SPIEGEL Bento bleibt sich treu

Foto: Collage
Die Belästigerin heißt Lena Seuferlein (Foto: Collage)

In grauer Vorzeit deckten echte Journalisten noch echte Skandale über Umweltverschmutzung oder Ausbeutertum von Konzernen auf. Mit solchen Lappalien gibt SPIEGEL Bento sich natürlich nicht ab. Die „hippen“ Jungautoren fahnden nämlich lieber nach dem größten Problem in den Unternehmen, dem allgegenwärtigen Nazi. Nachdem die „dunklen Machenschaften“ bei REAL und AMAZON aufgedeckt wurden, konnte man nun dem PHANTASIALAND auf die Schliche kommen.

Von Nils Kröger

Phantasialand lässt offenbar (!) Besucher mit „Thor Steinar“-Kleidung rein… und löst eine Riesen-Diskussion aus.

 Ein Hauch von „Watergate“ liegt in der Luft. Generell das Wort „offenbar“ überzeugt jeden von der Schuld Phantasialands. Dass die ARD noch keinen Brennpunkt zu diesem Thema geschaltet hat, zeugt von absoluter Inkompetenz. Offenbar mit Vorsatz?

Als Julien B. am Dienstag das Phantasialand besuchte, fiel ihm in dem beliebten Freizeitpark in Brühl ein Pärchen auf. Der Mann habe Springerstiefel und Glatze getragen, schildert Julien bento das Aussehen des Besuchers. Und er habe auch Klamotten des bei Rechten beliebten Labels „Thor Steinar“ getragen und einen mit Runenschrift bekritzelten Rucksack. Für Julien war die Sache eindeutig. Er meldete sich auf Twitter beim Phantasialand.

 Es muss wirklich ein traumatisches Erlebnis gewesen sein, einem Mann mit solchem Aussehen zu begegnen. Zum Glück hatte er nicht die Merkmale eines gewissen Herrn aus Österreich. Seltsamerweise spricht man wieder lediglich nur über den Mann. Ein Fall von Diskriminierung? Was hat denn die Frau getragen bzw. war es überhaupt eine Frau? Wo ist die LGBT-Ortsgruppe, wenn man sie braucht?

 Das Social-Media-Team des Freizeitsparks antwortete sofort. Grundsätzlich dürfe jeder in den Park, egal, was er trage. Nun streiten sich Nutzer und fragen: Ist es okay, Menschen zu tolerieren, die eindeutig rechtsextreme Kleidung tragen?

 Die Firma reagiert mit gesundem Menschenverstand und man könnte die Sache damit auf sich beruhen lassen. So einfach gibt es aber vor den „toleranten“ Gutmenschen kein Entkommen. Wo käme man denn dahin, den, an seiner Kleidung und nicht durch sein Verhalten identifizierten, Nazi unbehelligt zu lassen? SPIEGEL Bento hakt selbstverständlich knallhart nach.

„Grundsätzlich ist bei uns jeder Gast willkommen, der die Hausordnung beachtet“, sagt Birgit Reckersdrees, Sprecherin des Parks. Die ist sehr einfach gefasst: Einlass ist für jeden erlaubt, der den Oberkörper bedeckt und feste Schuhe trägt. Die Marke der Bekleidung sei an dieser Stelle egal, sagt Reckersdrees. Der Sicherheitsdienst achte beim Eingang vor allem auf den Inhalt der Taschen der Parkbesucher. Reckersdrees sei überrascht gewesen, dass es mit der Bekleidung der Gäste Probleme gegeben habe: Ich kannte die Marke bis heute selbst nicht und bin damit noch nie vorher in Berührung gekommen.

Anscheinend ist die Dame keine SPIEGEL Bento-Leserin (sehr sympathisch). Nun möchten die Jungautoren schlau tun und „klären“ auf. „Thor Steinar“ ist eine Modemarke, die bei Neonazis beliebt ist. Wer sie trägt, weiß das. (…)

Nach der Logik wissen auch alle Käufer von sehr günstigen Textilwaren, dass diese unter fragwürdigen Bedingungen produziert werden oder das Autos mit Verbrennungsmotor „wahre Klimakiller“ sind. Trotzdem werden diese Produkte ohne Gewissensbisse gekauft. Nun aber gelangen die „Journalisten“ an den Punkt, an dem sie immer scheitern.

