Shitstorm in Frankreich: „Amélie“ Star Kassovitz schimpft Polizisten „Bastarde“

"Ein offener Brief von einem nichtsnutzigem Bastard an Mathieu Kassovitz" / Foto: MPC

Frankreich solidarisiert sich nach dem brutalen Angriff auf zwei Polizisten in Champigny-sur-Marne mit den Ordnungshütern. Der Schauspieler Mathieu Kassovitz hat einen Shitstorm geerntet, nachdem er Heilig Abend die Polizei als „Bande von Bastarden“ bezeichnet hat.

von Collin McMahon

„Bande von Bastarden! 24 Polizisten für 7 g Drogen! Ihr seid ein schöner Haufen von Nichtsnutzen“ twitterte der „Amélie“-Star am 24.12. an @policenationale44 als Antwort auf einen Bericht über eine Drogenrazzia in der St. Jaques Uniklinik in Nantes.

„Ich hoffe die Polizei zeigt Sie wegen Beleidigung an“, antwortete ein Beamter unter @titinormand: „Weder ich noch meine Kollegen halten sich für Bastarde. Vielleicht haben Sie Angst, dass es mal bei Ihnen eine Razzia gibt, und wir mehr als 7 g finden?“

Die „Bewegung der wütenden Polizisten“ Mobilisation des Policiers en Colère schrieb einen offenen Brief an den Regisseur des Gang- und Gewalt-verherrlichenden Films La Hâine:

„Lieber Herr Kassovitz,

Ich bin ein Ordnungshüter, einer der vielen „Bastarde“, die Sie nicht mögen.

Ich schreibe Ihnen nach Ihrem Tweet über die Razzia in Nantes. Tatsächlich mögen Ihnen 24 Polizeibeamte für eine Operation, bei der sieben Gramm Cannabis sichergestellt wurden, lächerlich erscheinen. Ich gebe Ihnen Recht, dass unsere Bemühungen nicht immer erfolgreich sind.

Es gibt jedoch einige Punkte, die ich klarstellen möchte, in der Hoffnung, Ihnen eine andere Persepktive aufzuzeigen. Ein berühmter Filmemacher wie Sie wird einem konstruktiven Dialog sicher aufgeschlossen gegenüberstehen, hoffe ich doch.

Zunächst möchte ich Sie daran erinnern, falls Sie beim Lesen des Artikels nicht aufgepasst haben, dass dabei drei Klinikgebäude durchsucht worden sind. Das ist eine ganze Menge! 24 Männer waren für diese Aufgabe sicherlich nicht zu viel. Die Razzia wurde in einer psychiatrischen Klinik durchgeführt, in der sicher eher zuviel als zuwenige Beamte nötig waren, um die Sicherheit aller Patienten zu gewährleisten.

Aber das war nicht, was mich am meisten störte. Der wahre Grund, warum ich Ihnen schreibe ist Ihre Aussage, dass die Polizisten, die an dieser Razzia beteiligt waren „Nichtsnutze“ sind.

Diese „Nichtsnutze“ arbeiten alle im Durchschnitt mehr als 40 Stunden pro Woche und verbringen ihre Wochenenden und Nächte eher bei der Arbeit als mit ihren Familien.

Die Polizei ist als erstes vor Ort, egal ob es um häusliche Gewalt, Körperverletzung oder auch tödliche Verkehrsunfälle geht, um allen Opfern und manchmal auch ihren Hinterbliebenen zu helfen.

Sie sind die Ersten, die da sind, um Menschen zu helfen, wenn sie verletzt oder überfallen werden. Sie schieben ihre Überstunden vor sich her um zu verhindern, dass Kriminelle Bürger verletzen. Und schließlich zögern sie auch nicht ihr Leben zu riskieren, um das Leben anderer zu retten oder Tragödien zu verhindern.

All das macht die Polizei aus Leidenschaft für ihren Beruf. Wir glauben aufrichtig an das, was wir tun, auch wenn es unser Familienleben beeinträchtigt oder gar zerstört.

Wir tun es auch, damit Frankreich ein freies Land bleibt und Menschen wie Sie die Möglichkeit haben, Ihre Meinung zu äußern, sei es in Ihren Filmen oder in Ihren Tweets.

Mein lieber Herr Kassovitz: Natürlich stehen es Ihnen offen, diese Razzia in Nantes als vergebens, nutzlos oder dumm zu kritisieren. Sie haben das Recht darüber zu denken, zu schreiben, oder daraus einen Film zu machen, wie Sie wollen.

Aber Sie haben kein Recht zu sagen, dass wir Polizisten nichts taugen.

Diese Arroganz, die ich ehrlich gesagt nicht von Ihnen erwartet hätte, schadet ihrer Arbeit und bringt sie in Verruf.

Ich möchte diesen offenen Brief damit beenden, Ihnen ein frohes Fest zu wünschen, und dass Sie Silvester im Kreise Ihrer Liebsten verbringen können, im Gegensatz zu denen, die wie ich nachts auf Streife sein werden.

Mit freundlichen Grüßen,

M.R.“

 

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Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Hier unterstützen.

 

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