Zurück zu den Wurzeln: Schützt Dialekt vor Zensur?

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Dunkel ist´s in Nürnberg (Foto: Pixabay)

Der folgende Text würde in den sozialen Netzwerken sofort gelöscht werden, wenn die Stichworterkennung bestimmte Wörter identifiziert. „Musel“ wäre so ein Wort, „Neger“ vermutlich auch. „Hängen“ wäre jedenfalls gelb unterlegt, nach „Tribunal“ fahnden die Suchmaschinen wahrscheinlich ebenfalls.

Eine typisch fränkische Satire von Max Erdinger

Die Tendenz geht jedenfalls eindeutig da hin, daß es immer schwieriger wird, zensursichere Begriffe zu finden, um das zu sagen, was man eigentlich sagen will. Der Dialekt bietet da einen Ausweg in einer kulturellen Eleganz, die einfach bestechend ist, besteht Deutschland doch aus verschiedenen Stämmen mit eigenen Dialekten. Mit ein bißchen Mühe können sich die Stämme aber trotzdem verstehen. Die Zensurmaschine kann aber nur Deutsch. Machen Sie also einen Fortschritt, indem Sie drei Schritte zurückgehen. Lernen Sie Fränkisch!

  • „Gell, Erich, du mogst die Reigschmecktn aa ned?“ – (Stimmt es, Erich, daß du die Hereingeschmeckten auch nicht magst?)
  • „Allmächt, naa. Grod wenns frech wern, mecherd is am libbstn glei widder nausschmaßn. Die Seddn brauchd ka Mensch. Solln si dahamm ostechn gengseidi, wenns maana, die ganzn Sand- , Halb- und Vollnecherli, bled wäis senn. Obber ned vur unsern Wärtshaus. Do denksder nix, wennst in dein Breller zo der Dier nausdorgelsd, na lichd a Derstochner davur, braux bloß drieberflieng und scho brix ders Gnack.“ – (Allmächtiger, nein. Gerade wenn sie frech werden, würde ich sie am liebsten wieder hinauswerfen. Solche braucht kein Mensch. Sollen sich daheim abstechen gegenseitig, wenn sie meinen, die ganzen Sand-, Halb – und Vollneger, blöd, wie sie sind. Aber nicht vor unserem Wirtshaus. Da denkst du dir nichts, wenn du in deinem Rausch zur Tür hinaustorkelst, dann liegt ein Erstochener davor, du brauchst nur drüberzufliegen und schon brichst du dir das Genick.)
  • „Wecher dera bledn Kouh.“ – (Wegen dieser blöden Kuh.)
  • „Genau. Wecher dera bledn Kouh.“ – (Genau. Wegen dieser blöden Kuh.)
  • „Relichion des Friedns. A sua bleds Gschmarri. Des senn gnallhadde Griecher, wo ka Rouh ned gehm bis daß ganz Nämberch aus lauder Büggbeder zammgsetzt is, wo ka Brodwoschd mehr meng. Mecherd amol wissn, wos an dene friedlich sei soll. De, wo bis etzert friedlich gwesn sin, kennerdn ja aff amol nemmer friedlich sei. Nacherd wär es Graut goar fedd. Des hod si die blede Kouh scheints goar ned ieberlechd. Selber werds ja bewachd, daß erer jo kanner en Grong rumdrähd.“ – (Religion des Friedens. So ein blödes Geschmarre. Das sind knallharte Krieger, die keine Ruhe geben, bis ganz Nürnberg aus lauter Bückbetern zusammengesetzt ist, die keine Bratwurst mehr mögen. Möchte mal wissen, was an denen friedlich sein soll. Die, die bis jetzt friedlich gewesen sind, könnten ja auf einmal nicht mehr friedlich sein. Dann wäre das Kraut gar fett. Das hat sich die blöde Kuh anscheinend gar nicht überlegt. Selbst wird sie ja bewacht, damit ihr auch ja niemand den Kragen umdreht.)
  • „Normol wär des bragdisch die erschde Kouh, wo saubled is, odder?“ – (Normalerweise wäre das praktisch die erste Kuh, die saublöd ist, oder?)
  • „A blede Sau, die blede Kouh. Genau.“ – (Eine blöde Sau, die blöde Kuh. Genau.)
  • „Kennsd du aan, der wo die blede Sau glasse find´, Gerch? Ich ned …“ – (Kennst du einen einzigen, der die blöde Sau klasse findet, Georg? Ich nicht …)