Das Label ist nicht verboten – das Tragen der Klamotten wird jedoch an vielen Orten untersagt. Unter anderem verbieten der Deutsche Bundestag und die Landtage von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen „Thor Steinar“ (Bundestag). Weder Besucher noch Angestellte oder Politiker dürfen die Kleidung tragen. 2012 wurden NPD-Politiker aus dem sächsischen Landtag geworfen, weil sie mit „Thor Steinar“-Shirts an der Sitzung teilnehmen wollten (Die Welt). Auch in mehreren Fußballstadien wird das Tragen der Marke verboten.

 Diese bösen Nazis aber auch. Tragen doch tatsächlich Kleidung, die nicht verboten ist. Pure Anarchie! Zumindest konnte SPIEGEL Bento noch anbringen, dass es Bekleidungsvorschriften in bestimmten Bereichen gibt. Die „Weisen aus dem SPIEGEL-Haus“ können sich mit ihrer Niederlage nicht abfinden und fragen erneut, warum Phantasialand diese Kleidung erlaubt.

Phantasialand-Sprecherin Reckersdrees sagt, Toleranz sei im Phantasialand sehr wichtig. (…) Dazu gehören alle Gäste – egal in welchem Outfit:

„Bisher hatten wir noch nie Probleme mit Gästen in Kleidung rechter Marken. Wir wurden aber in der Vergangenheit mehrfach (!) gefragt, wieso es Frauen im Phantasialand erlaubt ist, eine Burka zu tragen.“

Die Pressesprecherin weist darauf hin, dass alle Gäste, die die Hausordnung des Parks einhalten, auch Einlass erhalten. Einen konkreten Verstoß dagegen gab es ihrer Aussage nach bisher nicht. Dass das Tragen von „Thor Steinar“-Kleidung beispielsweise im Bundestag verboten ist, finde sie richtig. Der Bundestag oder ein Landtag seien politische Institutionen. Das Phantasialand sei aber ein privates Unternehmen, wo ein anderer Anspruch gelte.

 Die Dame rückt partout nicht von der Betriebsphilosophie ab (noch sympathischer) und erläutert für geistig Umnachtete den Unterschied zwischen politischen Institutionen und Privatunternehmen. Interessanterweise gab die Sprecherin auch bekannt, dass Besucher mehrfach fragten, warum das Tragen einer Burka erlaubt ist. SPIEGEL Bento, fällt Euch was auf?

 Reckersdrees ärgert es außerdem, dass der Twitter-Nutzer seinen Hinweis nicht vor Ort im Park angesprochen hat. „Hätte der Gast unseren Service vor Ort direkt darauf hingewiesen, hätte sich ein anderes Bewusstsein für dieses Problem entwickeln können“, so die Sprecherin. Stattdessen seine Kritik öffentlich zu twittern, sei der falsche Weg, das Problem zu lösen.

 Frau Reckersdrees ist eine Frau von Format und spricht jedem klar denkenden Menschen aus der Seele. Denn früher löste man „Probleme“ ohne Ansehensverlust für beide Seiten. Dieses setzt aber ein gewisses Niveau von allen Beteiligten voraus.

 Julien sagt zu bento, er habe das Paar nur kurz gesehen, als es ihm entgegenkam. Und gibt zu, dass ihm nicht in den Sinn kam, eine Parkaufsicht zu informieren. Twitter sei hingegen genau der richtige Ort, um die „Thor Steinar“-Sache zu diskutieren und das Phantasialand in die Verantwortung zu bringen. Denn es sei nun sichtbar geworden:

„Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Typ nur schlechten Modegeschmack hat, bleibt das Statement, dass Phantasialand explizit (!) auch Nazis in ihrem Park begrüßen.“

 Herzlichen Glückwunsch, Julien. Mit dieser Einstellung hast Du einen unbezahlten Praktikumsplatz bei SPIEGEL Bento sicher. Denn diese Zeitschrift braucht solche Leute wie Dich, sonst entsteht bald das Vierte Reich.

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