauernd in der Gegend herumschnorrte, nannte man einen Nassauer. Der Säufer, der Faulpelz und der Nassauer hatten eine Gemeinsamkeit: Sie waren die Herren ihrer Geschicke.

Von linken Ideologen sind sie inzwischen für unmündig erklärt worden. Sie wurden unterschiedslos zu „sozial Benachteiligten“. Daß sie sich selbst in den Nachteil gesetzt haben, fällt heute unter den Tisch. Sie sind jetzt Be-nachteiligte. Sie sind also ohne eigenes Zutun in den Nachteil gesetzt worden. Ist der Mündige erst einmal zum Benachteiligten mutiert, dann hat der linke Ideologe Oberwasser, denn er begreift sich sozusagen als Robin Hood, den Rächer der Willenlosen, die wiederum ein Teil von „die Menschen“ sind. „Die Menschen“ haben allesamt Ansprüche und Rechte, weswegen das Bitten und das Danken völlig aus der Mode gekommen sind. Ein typischer Satz, den man auf dem Sozialamt aus dem Munde eines „sozial Benachteiligten“ zu hören bekommt, geht etwa so: „Ey, du Sesselfurzer, wo bleibt meine Kohle!?“ Linke Ideologen haben also durch das Verformen der Sprache dafür gesorgt, daß der „Benachteiligte“ denkt, die Kohle der Anderen sei seine eigene. Benachteiligte sind heute berechtigt. Zu ihren Rechten sind sie gekommen wie zu ihrer Benachteiligung: Gänzlich ohne eigenes Zutun.

Linke Ideologen kennen aber auch Verantwortliche. Mit meinen eigenen Augen habe ich in einer Frauenzeitschrift zwischen den Kochrezepten und der Werbung für Abführmittel die folgende Schlagzeile gelesen: „Der Alkohol hat mein Leben zerstört.“ Der Alkohol ist hier der Verantwortliche, nicht die Frau, die sich ihr Leben im Suff zerstört hat. Das erklärt das Verhältnis linker Ideologen zu Schußwaffen. Angesichts der Tatsache, daß der verantwortliche Alkohol nur deswegen nicht verboten wird, weil das das Ende aller „breiten Bündnisse“ bedeuten würde, nimmt es auf den ersten Blick Wunder, daß Schußwaffen verboten sind, obwohl sie ebenfalls verantwortlich sind. Und zwar für die Erschossenen. Sieht man genauer hin, fällt einem jedoch auf: Erschossene können weder benachteiligt – und in der Folge berechtigt – , sondern lediglich beerdigt werden, weswegen sie für das breite Bündnis linker Ideologen keinen Wert haben, im Gegensatz zum Säufer. Wir lernen: Linke Ideologen unterscheiden nach nützlichen und nutzlosen Benachteiligten. Wer sich langsam zu Tode säuft, ist für die Linken nützlich, wer sich erschießt eher nicht.

Nun fragt sich der aufmerksame Leser natürlich, warum linke Ideologen in breiten Bündnissen, die sich wegen der Bestandspflege an ihren Benachteiligten gegen Schußwaffen und Erschossene aussprechen, nicht gegen Autos und Verkehrstote engagieren, indem sie ein striktes Autoverbot fordern. Schließlich ist der Volkswagen für den Verkehrstoten so verantwortlich wie die Glock für den Erschossenen. Das ist aber schnell erklärt. Die Verkehrstoten sind für linke Ideologen ein in kauf zu nehmendes Übel, weil mit den Steuern, die direkt und indirekt an der Autoindustrie hängen, der Kampf gegen die Erschossenen finanziert wird. Für einen Linken ist aber der Verkehrstote nur vordergründig so unnütz wie der Erschossene. Auch er kann nicht weiter benachteiligt oder berechtigt werden. VW zahlt aber allein schon mehr Steuern als Glock und Heckler&Koch zusammen. Mit dem Geld lassen sich viele Säufer, Faulpelze und Nassauer berechtigen, die wiederum eine für den Linksideologen höhere nutzbare Lebenserwartung haben, als Verkehrstote und Erschossene zusammengenommen. Die liegt nämlich bei exakt Null.

