Diese Braunschweiger: So kommt ihr nie in die Tagesthemen

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Die Braunschweiger Zeitung hat in diesem Jahr zum ersten Mal den „Braunschweiger des Jahres“ verliehen. Den durften die Leser wählen. Das Ergebnis hat überrascht

Von Volker Kleinophorst

Wer „Braunschweiger des Jahres“ wird, darüber hat man bei der Braunschweiger Zeitung lange spekuliert: Ein Künstler? Ein Sportler? Gar ein Politiker? (An der Stelle hab ich gelacht, kenne aber ehrlicherweise nicht die örtliche Lokalpolitik.)

Als dann knapp 5000 Leser bei der Telefonabstimmung ihre Stimme abgegeben hatten, war das Ergebnis eindeutig: Auf den ersten Platz wählten die Braunschweiger Nadia Nischk.

Nadja wen?

Nadja Nischk, die couragierte Mitarbeiterin der Braunschweiger Landesaufnahmebehörde für Asylbewerber (LAB) die Februar dieses Jahres einen Sozialbetrug inklusive Vertuschung in ihrer Behörde aufdeckte. In hunderten von Fällen hatten sich „Flüchtlinge“ durch Mehrfachidentitäten Geld erschlichen. Nadia Nischk hatte damals gegen den Willen der Behördenleitung die Polizei informiert und dafür gesorgt, dass die Medien davon erfuhren.

„Man darf nicht betrügen“, sagte Nischk laut Braunschweiger Zeitung bei der Preisverleihung im BZV Medienhaus. „Wenn es Deutsche gewesen wären, hätte ich genauso gehandelt und sie auch angezeigt.“

Richtig bekannt geworden ist sie damit nicht. Kein Aufmacher für die überregionale Presse. Nicht der richtige Preisträger für die Tagesthemen. Der falsche Gast für die „hilfreichen“  Talkshows. Und auch sonst haben die Braunschweiger Bürger bei der Abstimmung so überhaupt nichts aus dem Regal Toleranz, Integration, Gegen Rechts oder Welcome-Refugees gegriffen. Aus der Ecke gab es noch nicht einmal Nominierungen.

Platz 2 ging an drei Feuerwehrleute, Platz 3 an den Chefarzt der Neurochirurgie. Die anderen „Braunschweiger des Jahres“: der Landeskirchenmusikdirektor Peter Stoppok, Ein Leiter unzähliger Chöre, ein Verkehrssicherheitsberater, Braunschweigs kleinstem Theater – „Das Kult“, Unterstützer des Magnifestes, das Kolleg 88, ein Motivator zwei Trainer und ein Förderer von Braunschweiger Musikern.

Bei Kolleg88 hab ich kurz gezuckt wegen Nazi-Code. Es geht um Weiterbildung von Senioren, also ganz so vogelwild wird in Braunschweig doch nicht abgestimmt. Die wissen höchstwahrscheinlich gar nicht, was sie da mit der 88 (Is ja eh Schwachsinn.) im Logo haben nur weil sie sich 1988 gegründet haben.

Nadja Nischk wurde, da muss man ganz deutlich drauf hinweisen, von den Bürgern für etwas geehrt, was sie den Job gekostet hat. Denn trotz oder wohl eher wegen ihres Engagements, das ihre Vorgesetzten ziemlich alt aussehen ließ, wurde ihr Vertrag nicht verlängert. Sie ist bis heute arbeitslos.

Und die Staatsanwaltschaft kann nicht einmal Ergebnisse vorweisen, obwohl man 500 Fälle bearbeitet habe, schreibt der Braunschweiger Autor Alexander Wallasch auf Tichys Einblick: „Zweifelhaft, ob die ausländischen Täter, wenn man irgendwann die Ermittlungen abgeschlossen hat, überhaupt noch greifbar sein werden.“

So zeigt doch diese Preisverleihung auch, wie sehr sich die Wahrnehmung der Bürger von dem was Politik und Medien als wichtig vorbeten, unterscheidet.

Alexander Wallasch: „Die Verantwortlichen (der Vertuschung) bleiben bis heute unbehelligt. Nur Nadja N. ist es zu verdanken, dass die Akten nicht in der angeordneten Versenkung verblieben. Die Braunschweiger Bürger haben diese Aktion für so couragiert gehalten, dass sie die Frau zu ihrer „Braunschweigerin des Jahres“ machten. Sie hätte es sicher verdient, auch in den bundesweit ausgestrahlten TV-Jahresnachlesen gewürdigt zu werden.“

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