„Ach Gut“ sehr gut: Das Blutbad von Oldenburg

Medienkritik (Foto: Collage)

„Hinrichtung in der Öffentlichkeit“ unter Syrern. „Stress im Ramadan“, lauteten die Schlagzeilen. Der Prozess um die Ermordung eines Kurden in der Oldenburger Fußgängerzone ist für die Qualitätspresse nur von regionaler Bedeutung. Achse des Guten schickte Stefan Frank als Prozessbeobachter nach Oldenburg. 

Von Volker Kleinophorst

Während des vergangenen Ramadan am 31. Mai 2017 schlachtete der (mittlerweile muss man schon sagen angebliche) Syrer Helal Hadi den syrischen Kurden Abdul Hana Jakub mitten am Tag in der Oldenburger Fußgängerzone vor unzähligen Zeugen ab. Dieser war einem Raucher beigesprungen, von dem sich Hadi belästigt fühlte. Eine „Vorgeschichte“ der beiden Kontrahenten liegt aber wohl vor. Der natürlich „polizeibekannten“ Täter war verärgert, außerdem machte ihm der Drogenentzug zu schaffen.

Der Autor Stefan Frank hat für die Webseite „Achse des Guten“ („Ach Gut“) diesen Prozess beobachtet und sein ausführlicher Text „Das Ramadan-Blutbad von Oldenburg – ein Prozessbericht“ ist unbedingt lesenswert.

Hier einige Auszüge:

„Helal Hadi stach dreimal auf Jakub ein. Mit dem ersten Stich zerschnitt er seinem Opfer das Gesicht bis zum Schädelknochen. Den zweiten Stich setzte er unter der linken Brustwarze durch die Rippen ins Herz und zog das Messer von dort nach unten. Der dritte Stich traf von der Seite die Lunge.“

„Hadi führte ein Klappmesser mit arretierbarer Klinge mit sich, das er angeblich zum „Obst schneiden“ besaß.“

„Als ein hoher Justizbeamter Hadi eröffnete, dass Jakub gestorben sei, habe Hadi gelächelt, so der Beamte.“

„Mehrere Zeugen sagen aus, dass sie den Eindruck gehabt hätten, dass zwischen Täter und Opfer schon länger ein Streit geschwelt habe. Aus welchem Grund, kann das Gericht nicht klären.“

Ein Journalist der Lokalpresse spricht mich an: ob ich auch von der Presse sei. Ich frage ihn, ob er den gesamten Prozess beobachte. Nein, sagt er, „es wiederholt sich ja immer, das würde die Leser langweilen“. Ich: „Aber dass wir gerade gehört haben, dass der Angeklagte marokkanisch spricht, ist doch interessant, oder?“ Er: „Wieso?“ Ich: „Laut Akten ist der Angeklagte doch Syrer. Warum spricht er dann mit marokkanischem Akzent?“ Der Kollege: „Von mir aus kann er italienisch sprechen, ist mir doch egal!“

Auszug aus dem Bundeszentralregister. Demnach hat Helal Hadi schon früher in Deutschland Straftaten begangen, unter anderem Sachbeschädigung und Diebstahl. Alle Verfahren sind wegen „Geringfügigkeit“ eingestellt worden.

Der Oberstaatsanwalt fordert 13 Jahre Haft wegen Totschlags. „Nur in ganz besonderen Ausnahmefällen“ sei eine Tötung „so verwerflich“, dass sie als Mord einzustufen sei. Die Mordmerkmale „Heimtücke“ und „niedere Beweggründe“ ließen sich nicht beweisen.

Dass das Opfer den Täter geschlagen habe, als dieser ihm gerade sein Shirt gereicht habe, sei „zumindest unsportlich“ gewesen. „Der Angeklagte ist in dieser Situation aufgekocht.“ Es gebe also keine niederen Beweggründe.

Er hätte sich nicht umdrehen und weggehen dürfen, er hätte mit weiteren Angriffen „rechnen müssen“, folglich sei es „kein Heimtückemord“.

„Die Menschen sollten sehen, dass er gewinnt.“

Der Oberstaatsanwalt schließt mit einem Ausdruck persönlichen Bedauerns über die, die „Schutz suchen vor Mord und Totschlag und Elend in ihrer Heimat und über die Balkanroute oder das Mittelmeer nach Deutschland kommen, nur, um sich hier Messer in den Bauch zu rammen. Dies ist nicht das erste, nicht das zweite, nicht das fünfte und nicht das zehnte Mal. Ich finde das erschreckend.“

Das Gericht verurteilt den Angeklagten am 22.12. 2017 wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Von den überregionalen Zeitungen hat nur „Bild“ in ihrer Bremen Regionalausgabe über die Tat und das Urteil berichtet. Der NDR brachte jeweils eine Kurzmeldung in den abendlichen Regionalnachrichten, die „Tagesschau“ berichtete gar nicht. (VK)

 

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