Wenn die Physik stärker ist als die Ideologie

Symbolfoto: Durch Albina Glisic/Shutterstock
Symbolfoto: Durch Albina Glisic/Shutterstock

Die Entscheidung fällt schwer: Soll der Ventilator für ein bisschen Wärme im Auto und klare Sicht durch die Scheiben sorgen? Oder soll die Batterie geschont werden, damit die Stromladung auch noch für die Fahrt zurück zum Paketdepot reicht? Mehr als 70 Kilometer Strecke sind nämlich nicht drin.

Mitarbeiter der Post, die das neue Lieferfahrzeug namens Streetscooter fahren, stehen in diesen Tagen vor dieser schwierigen Prioritätensetzung. Wenn es schiefläuft, bleibt der Paketwagen mitten auf der Strecke liegen. Dass das passiert, belegen Recherchen der WELT in mehreren Bundesländern. Doch die Probleme mit dem Elektrowagen sollen aus Sicht der Konzernzentrale in Bonn nicht an die Öffentlichkeit dringen.

Deutschland hält an dem eingeschlagenen Weg, sich in aller Welt lächerlich zu machen eisern fest. Und es ist bewundernswert, mit welcher Hartnäckigkeit das geschieht. Die mit großem Tam Tam eingeführten „Streetscooter“der Deutschen Post machen mit den ersten niedrigen Temperaturen einfach schlapp. Wissen die nichts von Merkels Motto „wir schaffen das“, oder sollte das nur auf die Bewältigung der „Flüchtlings“-krise gemünzt gewesen sein?

In Süddeutschland berichten Betriebsräte von technischen Mängeln der Heizung sowie von einer viel zu geringen Reichweite. Den Aussagen zufolge gibt es Ausfälle des Streetscooter, die im zweistelligen Prozentbereich liegen. „Die Probleme zu lösen wäre wichtiger als dauernd in der Presse zu sagen, wie toll dieses Arbeitsgerät ist“, sagt ein Betriebsrat. Auch hätten einige Postboten wegen der Leichtbauweise des Fahrzeugs auf freien Strecken Angst vor Unfällen. In mehreren Fällen sei die Motorhaube während der Fahrt aufgesprungen.

Wer in den 60ern und 70ern aufgewachsen ist, kennt die Probleme mit ungenügender Heizungsleistung im Winter. Und es war zu dieser Zeit nicht nur ungemütlich wegen des kalten Innenraums, konnte man doch den Atem regelrecht sehen, welcher sich auf der kalten Frontscheibe niederschlug und diese von innen vereisen ließ. Man fühlte sich wie in einem Kristallpalast, welcher die Sicht nach außen nur teilweise zuließ. Man darf auf den Tag gespannt sein, an welchem ein Streetscooter in einen Unfall verwickelt ist, weil der Fahrer während der Fahrt die immer wieder vereiste Scheibe von innen freikratzen mußte. Das ist wahrer Fortschritt. Die restliche Welt wird uns wieder einmal um diese Innovation beneiden.

Von Thomas Schlawig

An manchen Tagen sei es fürchterlich kalt in den Fahrzeugen, weil der Heizungsventilator aus Sorge vor dem Verbrauch der Batterieladung nicht angestellt werden könne, berichten Beschäftigte. Einige von ihnen stellen sich morgens auf dem Betriebshof vor der Abfahrt einen kleinen Heizlüfter per Stromkabel in ihren Streetscooter, damit es wenigstens zum Fahrtbeginn im Fahrerhaus warm ist. Ähnlich ist es mit der nachträglich eingebauten Sitzheizung: Auch dieses Extra wird aus Angst vor einem zu hohen Stromverbrauch wenig genutzt. Immerhin wurde das Dämmmaterial bei Neubauten bereits verbessert. Laut Aussage der Post wurden im Rahmen der Entwicklungsarbeiten Testfahrten in Schweden durchgeführt. Ob diese im Sommer oder im Winter stattfanden, ist nicht bekannt.

