Abt. Zeitfragen: Ist der Landesbischof ein Medizinmann?

Bedford-Strohm fordert. (Foto: Screenshot ARD)

Im Deutschlandfunk bezeichnete der evangelische Landesbischof von Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, die Weihnachtsfreude als „stärkste Medizin gegen den Virus des Nationalismus, der Fremdenfeindlichkeit und des religiösen Fanatismus“. Gut, daß ich an Weihnachten nicht krank gewesen bin. Der Gesundheitsbericht.

von Max Erdinger

Finden Sie „Nation“ sinnvoll im Vergleich zu den Alternativen? Ihnen müsste eigentlich schon leicht übel sein. Denken Sie außerdem öfter über die Feindlichkeit nach, die Deutsche bereits durch Fremde erfahren mussten, die sogenannte Fremdenfeindlichkeit? – Ja? Sie tun mir leid. Und ist Ihnen außerdem schon einmal ein Landesbischof begegnet, der in seinem religiösen Fanatismus wie ein Medizinmann daherredet? – Allmächt. Dann sind Sie schwer krank. Sie haben Virus! Schlimmer als Ziegenpeter!

Eine so schlimme Krankheit wie Virus bewirkt, daß man als vormaliger Teil von „die Menschen“ zu einem Teil von „die Seuche“ verkommt und nur noch die Barmherzigsten Umgang mit einem pflegen wollen. Ihre Barmherzigkeit bekommen die Barmherzigen von der Weihnachtsfreude. Deswegen sollte man ihnen zur Sicherheit etwas schenken. Damit das mit ihrer Weihnachtsfreude auch klappt. Sonst keine Barmherzigkeit.

Ich weiß ja nicht, aber ich gehe zum Arzt, wenn ich mich krank fühle, nicht zum Medizinmann.

Der Deutschlandfunk: „Gott werde an Weihnachten einfach nur Mensch und nicht zuerst Deutscher, Amerikaner, Russe oder Chinese, sagte Bedford-Strohm im Weihnachtsgottesdienst in München.

Einmal scharf nachgedacht – und *pling!* – wenn Bedford-Strohms Gott nicht ein bestimmter Mensch wird, sondern „der Mensch“, dann wird er zu „alle Menschen“. Wie das wohl bei den Menschen ist, die an gar keinen Gott glauben? Ob die wohl, sozusagen, „göttlich belästigt“ werden? Da bist du Atheist, Hindu oder Moslem – und plötzlich wird ein Teil von dir zu Bedford-Strohms Gott, nur, weil der fanatische Evangelische gerade Weihnachtsfreude hat. Das ist schon ein bißchen aufdringlich. Und Aufdringlichkeit war noch nie die stärkste Medizin. Meinemeinen kommt der Verdacht, daß der fanatisierte Medizinmann daneben liegen könnte. Wenn Bedford-Strohms Gott zuverlässig an Weihnachten zu „alle Menschen“ wird, dann sind „alle Menschen“ Bedford-Strohms Gott. Also an Weihnachten sicher. Wahrscheinlich aber das ganze Jahr über. Der Mensch wäre vergöttlicht. Genau das darf aber niemals passieren, sagt der liebe Gott.

Verschiedene Menschen, verschiedene Götter & Zivilgötter, hätte ich gesagt. Außerdem will ich nicht „der Mensch“ sein, sondern ein ganz bestimmter. Mir persönlich wäre es peinlich, einen feindlichen Fremden in der Fußgängerzone mit dem LKW in großer Fremdenfeindlichkeit auf mich zurasen zu sehen, zur Seite zu hechten und dem fremden Feind ein gütiges „Gott mit Dir!“ hinterherzurufen. Als ganz bestimmter Mensch würde ich mir da albern vorkommen. Richtig infantil.

Aber bitte: Der gelernte Protestant hat natürlich seinen persönlichen Bezug zu Bedford-Strohms Gott. Weil: Sola scriptura. Der Protestant braucht keinen Bedford-Strohm. Und da ich persönlich auch als Evangelischer ein Deutscher wäre, der erstens nicht alle Fremden unter einen Hut steckt, sondern realistischerweise (die Realität ist göttlich, Herr Bedford-Strohm, weil Wahrheit Realität ist und Gott wahr ist) nach freundlichen und feindlichen unterscheidet, – und der zweitens die Nation, und zwar egal welche, für die größte denkbare Verwaltungseinheit hält, in welcher überhaupt noch nach demokratischen, sozialstaatlichen und rechtsstaatlichen Prinzipien verfahren werden könnte, – hätte ich als diese Person meinen Bezug zu Bedford-Strohms Gott, ohne an Virus erkrankt zu sein. Glatte Fehltherapie also, die evangelische Weihnachtsfreude. Gegen eine Krankheit, die gar keine ist. Der Medizinmann heilt Gesunde. Er ist ein Kurpfuscher, ein Scharlatan, ein Gernegroß, der in bedeutsam klingenden Worten flunkert.

Aber wenn wir schon einmal bei Virus und Krankheit sind, wenn es um politische Fragen geht, Herr Landesbischof: Halten Sie es für denkbar, daß sich die altehrwürdige Kirche selbst infiziert haben könnte? Vielleicht nicht gerade mit Nationalismus oder Fremdenfeindlichkeit, dafür aber mit religiösem Fanatismus und Realitätsverlust?

Ich meine: Anzunehmen, daß irgendjemand außer einem selbst etwas davon hat, einen friedlichen Islam zu fordern, ist schon schwer neben der Kappe und zeugt von völligem Realitätsverlust in der Sache. Man stelle sich die 150-200 Mio. gewaltbereiten Moslems vor, die es nach übereinstimmender Schätzung westlicher Geheimdienste in der islamischen Welt gibt, wie sie sich ehrfurchtsvoll zuraunen: „Habt ihr gehört, was der Bedford-Strohm im Kalifat Deutschland gefordert hat? Einen friedlichen Islam will er! Verdammter Mist! Jetzt müssen wir nochmal drüber nachdenken.“

Oder der Kapitän der Titanic anno 1912: „Zu Weihnachten werden die Eisberge göttlich. Volle Kraft voraus!“ – Klarer Fall von April mit Weihnachten verwechselt. Ich meine, so ein Landesbischof kostet doch auch Geld.

 

 

 

 

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