Politisch korrekter „Journalismus“ beim Münchener Merkur

Medienkritik (Foto: Collage)

Es kommt ja nicht nur darauf an, was man schreibt. Es kommt auch darauf an, wie man es schreibt. Den Lesern von Merkur.de  stinkt’s

Von Volker Kleinophorst

Die Darstellung des Mordes in Kandel auf Merkur.de, der Webseite des Münchner Merkurs, findet bei den Lesern wenig Beifall. Warum?

Es geht schon mit der Schlagzeile los:

„Behörden schließen Volljährigkeit des Verdächtigen von Kandel aus“

Im Text folgt noch diese Unsäglichkeit:

„Am 27. Dezember wurde die junge Deutsche in einem Drogeriemarkt mit einem Messer tödlich verletzt – vermutlich von dem Ex-Freund.“

Da geht so manchem Leser der Hut hoch:

Und auch diese Darstellung kommt nicht so an: „Eine Volljährigkeit wird derzeit von allen Beteiligten ausgeschlossen“, hieß es in einer Mitteilung des Kreises, dessen Jugendamt den Verdächtigen betreute, vom Dienstag.“

Mir stößt noch diese Stelle auf: „Das Mädchen (sie hatte einen Namen Mia) hatte sich Anfang Dezember nach mehrmonatiger Beziehung (Aha Beziehungstat) von dem aus Afghanistan stammenden Verdächtigen getrennt und ihn Mitte Dezember wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte angezeigt.

Und weiter geht’s beim Erklärbärjournalismus: „Das Jugendamt bestritt, von der Polizei darüber informiert worden zu sein, dass der Ex-Freund auch wegen Bedrohung angezeigt worden sei. Zwar habe das Jugendamt am 18. Dezember von der Polizei erfahren, das Anzeigen gegen den Jugendlichen erstattet worden seien, von Bedrohung sei aber nicht die Rede gewesen. „Darüber, dass das Mädchen direkt bedroht wurde, war weder der Vormund noch die Fall führende Sachbearbeiterin informiert“, hieß es in der Mitteilung. „Zu keiner Zeit gab es für die Mitarbeiter des Jugendamtes oder für die Mitarbeiter der Einrichtung Indizien, die dafür sprachen, dass man um Leib oder Leben des Mädchens fürchten müsse.

„Am Abend haben rund 400 Menschen an einem Schweigemarsch zum Gedenken an die 15-Jährige durch das pfälzische Kandel teilgenommen.“ (Ist ein Zitat. Dass die auch kein vernünftiges Deutsch können beim Merkur, dafür kann ich nichts.)

So mag man es beim Merkur. Schweigemarsch. Mit Verschweigen und Verdrehen kennt man sich aus.

Ich habe übrigens auch gepostet beim Merkur.

Der kam durch: Verdächtiger von Kandel“. Seid ihr noch bei Trost.

Aber der war schon zu hart: „Auffällig, er war doch schon 15 bei der Einreise und 1,5 Jahre später ist er immer noch 15. Bleiben Afghane immer 15, sobald sie sich außerhalb des Landes aufhalten? Das der keine 15 ist, sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock, aber der wäre unter den Fachleuten im Kreis Germersheim ja wohl überqualifiziert.“

Nachdem ich das Teil noch zweimal gepostet habe, mit dem Hinweis, ich fände deren Zensurpraxis erbärmlich, kam auch prompt:

Ja, die Dialogkultur des Merkur. Da kann man sich ja denken, was sonst noch alles politisch korrekt rausgefiltert wird.

Die Leser machen im Forum ja mittlerweile eine besseren Job, als die Journalisten:

Kurz: Auf das, was die Behörden sagen, kann man sich ein Ei backen. Auf das was im Merkur steht auch.
Die Auflage des Münchener Merkur sinkt übrigens seit Jahren. Liegt bestimmt an diesem Internet.

Wandere aus, solange es noch geht!
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