Es ist kein unbekanntes Phänomen, daß es im Winter, je nach Lage, fürchterlich kalt sein kann. Zum Ausgleich dürfen sich die Fahrer des „automobilen Fortschritts“ auf den Sommer freuen, oder sollten die High-Tec-Produkte etwa auch keine Klimaanlage haben? Ich  kann mich an Zeiten erinnern, als von Verkehrssicherheitsexperten des ADAC und anderer Institutionen die Klimaanlage als Beitrag zur passiven Verkehrssicherheit gelobt wurde, weil sie zu „kühlem Kopf“ und angenehm temperierten Innenraum führte und somit für mehr Aufmerksamkeit sorgte. Ist das alles nichts mehr wert? Werden wir im Sommer die Fahrer dieser gelben Fahrzeuge künftig an einem hochroten Kopf erkennen können?

Wiederum aus Süddeutschland berichten Paketfahrer davon, dass das Auto auf freier Strecke ausgeht und nicht wieder in Gang gebracht werden kann. Kommt es zu solch einem Ausfall, müssen Spezialwerkstätten angefordert werden. Das dauert Stunden und sorgt am Ende dafür, dass Postsendungen nicht ausgefahren werden können. Problematisch ist zudem, dass es an manchen Orten keine Alternative zu den Elektrowagen mehr gibt. Immer mehr der sogenannten Zustellstützpunkte der Post werden nur noch mit dem Streetscooter ausgestattet. Eine angemessene Reaktion aus dem Konzern gibt es aus Sicht der Mitarbeiter nicht. Wenden sich die Beschäftigten mit ihren Alltagsproblemen an ihre Konzernzentrale, erhalten sie die Antwort, es müsse sich um Bedienungsfehler handeln. Ein frustrierter Beschäftigter berichtet davon, dass es „trotz mehrfacher Hinweise auf notwendige Nacharbeiten an dem Auto kein Vorankommen der Entwicklung“ gebe. Interne Papiere zu Verbesserungsvorschlägen sind Verschlusssache. Wer als Mitarbeiter Mängel öffentlich macht, riskiert arbeitsrechtliche Schritte bis hin zu einer Abmahnung.

Süddeutschland, die Perle der deutschen Automobilindustrie, das Land in welchen Carl Benz um 1885 seinen ersten Motorwagen verführte, glänzt nun also mit automobilem Stillstand mitten auf der Landstraße. Ein frustrierter Beschäftigter berichtet davon, dass es „trotz mehrfacher Hinweise auf notwendige Nacharbeiten an dem Auto kein Vorankommen der Entwicklung“ gebe. Kann man das so verstehen, als wäre dieses High-End-Produkt nicht ausgereift??? Aber immerhin scheint die Post so fähige Mitarbeiter zu haben, welche zu Verbesserungsvorschlägen fähig sind. Vielleicht sollte man diese ein neues Auto bauen, quasi das Rad neu erfinden lassen. Dabei kann dann nur ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor herauskommen. Aber das ist ja ideologisch nicht gewünscht und deshalb verhindern die in klimatisierten Büros sitzenden Verantwortlichen auch, das Mängel nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Schließlich ist dieses „Fahrzeug“ perfekt und alle Welt beneidet uns darum.

Und noch ein Punkt ist von äußerster Wichtigkeit; Der Bund dürfte nicht nur als Großaktionär der Post ein Interesse am Erfolg des Streetscooter haben. Schließlich wird die Entwicklung des Elektrowagens auch noch vom Staat gefördert: Knapp zehn Millionen Euro gibt das Bundesumweltministerium bislang dafür aus.

10 Millionen Euro für einen totalen Rohrkrepierer. Mir fallen wieder unwillkürlich die vier größten Feinde des Sozialismus ein. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der Winter zeigt gerade was er kann und einen kleinen Ausblick auf den Sommer hatte ich bereits gewagt. Kleiner Denkanstoß für die „Entwickler“ und „Konstrukteure“ dieses Vehikels. Vielleicht könnten sie im Sommer den Überschuß an Wärme im Innenraum für den kommenden Winter speichern, ebenso wie die Kälte des Winters für den überhitzten Innenraum im Sommer. Das speichern von „alternativ erzeugtem Strom“ hat man schließlich bewältigen können, obwohl jeder es für unmöglich hielt.  Beweis dafür sind die unzähligen, zugegebenermaßen nicht gerade schönen, aber für die „Energiewende“ unerläßlichen Windmühlen in der Landschaft. Spaß beiseite. Im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß. Was aber erwartet den geplagten Chauffeur im Frühjahr und im Herbst? Ich tippe mal auf permanent beschlagene Scheiben und damit wiederum eine erhöhte Gefahr, sich aufgrund mangelnder Sicht im Verkehr zu bewegen. Ein Klimaanlage könnte analog zum Winter helfen, eine Heizung auch. Aber…. Kein aber, denn schließlich hat man sich Gedanken um die Umwelt gemacht.

