Wo ist Caspar, der Neger?

Foto: Wikipedia
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Seit dem Mittelalter ziehen Kinder zum Dreikönigstag verkleidet von Tür zu Tür, um zu singen und Spenden zu sammeln. Dass einer von ihnen den „Mohrenkönig“ gab, hat eine besondere Tradition.

 Von Thomas Schlawig

Was zur Hölle ist los in diesem Land, fragte Beatrix v. Storch nach dem Tweet der Kölner Polizei, in welchem Neujahrswünsche auf arabisch verschickt wurden. Ich frage mich das auch, jedoch aus einem anderen Grund. Am Samstag waren, wie jedes Jahr am 06. Januar die Sternsinger in Gestalt der Heiligen Drei Könige unterwegs. So auch in Düsseldorf. Doch überall, wo sie gesehen wurden, fehlte der Neger. Ich empfinde das als ganz bösen Rassismus gegenüber den Schwarzen. Ganz besonders jetzt, nachdem ein nicht ganz Weißer und nicht ganz Schwarzer, der Berlin als weiße Stadt bezeichnete, als Halbneger  angesprochen wurde und diese Bezeichnung Wellen der Empörung auslösten. Warum eigentlich? Berlin liegt bekanntlich in Deutschland und Deutschland bekanntermaßen nicht in Afrika. Somit ist es natürlich, daß Berlin eine weiße Stadt ist. Ebenso ist es vollkommen natürlich, daß auch der Osten Deutschlands weiß ist, wie eine gewisse ehemalige Stasi-Mitarbeiterin namens Kahane beklagt. Ich frage mich ohnehin mit welchem Recht sie beklagt, daß Pommern, Schlesien, Ostpreußen etc. weiß sind. Die Bewohner dieser Ländereien werden mit Sicherheit froh darüber sein und sich derartige  Äußerungen aus dem bunten und degenerierten Westen verbitten. Aber zurück zu den Heiligen Drei Königen, auch genannt die Drei Weisen, womit aber nicht Drei Weiße gemeint sind. Wo liegt nun der Unterschied?

Es ist eine Tradition aus dem Mittelalter. Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, ziehen Kinder von Haus zu Haus, verkleidet als die Heiligen Drei Könige auf dem Weg zur Krippe, um Lieder zu singen und Segen zu verteilen. Während die Gaben, die sie früher dafür bekamen, dem eigenen Bedarf an Nahrungsmitteln dienten, sammeln sie seit Ende der 50er-Jahre Spenden für notleidende Kinder in der Welt…[…]…Die allerwenigsten erinnern noch daran, dass einer der drei Männer, die vor mehr als 2000 Jahren dem Stern über Bethlehem gefolgt sein sollen, vielleicht dunkelhäutig war. Und das liegt nicht nur an der Angst vor allergieauslösenden Stoffen in Gesichtsschminke, sondern auch an der Frage, ob man das darf, sich schwarz anmalen.

Manchmal kann das feine Gespür für Rassismus aber auch das Gegenteil von dem bewirken, was es eigentlich soll. Nämlich ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass kein Mensch aufgrund seiner ethnischen Herkunft oder gar seiner Hautfarbe besser oder schlechter ist. Dass niemand aufgrund seiner ethnischen Herkunft oder Hautfarbe ausgegrenzt werden darf.

Im Laufe der Kunstgeschichte verfestigte sich die Darstellungsweise, wonach Caspar als Myrrhe reichender Afrikaner dargestellt wird, Melchior Europa repräsentiert und Balthasar Asien. So wurden sie zu Botschaftern der ganzen bekannten Welt – und die Geburt des Jesuskindes zur Botschaft für alle Menschen.

Aus politischer Korrektheit aufs Schminken zu verzichten – das heißt, die Vielfalt der Welt zu bestreiten, die Erinnerung daran auszulöschen, dass es schon vor Jahrhunderten eine besondere Wertschätzung dafür gab, dass es unterschiedliche Kulturen mit unterschiedlichen Gaben gibt. Eigentlich ist genau das diskriminierend.

Und genau hier liegt der Skandal. Diejenigen Gutmenschen, egal ob Linke, Grüne oder sonstige Verwirrte, welche in allen Ecken Rassismus und Diskriminierung wittern, ständig wiederholend und nervend Vielfalt und Buntheit fordern, sind plötzlich selbst ganz schlimme Rassisten, indem sie Afrika und die Neger in Frage stellen und einen Teilnehmer an diesem über 2000 Jahre alten Brauch diskriminieren, indem sie ihn gegen einen Weißen austauschen.

„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben“  Alexander von Humboldt

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