AfD aktuell: Der „Halbneger“

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"Neger" (Foto: Pixabay)

Allerorten herrscht Aufregung über einen Tweet des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier, in welchem er Noah Becker, den Sohn der Tennislegende Boris Becker, einen „Halbneger“ nannte.

von Max Erdinger

Zugegeben, auch meineneinen beschleicht ein eigenartiges Gefühl, wenn ich lese, daß ein Bundestagsabgeordneter einen – wie sage ich das jetzt – Menschen als „Halbneger“ bezeichnet. Allerdings frage ich mich, warum das so ist – und ob mein Gefühl weniger eigenartig wäre, hätte Maier von einem „Halbweißen“ gesprochen.

Soviel steht fest: Maiers Tweet bezog sich auf eine Äußerung von Noah Becker, der zuvor beklagt hatte, daß Berlin eine weiße Stadt sei und daß ihm oft Ablehnung wegen seiner Hautfarbe widerfahren ist. Das ist freilich nicht schön, doch muß man immer noch froh sein, daß es um Noah Becker und Berlin ging, nicht um Jens Maier und Johannesburg. Wenn Jens Maier als vollweißer Südafrikaner alleine und unbewaffnet durch das Stadtzentrum von Johannesburg schlendern würde, wäre „Ablehnung“ die krasseste Untertreibung dessen, was ihm dort widerfahren würde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde uns Maier nicht einmal mehr erzählen können, was genau ihm widerfahren ist.

Mich erstaunt, daß der ehemalige Richter aus Dresden selbst in konservativen Medien wie der Jungen Freiheit für seine Verwendung des Ausdrucks „Halbneger“ gerüffelt wird. Was zum Teufel soll falsch daran sein, „Neger“ oder „Halbneger“ zu sein? Ich frage mich ernsthaft, wer hier eigentlich der Rassist ist. „Neger“ oder „Halbneger“ zu sein, ist doch völlig normal!? Was soll verkehrt daran sein, jemanden als das zu bezeichnen, was er ist? Boris Becker ist weiß, seine damalige Ehefrau ist schwarz – und ihr Sohn ist deswegen ein Mischling. Und jede Wette: Hätte Maier statt „Halbneger“ das Wort „Mischling“ verwendet, dann wäre das Geschrei nicht minder groß.

Wie hätte Jens Maier denn sagen sollen, was er sagen wollte im Zusammenhang mit Noah Beckers Kritik am „weißen Berlin“? – Am besten gar nichts, wahrscheinlich. Warum nicht? Weil man anscheinend sogar bei konservativen Medien wie der Jungen Freiheit – weiß der Geier, warum – verinnerlicht hat, daß es genau einen Rassismus gibt: Nämlich einen weißen gegen alle anderen Farben. Da hätte man aber akurat das Falsche verinnerlicht. Der Rassismus vieler Schwarzer gegen Weiße steht in seiner Radikalität derjenigen eines Ku-Klux-Klan in nichts nach.

Völlig anders gelagert wäre der Fall wohl dann, wenn Noah Becker das „weiß“ vor „Berlin“ einfach weggelassen hätte. Die Ablehnung und die Vorurteile, die ihm in Berlin begegnen, sind die Ablehnung und die Vorurteile von Rassisten, die es überall gibt, eben auch in Berlin. Was das damit zu tun haben soll, daß Berlin mehrheitlich immer noch „weiß“ ist, läßt sich doch nur damit erklären, daß Noah Becker selbst ein Rassist ist, nicht willens, zwischen „Rassist“ und „weiß“ zu unterscheiden! Was soll das sein, ein „weißes Berlin“?

