DIE LEITKULTUR IN DER GESPALTENEN GESELLSCHAFT – ODER: DER GEMEINSAME NENNER IST VERLOREN

Foto: Durch Sova Vitalij/Shutterstock
Zersägt, nicht gespalten - Unsere Gesellschaft (Foto: Durch Sova Vitalij/Shutterstock)

Homogene Gesellschaften haben immer auch homogene kulturelle Strukturen. Die längste Zeit wurden die kulturellen Grundbedingungen Europas zum überwiegenden Teil durch metaphysische (religiöse) und klassisch-philosophische Fundamente gebildet: Das Christentum und die Aufklärung waren die beiden Komponenten, die jene Synthese ergaben, auf die man sich quer durch den Kontinent, ja eigentlich in der gesamten westlichen Welt, mit Erfolg einigen konnte. Die europäischen Nationen und die autochthonen Völker besaßen zwar ihre spezifischen kulturellen Unterschiede, im Kern orientierten sich aber alle an der genannten Synthese.

Von Marcus Franz

Kulturelle Transformation

Das alles ist durch eine tiefgreifende Umschichtung der Weltanschauungen in den letzten Jahrzehnten anders geworden. Genauer: Seit der sogenannten „68er-Revolution“ ist der europäische Konsens kein solcher mehr. Wir bekamen zwar 1989 Osteuropa zurück und konnten den Kommunismus endlich überwinden, aber die politische Orientierung, die uns die 68er hinterlassen haben, ist uns geblieben.

Das konservativ-bürgerlich-nationale Selbstverständnis wurde von den 68ern solange angegriffen, kritisiert und angepatzt, bis ihm ein gewisser Hautgout anhaftete, der zumindest mangelnde Modernität und ein irgendwie rückwärts gewandtes Denken vermittelte. Das Metaphysische ist zugunsten einer säkularen Haltung in den Hintergrund getreten und die klassische Philosophie hat sich durch die Frankfurter Schule in eine moralisch-politische Erziehungsanstalt gewandelt, die nur mehr die linksorientierten Einstellungen guthieß und als Muster für die gesellschaftliche Gestaltung  eben nur diese Haltungen zuließ.

Die sogenannten „Rechten“ – also die Konservativen, die Bürgerlichen, die Nationalen und die Wirtschaftsliberalen – haben sich diese Ummünzung gefallen lassen, weil die Linken eine spezielle Waffe gegen sie einsetzten (und dies noch immer tun): Die Rede ist von der Nazi-Keule. Traditionelle Werte wie Nation, Brauchtum, Staatsvolk und regionale kulturelle Identität verloren deswegen massiv an Bedeutung. Man fürchtete sich, in den massiv vom Kulturmarxismus der Frankfurter Schule geprägten Medienwelt öffentlich als Brauner gebrandmarkt zu werden.

Zusatzfaktoren des Wandels

Aber auch andere Faktoren trugen zum Wandel bei: Das Erfolgsmodell „Familie“ erodierte zusehends, da die Frauen durch die Pille die Kontrolle über die Empfängnis erlangten und sich so vom biologischen Los der ständigen Schwangerschaften „befreien“ konnten. Die Geburtenraten gingen seither dramatisch zurück und haben sich nun bei einer Rate von 1,4 Kinder pro Frau auf einem stabil niedrigen Wert eingependelt. In der Realität ist dieser Wert langfristig mit einem Aussterben der europäischen Gesellschaften verbunden, da die Erhaltungsrate einer Population etwa 2,1 Kinder pro Frau beträgt. Die ersten Effekte sehen wir bereits: Das Generationsverhältnis beginnt, sich nachhaltig zu verschieben. Wir leben in einer Altengesellschaft, die am Kindermangel leidet.

Die kulturelle Transformation wurde von ihren treibenden Propagandisten stets mit wohlklingenden Etiketten versehen und damit erfolgreich verkauft: Begriffe wie die Freiheit des Einzelnen, die Selbstverwirklichung, die Gleichstellung und die Vielfalt sind nur einige der Schlagworte, von denen sich unzählige Leute verblenden ließen.

„Einheit durch Vielfalt“, so lautet einer der geschmeidigen Schlachtrufe unserer kulturmarxistischen Weltverbesserer. Gerade diese vor allem durch den Genderismus gekennzeichnete Vielfalt, die immer auch Gleichheit bedeuten soll, zeigt uns die monströse Absurdität des 68er-Projektes:  Eine Gesellschaft, in der die Diversity zum zentralen Dogma geworden ist, kann sich in letzter Konsequenz nur noch auflösen und lediglich eine Zweckgemeinschaft zahlloser „Ichs“ bilden, die mal diese und mal jene kurzfristig und zufällig gemeinsamen Interessen verfolgen.

Wenn diese Individuen ihre jeweilige Selbstverwirklichung suchen sollen, dann müssen deren Interessen ja individuell und daher völlig verschieden sein. Sie werden also ununterbrochen wechseln und andere sein – und das kann nur zum Chaos führen. Wenn diese Gesellschaft dann andererseits auch noch die Gleichheit erreichen will (und das ist ihr futuristisches Credo), so muss sie am Ende nicht das freie Individuum, sondern den geschlechtslosen Einheitsmenschen hervorbringen, der in der Mao-Uniform sein Dasein fristet. Anders ist Gleichheit nicht zu haben.

Dieser Widerspruch zwischen Gleichheit und Individuum ist unauflösbar und wir sehen an ihm zweifelsfrei: Der gesamte Kulturmarxismus und die 68er-Denke sind Lügengebäude und Hirngespinst in einem. Diese politische Philosophie stellt nur eine Karotte vor der Nase des sinnsuchenden Menschen dar, kann aber niemals ihre süßen Heilsversprechungen erfüllen.

Zeit der Erkenntnis, Zeit der Entscheidung

Doch die Zeit der Erkenntnis ist angebrochen. Die Massenmigration, die ein weiteres und zentrales Ziel der linken Denke darstellt, hat vielen Menschen die Augen geöffnet.  Die Zweifel an den hier geschilderten und  in großen Teilen der Politik und der Medien tief verankerten Positionen der Frankfurter Schule nehmen sichtlich und spürbar zu. Der Ausgang der österreichischen Nationalratswahl und die frisch angelobte Mitte-Rechts-Regierung ist das sichtbare Zeichen dafür.

Aber das ist erst der Anfang: Die Rückbesinnung auf die Traditionen und auf die konservativen Haltungen ist voll im Gange und die weltanschauliche Neuausrichtung hat unaufhaltsam begonnen. Allerdings wird eine Rückkehr zu einem gemeinsamen gesellschaftlichen Nenner in Europa sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich werden.

Man wird sich daher überlegen müssen, ob man nicht lieber eine völlige politische Neuordnung des Kontinents anstreben sollte. Hier die Länder, Völker und Nationen, die ihre Stärke aus ihrer Geschichte und ihrer eigenen kulturellen Identität beziehen und dort die Regionen und Gesellschaftsgruppen, die sich dem Kulturmarxismus nicht mehr entziehen können oder wollen und sich schon jetzt auf neue Herren vorbereitet haben.  Das mag wie eine Vision klingen, ist aber womöglich die bessere Variante als eine permanente konfliktgeneigte Situation, die aufgrund der auseinander strebenden Interessen den Kontinent und den Kulturraum Europa in die Dauerkrise stürzen.

Dr. Marcus Franz / thedailyfranz.at

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