Friedrich Merz als Retter in der Not

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Friedrich Merz - Foto: Imago

Oft sind Staaten in Dekadenz untergegangen oder es wurde nach einer Phase des Niedergangs ein Neubeginn eingeleitet.  Interessant, wie sich das Volk den Retter aus solchen fatalen Situationen vorstellte. Und wie der Held in der Realität aussah, was ihn qualifizierte.

Von Wolfgang Prabel

Bereits die Geschichten der Gebrüder Grimm lassen erste Schlüsse zu. Im Märchen von Dornröschen ist es ein auswärtiger Prinz, der sich durch eine dichte Dornenhecke durcharbeitet, um den Hof wieder aufzuwecken. Oft werden dynastische Probleme durch die Heirat mit unstandesgemäßen Partnern gelöst, so mit dem tapferen Schneiderlein oder mit Aschenputtel. Die Rettung kommt gemeinhin nicht aus dem inneren Zirkel, sondern von außen.

Auch in der Politik kann man diese märchenhaften Lösungsmuster erkennen. Nach den drei Teilungen Polens erhoffte man sich die Rettung durch den sächsisch-polnischen Reiteroberst Jan Dabrowski, der in Italien kämpfte. Während der napoleonischen Kriege hegte man den Wunsch, daß der Franzosenkaiser Napoleon siegreich sein würde. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm General Pilsudski die Führung in Warschau, der sich die Legitimation während der auswärtigen Haft in der Festung Magdeburg ersessen hatte.

Während der sogenannten „friedlichen Revolution“ in Sachsen und Thüringen genoß nur der Pfälzer Helmut Kohl das Vertrauen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Die Ostpolitiker Wolfgang Schnur, Ibrahim Böhme und Lothar de Maiziere standen alle im Ruf willige Werkzeuge der Stasi zu sein und Löcher in Wände zu bohren. Sie kamen deshalb als Hoffnungsträger nicht in Frage.

Ungarn und Österreich wurden vor den Moslems durch den polnischen König Jan Sobieski gerettet. Der Befreier des Balkans, oder zumindest eines großen Teils davon, war Eugen von Savoyen. Er stammte aus dem italienisch-französischen Grenzgebiet. Die Befreierin Frankreichs von den Engländern war kein adliger Ritter von Geblüt, sondern ein Bauernmädchen (Beitragsbild: Jeanne d`Arc). Jedenfalls nach den Legenden.

Das Volk glaubt es so und die Medien verbreiten es entsprechend: Die meisten legendären Helden kommen nicht aus dem inneren innovationsfeindlichen Zirkel der Macht, der wie bei Dornröschen oder Merkel alles verratzt und verpennt.

Damit ist auch die Frage entscheiden, wer Dr. Merkel beerben wird. Sehr unwahrscheinlich, daß es ein impotentes Mitglied des CDU-Parteivorstandes oder ein Kastrat des derzeitigen Kabinetts sein wird. Immer öfter ist von Friedrich Merz die Rede. 2002 von Merkel kaltgestellt, ist er 2009 aus der Politik „freiwillig“ ausgeschieden und hat sich seither in der Wirtschaft betätigt.

Kürzlich fragte ihn die FAZ: „Könnten Sie sich auch eine Minderheitsregierung vorstellen, falls CDU, CSU und SPD sich nicht einigen?“

Merz: „Das Grundgesetz sieht eine Minderheitsregierung ausdrücklich vor. Dies ist ja nichts, was am Rande der Verfassung stattfinden würde. Im Gegenteil: Unser Grundgesetz räumt die Möglichkeit ein, dass ein Bundeskanzler mit einfacher Mehrheit gewählt werden kann. Dies wäre neu für Deutschland, in der Tat. Aber allein dass es neu ist, kann noch kein Grund dafür sein, eine Minderheitsregierung grundsätzlich abzulehnen. Ich gehöre jedenfalls nicht zu denen, die finden, dass man diese Option von vornherein ausschließen sollte.“

FAZ: „Hat man Sie um Ihren Rat gebeten?“

Merz: „Ich stehe mit dem ein oder anderen in Kontakt. Das ist aber keine Tätigkeit, der ich regelmäßig nachgehe. Und bevor die Frage kommt: Ich habe nicht die Absicht, in die aktive Politik zurückzukehren.“

Nun, Ulbricht hatte auch nicht die Absicht eine Mauer zu bauen und dann tat er es doch. Merz wäre der beste Kandidat für die Führung einer Minderheitsregierung, weil er von der allseits verhaßten Merkel nicht kontaminiert ist. Für die FDP und auch für die CSU wäre er definitiv wählbar.

Die CDU/CSU hat im Bundestag 246 Mandate, die FDP 80, zusammen sind das 326. Rote, Grüne und Dunkelrote haben zusammen nur 289 Abgeordnete. Wenn sich die AfD enthalten würde, wäre Merz als Bundeskanzler gewählt. Das setzt natürlich ein vernünftiges Regierungsprogramm voraus. Aber schlimmer als Merkel kann man wirklich nicht herumwursteln.

Merz wird oft vorgeworfen, Chef der sogenannten „Atlantikbrücke“ zu sein. Vor einem Jahr war das wegen der Nähe zur reformistischen Obama-Administration in den Augen vieler Leute ein erheblicher Makel. Nach dem Regierungswechsel in Washington kann man die Verbindung zu Amerika sehr entspannt sehen. Zumindest wenn man nicht zu den Medienhetzern und zum grünen Establishment gehört. Aus dem Klimaabkommen oder aus der UNESCO auszutreten oder einen Grenzzaun zu bauen: Sollten wir Amerika nicht manchmal nacheifern?

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