  • „Ner ja, a boar Habberli gibbds scho, obber de senn sunst aa rechde Haumdaucher. Braux di wunnern, wenns´n ganzn Doch in die Glotzn neischaua. Dene is es Hirn scho zammgschrumpfd bis aff an Pfirsichkern, daß´ schebberd wäi in annerer Gromarganschissl, wenn´s ihre bledn Schedl schiddln.“ – (Na ja, ein paar geistig Behinderte gibt es schon, aber die sind auch sonst rechte Haubentaucher. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn sie den ganzen Tag in die Glotze hineinschauen. Denen ist das Hirn schon zusammengeschrumpft bis auf die Größe eines Pfirsichkerns, daß es scheppert wie in einer Chromarganschüssel, wenn sie ihre blöden Köpfe schütteln.)
  • „Ich glaab, de senn sugoar scho su bled, daß´ ihre Schedl wecher goar nix mehr schiddln. Desweng herd mers aa ned su ofd schebbern.“ – (Ich glaube, die sind sogar schon so blöd, daß sie ihre Köpfe wegen gar nichts mehr schütteln. Deswegen hört man es auch nicht so oft scheppern.)
  • „Wennsders frochsd, obs a Schelln wolln, schiddlns ihre Schedl scho daß´d ers schebbern herst. Obber mer frochd ja ned so ofd.“ – (Wenn du sie fragst, ob sie eine Maulschelle haben wollen, schütteln sie ihre Köpfe schon, daß du es scheppern hörst. Aber man fragt ja nicht so oft.)
  • „Genau. Wecher der Höflichkeid. Schelln meng sugoar die Bledn ned. Schelln moch eicherdli goar kanner.“ – (Genau. Wegen der Höflichkeit. Maulschellen mögen sogar die Blöden nicht. Maulschellen mag eigentlich gar keiner.)
  • „Obber nitzli wärns! Hilf´der doch nix, wennsd an Debbn sochsd, daß er a Debb is! Desweng isser doch aaner: Wall ers ned vastedd! Der misserds schbiern, daß er a Debb is´! Wall sunst wähld der die blede Kouh numol. Suwos derf eimpfach ned bassiern!“ – (Aber nützlich wären sie! Es hilft dir ja nichts, wenn du einem Deppen sagst, daß er ein Depp ist! Deswegen ist er doch einer: Weil er es nicht versteht! Der müsste spüren, daß er ein Depp ist! Weil er die blöde Kuh sonst nochmal wählt. Sowas darf einfach nicht passieren!)
  • „Ner ja, des is hald die Demogradie. Do derfn aa die Bledn wähln. Wos willst machn?“ – (Na ja, das ist eben die Demokratie. Da dürfen auch die Blöden wählen. Was willst du machen?)
  • „Wos will i machn, wos will i machn!? Waaß doch ich aa ned. Wenn i´s Milidär wär, däd i an Budsch machn. Obber bin ich vielleichd es Milidär?“ – (Was will ich machen, was will ich machen!? Weiß doch ich auch nicht. Wenn ich das Militär wäre, würde ich einen Putsch machen. Aber bin ich vielleicht das Militär?)
  • „Wemmer si etz obber amol vurstellerd, daß du es Milidär wärsd und an rechdn Erfolch ghabd häddst mid dein Budsch: Wos dätstn na als erschdes machn?“ – (Wenn man sich jetzt aber einmal vorstellte, daß du das Militär wärst und einen rechten Erfolg gehabt hättest mit deinem Putsch: Was würdest du als erstes machen?)
  • „Ner ja, logisch, odder? Ich dät song, daß ab sofort ner bloß nu gscheide Leit wähln dürfn und daß die Bledn es Maul haldn missn. Desweng wärs ja immer nu a Demogradie. Es wär´ hald a Demogradie für die gscheitn Leit und ned für die Bledn. So verkehrd wär´des ned.“ – (Na ja,logisch, oder? Ich würde verfügen, daß ab sofort nur noch die gescheiten Leute wählen dürfen und daß die Blöden das Maul halten müssen. Deswegen wäre es ja immer noch eine Demokratie. Es wäre eben eine Demokratie für die gescheiten Leute und nicht für die Blöden. So verkehrt wäre das nicht.)
  • „Und die blede Kouh? Wos dätst na mid dera bledn Kouh machn?“ – (Und die blöde Kuh? Was würdest du dann mit der blöden Kuh machen?)