Es gibt eben Unterschiede. Boris Becker wurde 1967 geboren, ist sehr weiß und seine blonden Haare haben einen Stich ins Rote. Wahrscheinlich ist er dafür in seiner Kindheit noch von anderen Kindern gehänselt worden, was für den Fall, daß es so gewesen ist, seine spätere Vorliebe für dunkelhäutige Frauen erklären könnte. Ich bin sieben Jahre älter als Boris Becker und weiß, wovon ich rede. In der ersten Klasse Grundschule musste ich mich in der Pause regelmässig dafür prügeln, daß ich mich als Einziger vor einen rothaarigen Klassenkameraden gestellt habe, der von den Anderen arg drangsaliert worden ist.

Als ich in meinen späten Teenagerjahren in Südafrika zur Schule ging, habe ich mich wieder geprügelt – und zwar mit anderen weißen Internatskameraden. Weil sie die Salzfässchen auf den Tischen im Speisesaal nach dem Essen in die übrig gebliebenen Speisen kippten, wohlwissend, daß die Reste in den Schüsseln nach dem Abservieren gerne vom schwarzen Küchenpersonal gegessen wurden. Dennoch wäre mir nie in den Sinn gekommen, die Schwarzen anders zu bezeichnen, als eben als „Neger“. Meine Schulpausen habe ich damals in der armseligen Unterkunft des schwarzen Hausmeisters der Schule verbracht – und am Nachmittag habe ich mich demonstrativ mit dem schwarzen Eisverkäufer vor dem Internat unterhalten, wenn er mit seiner Kühlbox auf dem Dreirad angekommen war. Und ich wurde übelst angefeindet dafür. Es war mir egal. Mir braucht wahrlich niemand etwas über Rassismus zu erzählen.

Ich bin einfach nicht blöde genug, um nicht zu merken, wer mit dem rassistischen Scheiß angefangen hat. Das war in diesem Fall Noah Becker mit seinem „weißen Berlin“ – und ich habe Verständnis dafür. Allerdings finde ich auch, daß er von Jens Maier die passende Antwort bekommen hat. Maier hat nicht gelogen. Noah Becker ist ein „Halbneger“ – und ums Verrecken nicht würde ich mir verbieten lassen, Dinge und Personen bei ihren Namen zu nennen.

Der wahre Rassist ist doch derjenige, der unterstellt, schwarz zu sein sei ein derartiges Übel, daß man einen Schwarzen einen „Menschen mit Hintergrund“ nennen muß. Nichts ist verkehrt daran, ein „Neger“ zu sein und nichts ist verkehrt daran, auch so bezeichnet zu werden. Nichts ändert sich seinem Wesen nach dadurch, daß man es als etwas anderes bezeichnet, als es ist. „Neger“ kommt vom lateinischen nigrum, das in der deutschen Übersetzung schwarz heißt. Das ist exakt das, worin sich der „Neger“ von Menschen anderer Hautfarben auf den ersten Blick unterscheidet: Er ist nigrum – schwarz.

Wie soll es denn weitergehen? Wollen wir den Niger (den Fluß) bald umbenennen in „Afrikanisches Fließgewässer mit Namenshintergrund„? Was ist mit dem Land Nigeria? Die römische Porta nigra in Trier: Sollen wir sie bald als „antikes Stadttor mit Farbhintergrund“ bezeichnen? Oder einfach nur noch als Porta? Sollen wir die „Rothaut“ aus sämtlichen Wild-West-Romaen tilgen? Was ist mit „Rednecks„, dem spöttischen Begriff amerikanischer Schwarzer für weiße Farmer mit Sonnenbrand?

Merkt denn noch nicht einmal ein Freiheitlich-Konservativer mehr, welchem „Narrativ“ er mit seiner Empörung über Jens Maiers Tweet auf den Leim gegangen ist? Weiß er ungeachtet aller Weltklasse-Ballerinas nichts vom weit verbreiteten Vorurteil der Schwarzen, Weiße könnten nicht tanzen? Kennt er die despektierlichen Bezeichnungen nicht, die Schwarze für Weiße haben?