Der Linke differenziert andererseits gern, sogar bei Schußwaffen. Er ist nur gegen Handfeuerwaffen im Inland, die steuerlich kaum etwas einbringen und deren Erschossene nie wieder links wählen. Bordkanonen aus der Rüstungsindustrie bringen da schon deutlich mehr, weil sie viel teurer sind und meistens exportiert werden. Deswegen gibt es ein breites Bündnis für den Export von Kriegswaffen, in dem viele Gewerkschafter aus dem Bereich Metall versammelt sind. Viele Erschossene in fremden Ländern bringen viel Steuern im Inland und der Linke hätte auch nichts davon, wenn viele Erschossene in fremden Ländern nicht erschossen worden wären. Da ist er ganz Nationalsozialist. Nicht Erschossene in fremden Ländern hätte er nämlich im Falle ihres Weiterlebens nicht entmündigen können, um sie als nächstes für benachteiligt zu erklären und schließlich zu berechtigen. Also ist es egal. Aber er hat natürlich eine Ahnung davon, daß es seinem Image als pazifistischem Robin Hood schaden würde, käme diese Kalkulation ans Licht. Deswegen plädiert er für einen Export von Kriegswaffen dorthin, wo niemand Kriegswaffen braucht. In Friedensgebiete nämlich. Da sieht man mal, wie breit manche Bündnisse tatsächlich sind und erkennt einen weiteren Grund, warum es kein Alkoholverbot gibt.

Wenn es etwas, das der Linke gut gebrauchen könnte, überhaupt nicht gibt, dann erfindet er es einfach. Als die Linken zum Beispiel gemerkt haben, wieviel Steuergeld der Anderen es sie kostet, alle die Frauen mit ihren Kindern zu alimentieren, denen sie zuvor eingeredet hatten, den gräßlichen Patriarchen auf den Mond zu schießen und sich scheiden zu lassen bedeute Freiheit und Selbstverwirklichung, veränderten sie einfach die Begrifflichkeiten. War „Ehe“ vorher ein Synonym für unbedingte Solidarität in guten wie in schlechten Zeiten – und „Scheidung“ eines für das Ende jener Solidarität, milderten sie die finanziellen Folgekosten ihrer breiten Rede einfach dadurch, daß sie für die Zeit nach dem Ende der Solidarität die „nacheheliche Solidarität“ erfanden. Schon waren sie aus dem Schneider und hatten das Geld der Anderen für ihre zahlreichen Kämpfe gegen alles mögliche gespart.

Der Patriarch, dem gerade die Solidarität aufgekündigt worden war – 75 Prozent aller Scheidungsanträge werden von linksermutigten Freiheitlerinnen gestellt – hatte die Verantwortung für die Folgen der weiblichen Unlust an der Solidarität alleine an der Backe. Er wurde gezwungen, sich die „nacheheliche Solidarität“ mit der Unsolidarischen aus den Rippen zu schwitzen, obwohl sie ihm u.U. die Kinder vorenthielt, die er ebenfalls nachehelich und vollsolidarisch unterstützte.

Da murrten viele Patriarchen, die nun zu den bisherigen Kosten, an denen sich wegen der „nachehelichen Solidarität“ nicht viel geändert hatte, obendrauf auch noch ihren eigenen Haushalt zu finanzieren hatten. Viele mussten daraufhin einen zweiten Job annehmen und mehr arbeiten, als es ein breites Bündnis von Gewerkschaftern befürwortet hätte. Das Ganze erinnerte auch linke Ideologen an das unschöne Wort „Zwangsarbeit“. Weil aber Zwangsarbeit verboten und außerdem voll nazi ist, die breiten Bündnisse von Linksideologen jedoch alles sein wollen außer nazi, erfanden sie auch hier wieder einen neuen Begriff. Die „erhöhte Erwerbsobliegenheit“ erblickte das Licht der Sprachwelt. Was taten Zwangsarbeiter im Dritten Reich also? Sie folgten ihrer „erhöhten Erwerbsobliegenheit“. Man nannte es damals nur noch nicht so.