Auch Elektroautos emittieren Feinstaub. Die Deutsche Post will dennoch erreichen, dass ihre Elektrolieferwagen emissionsneutral fahren.

Die Elektro-Lieferwagen der Deutschen Post DHL sollen künftig möglicherweise „völlig emissionsfrei“ fahren. Dafür sollen die Streetscooter genannten Fahrzeuge mit einem Feinstaubpartikelfilter von Mann+Hummel ausgerüstet werden, heißt es in einer Mitteilung. Zunächst sollen die Filter in fünf Testfahrzeugen verbaut werden. Falls der Test erfolgreich endet, sei ein serienmäßiger Einsatz des Feinstaubfilters möglich.

Auch Elektroautos sonderten über Reifen-, Brems- und Straßenabrieb Feinstaub ab, seien also nicht emissionsfrei, erläutert die Post. Der Filter wird am Unterboden in Höhe der Hinterachse eingebaut, so gehe kein wertvoller Laderaum verloren, außerdem finde sich genau dort die höchste Feinstaubkonzentration in der Fahrzeugumgebung.

Immerhin ist man zu der Erkenntnis gelangt, daß „Feinstaub“ nicht nur aus dem Auspuff kommt, sondern, oh Wunder, von Reifenabrieb, Bremsenabrieb und Abrieb der Fahrbahn. Zu diesem Zweck werden Testfahrzeuge mit einem Feinstaubpartikelfilter ausgerüstet.

Der Feinstaubpartikelfilter ist mit einem aktiven Filtersystem ausgestattet. Hinter dem Filter sind Ventilatoren eingebaut, die ihm Luft aus der Umgebung zuführen, sodass die Fahrzeuge auch im stehenden Betrieb Feinstaub aus der Umgebungsluft herausfiltern. Der Filter nehme so viele Staubpartikel auf, wie beim Fahren des jeweiligen Streetscooters durch Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb entstehen.

Das ist hochinteressant, hat man doch trotz ohnehin mangelnder Energie einen weiteren Verbraucher ins „Auto“ gebaut, um „künftig möglicherweise völlig emissionsfrei“ zu fahren. Donnerwetter. Ach ja, ich vergaß, der Strom kommt ja aus der Steckdose. Selbstverständlich ist die Produktion desselben „völlig emissionsfrei“. Aber was macht man mit verstopften Feinstaubpartikelfiltern? Klopft man die in einer Mülltonne aus oder verbrennt man den Feinstaub „emissionsfrei“, oder muß er gar als Sondermüll aufwendig und vor allem  energieintensiv entsorgt werden? Ich vermute, daß dieser Filter ähnlich dem Rußpartikelfilter beim Diesel bei Sättigung freigebrannt wird und der gesamte zurückgehaltene Staub, Ruß und  Partikel mit einem Schlag in die Umwelt entlassen wird. All diese Fragen stellt sich natürlich der ideologisch verstrahlte, sich um seine Umwelt und das Klima sorgende Gutmensch nicht. Wie auch. Physikalische Gesetze haben für ihn keine Gültigkeit. Frau Merkel, die Physikerin macht es vor. Sie ist in der Lage,  physikalische Gesetze, wie überhaupt alle Gesetze außer Kraft zu setzen. Eine beneidenswerte Fähigkeit. Auch darum beneidet und der Rest der Welt.

Die Feinstaubpartikelfilter haben Sensoren, mit denen ihre Effizienz überprüft werden sollen. Erfasst werden Informationen über die Filtrationsleistung, die gereinigte Luftmenge, die Feinstaubkonzentration sowie Wetterdaten. Die Daten werden in einer Cloud zusammengeführt, durch eine Webschnittstelle dargestellt und von den Filtrationsexperten ausgewertet.

Die Daten werden in einer Cloud zusammengeführt, durch eine Webschnittstelle dargestellt und von den Filtrationsexperten ausgewertet.

Wenn das kein Fortschritt ist, was dann ???

„Experten sind Leute, die andere daran hintern, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen“   Reinhold Messemer (1924-1991),dt. Schauspieler

 

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