Was anderes als ein Rassist ist denn jemand, der unterstellt, schwarz zu sein sei ein solches Übel, daß die alteingesessene Dachdeckerfamilie Neger in Mainz ihr Firmenemblem  ändern soll, eine traditionsreiche Kaffeerösterei ihr Logo ändern soll, der Sarottimohr verschwinden muß, Negerkuss und Mohrenkopf umbenannt werden müssen? Diejenigen, die solche Forderungen aufstellen, sind doch in Tat und Wahrheit die Rassisten – und nicht diejenigen, die kein Problem damit haben, einen Neger einfach als das zu bezeichnen, was er ist: Ein Neger.

Kann es wahr sein, daß inzwischen sogar Konservative im After der zeitgeistig Vollverblödeten herumkriechen? Wer dort herumkriecht, ergibt sich doch der historisch völlig verlogenen Behauptung, Weiße seien für Neger noch nie etwas anderes gewesen, als Ausbeuter, Unterdrücker, Mörder und Kulturchauvinisten. Was ist mit Robert Koch, Albert Schweitzer, technischem und medizinischem Fortschritt, Straßenbau usw. – haben davon keine „Neger“ profitiert? Will sich wirklich sogar der Freiheitlich-Konservative auf die ihm von Linken zugewiesene Rolle des welthistorischen Schweins reduzieren lassen?

Es spielt keine Rolle, wem es gefällt oder nicht, daß Jens Maier den Noah Becker als „Halbneger“ bezeichnet hat. Noah Becker ist einer und er bleibt auch einer, egal wie man ihn nennt. Freilich hätte Maier ihn auch einen „Halbweißen“ nennen können, ohne daß das auch nur um einen Deut weniger zutreffend gewesen wäre. Und dann?

Die Sprache formt das Denken. Deswegen ist es enorm wichtig, sich immer zu vergegenwärtigen, daß der „Kampf um die Sprache wesentlich ist für die geistige Selbstbehauptung“ (Franz Josef Strauß). Linke versuchen permanent, über die Erfindung neuer Begriffe und die inhaltliche Veränderung der alten das Denken in ihrem Sinne zu verbiegen. Sprechverbote werden letztlich immer zu Denkverboten. Man kann nicht, sondern man muß den linken Gesinnungsdiktatoren einen Strich durch die Rechnung machen. Das ist Pflicht!

Würde Franz Josef Strauß heute noch leben, er wäre bei Twitter, Facebook und Co. permanent gesperrt. Das sollte denen zu denken geben – auch bei der Jungen Freiheit – , die sich, wie jeder aufrichtige Demokrat, über das NetzDG aufregen. Das könnten sie nämlich bleiben lassen, wenn sie schon im Fall des Pipifax-Tweets von Jens Maier lieber genau den Gesinnungsdiktatoren in den Allerwertesten schlüpfen, die das NetzDG in die Welt gesetzt haben.

Wenn JF-Herausgeber Dieter Stein Maiers Tweet „instinktlos“ nennt, dann hat er natürlich in einer Hinsicht recht: Tatsächlich könnten solche „Instinktlosigkeiten“ potentielle AfD-Wähler verprellen. Da wären wir aber dann bei einer ganz anderen Frage: Ist es langfristig wirklich zielführend, vor einem komplett verlogenen Zeitgeist zu kuschen, indirekt also die Herrschaft der linken Gesinnungsdiktatoren anzuerkennen, nur, um an die Stimmen derjenigen zu kommen, die schon bisher nicht begriffen haben, welcher Gehirnwäsche sie in den letzten Jahrzehnten unterzogen worden sind? Ich habe da meine Zweifel. Genau das Gegenteil wäre nämlich ebenfalls denkbar: Daß diejenigen zu AfD-Wählern werden, die bisher gar nicht gewählt haben – auch die AfD nicht – , weil ihnen das Kuschen vor diesem Zeitgeist ganz gewaltig auf den Senkel geht. So wie mir. Übrigens: Harald Schmidt: „Der hat Neger gesagt!

 

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