  • „In an Käfich dät i´s nei, der wo nebern Brandenburcher Tor aufgstelld wär´. Als Ausstellungsstück. An Banzergloskasdn drieber, daß ned naß werd, wenns rengd. Misserder mer bloß nu ieberleng, wäi des Ausstellungsstück haasn sollerd.“ – (In einen Käfig täte ich sie hinein, der neben dem Brandenburger Tor aufgestellt wäre. Als Ausstellungsstück. Einen Panzerglaskasten darüber, damit es nicht naß wird, wenn es regnet. Ich müsste mir nur noch überlegen, wie das Exponat heißen soll.)
  • Schlechdes Beischbiel!“ – (Schlechtes Beispiel!)
  • „Wos?“ – (Was?)
  • „Die blede Kouh. Die kennerd schlechdes Beischbiel haasn in ihrn Gloskadn drin.“ – (Die blöde Kuh. Die könnte „schlechtes Beispiel“ heißen in ihrem Glaskasten drin.)
  • „Genau. Odder der Fehlschloch. Der Irrdum dät aa bassn.“ – (Genau. Oder „der Fehlschlag“. „Der Irrtum“ würde auch passen.)
  • „Wenn´s a weng indelleller glinga soll, wär´ aa bosdfagdisches Ösdrogendesasder ned schlechd. Wechern Erziehungseffegd. Daß die bledn Indellellen a wos lerna. Wall fier die eimpfachen Ausstellungsstücke inderessieren si die ned a su. Des sollerd ja aa a weng an bädagochischen Werd hom, nä?“ – (Wenn es ein wenig intellektueller klingen soll, wäre auch „postfaktisches Östrogendesaster“ nicht schlecht. Wegen des Erziehungseffekts. Damit die blöden Intellektuellen auch etwas lernen. Weil die sich nicht so sehr für die einfachen Ausstellungsstücke interessieren. Das Ganze sollte auch ein klein wenig einen pädagogischen Wert haben, nicht?)
  • „Do hosd etz du rechd. Osdzonale Schbrechblosn gengerd aa, als Middlwech zwischer normol und indellell.“ – (Da hast jetzt du recht. „Ostzonale Sprechblase“ ginge auch, als Mittelweg zwischen normal und intellektuell.)
  • „Wasst, wos nu gscheider wär´?“ – (Weißt du, was noch gescheiter wäre?)
  • „Wos na?“ – (Was denn?)
  • „Mer kennerd die Saudis schmiern, daß´die blede Kouh ihrn Bresidenden machn lassn. Dann kennerds die ganzn Sand-  und Egsblosivnecher aff Saudi Arabien eilodn und mir wärn des Gschwaddl widder los. Die Saudis hom aa a Geld, wo´s zon Fensder nausschmassn kenna, ned bloß mir. Und wenn si die Reigschmeckdn dortn ned onständich auffiehrn, gräicherdn si´s gnallhadd zu schbiern, wos los is. Wall die Saudis ka sedde Weicheier senn wäi die unsrichen.“ – (Man könnte die Saudis schmieren, damit sie die blöde Kuh ihren Präsidenten spielen lassen. Dann könnte sie die ganzen Sand- und Explosivneger nach Saudi Arabien einladen und wir wären das Geschwaddl wieder los. Die Saudis haben auch Geld, das man zum Fenster hinauswerfen kann, nicht nur wir. Und wenn sich die Hereingeschmeckten dort nicht anständig aufführen, würden sie es knallhart zu spüren bekommen, was los ist. Weil die Saudis keine solchen Weicheier sind wie die unsrigen.)
  • „Allmächt, geniol. Morng fang mer midn Sammln o und wemmer zwahunnerd Euro bonanner hom, dann mach´mer die Saudis a Angebod.“ – (Allmächtiger, genial. Morgen fangen wir mit dem Sammeln an und wenn wir zweihundert Euro zusammen haben, dann machen wir den Saudis ein Angebot.)
  • „So mach´mers. Und vur´n Brandenburcher Tor schdell´mer bloß a Kobie auf. A Hologramm vielleichd, wo rechd echd ausschaut.“ – (So machen wir es. Und vor dem Brandenburger Tor stellen wir bloß eine Kopie auf. Ein Hologramm vielleicht, das recht echt aussieht.)
  • „Siggsders, es gibt eimpfach fier alles a Lösung. Mer muß bloß scharf nochdenkn.“ – (Siehst du, es gibt einfach für alles eine Lösung. Man muß nur scharf nachdenken.)

 

 

 

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