Linke diskutieren auch gern, behaupten sie. Das ist natürlich gelogen. Tatsächlich monologisieren sie gern. Wenn Dialog sein muß, dann haben sie am liebsten mit Ihresgleichen einen, weil sie Klügere nämlich nicht ausstehen können. Das Allerletzte, was Linke gebrauchen können, ist Demokratie. In der Demokratie dürfen nämlich auch die Klügeren etwas sagen. Damit niemand merken soll, wie wenig Linke die Demokratie mögen, haben sie eine Strategie entwickelt, die schwierig zu durchschauen ist. Sie fußt auf der Idee, daß man viel sinnloses Gelaber für saumäßig demokratisch erklären muß  – und sorgt einfach für viel Gelaber. Aber wie macht das breite Bündnis der Linken das ganze Gelaber, hinter dem es sich und seinen Totalitarismus verstecken kann wie der Kongolese hinter einem syrischen Pass? Das breite Bündnis behauptet einfach, daß nichts so ist, wie es ist, sondern daß alles nur irgendwie ist – und zwar im Verhältnis zu etwas anderem, das selbst auch wieder nur irgendwie ist im Verhältnis zu etwas ganz anderem. Und daß in diesem ganzen Wust von Verhältnismäßigkeiten auch noch die persönliche Perspektive eines jeden Einzelnen zu beachten sei. Das Stichwort heißt „Relativismus“. Motto: Alles ist relativ.

„Alles ist relativ“ ist für das Gelaber ungefähr dasselbe wie ein Brennstab fürs Atomkraftwerk. Seit es die linke Laberdemokratie gibt, unterhalten sich die vermeintlichen Demokraten den lieben langen Tag über Sachen, die keinerlei Bedeutung haben. Ein Universum an Labermöglichkeiten täuscht Demokratie vor. Früher haben sich die Demokraten zum Beispiel darüber unterhalten, ob etwas gerecht oder ob es ungerecht ist. Da steckte nicht viel Laberpotential drin. Seit man sich aber darüber unterhalten kann, ob etwas relativ gerecht, relativ ungerecht, gerechter, geschlechtergerecht, rassengerecht oder einfach am gerechtesten ist, labert es in der Demokratie derartig, daß der Linke sich verstecken kann, wo er will.

Das dreisteste Bubenstück, das dem breiten Bündnis gelungen ist, verdiente eigentlich Anerkennung, wenn es nicht so abgefeimt wäre: Die Tatsache, daß der Demokrat zum Nachweis der Existenzberechtigung des Linken erst entmündigt, dann benachteiligt und schließlich berechtigt wurde, dient der Linke dem Entmündigten auch noch als dessen Freiheit an. Mehr noch: Als seine Freiheiten dient der Linke dem Entmündigten seine ganzen Berechtigungen an, ganz so, als ob Freiheiten der Plural von Freiheit seien. Wenn wir das einmal rückwärts laufen lassen, liest es sich so: Deine Freiheit sind die Freiheiten, die eigentlich Berechtigungen sind, welche wir dir deswegen verleihen konnten, weil wir dich zum Benachteiligten erklärt haben, nachdem wir dich entmündigt hatten. Der Laberdemokrat, dieses gutgläubige Opfer des breiten Bündnisses, wähnt sich jedoch als Souverän in einer Demokratie.

Alles in allem steht also fest, daß man als Klügerer nicht mit Linken reden, geschweige denn leben kann. Wenn man aber leben will, muß man die Linken überwinden, ehe man daran denken kann, etwas Anderes in Angriff zu nehmen. Dem Heinerhofbauern sein Knecht sagt das auch. Er sagt es so: „Solange die Rindviecher noch nicht fertig geschissen haben, braucht man den Stall auch nicht auszumisten“.

 

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