Fakenewsjäger im Diffamierungsrausch: Sodomie-Gerüchte und die serösen Medien

Wenn ein Falschzitat den Fakenewsjägern des Mainstream in den Kram passt, kann man es sieben Jahre fröhlich weiter verbreiten. Die Wahrheit stört da nur

Von Volker Kleinophorst

Mir geht ja schon der Hut hoch, wenn ich den Namen Lamya Kaddor nur lese. Ihr Verhältnis zur Wahrheit ist ja ein Spezielles. Henryk M- Broder hatte sich ja schon auf Achse des Guten „Lamya Kaddor: Die brave Frau denkt an sich selbst, bis zuletzt!“ mit Kaddors Wahrheiten befasst, zum Beispiel ihrer angeblichen Doktorwürde und ihren Behauptungen sie würde Tag und Nacht von Rechten verfolgt und von Intellektuellen „die sich seit Jahren hinter bürgerlichen Fassaden verstecken und auf Meinungsfreiheit verweisen“

Zu Kaddor Meinungsfreiheit gehört es allerdings, seit nun sieben Jahren mit einem Falschzitat Stimmung zu machen gegen Necla Kelek und die üblichen Verdächtigen aus Politik und Lügenpresse. Ganz vor dabei sind jene, die sonst den lieben langen Tag von Fake-News sprechen, wie Jakob Augstein, Wolfgang Kauder, Cem Özdemir oder Daniel Bax (Taz). Selbst die emeritierten Professoren Klaus J. Bade und Wolfgang Benz stimmen ein, so Jörg Metes der für den Blog ruhrbarone.de in „Lamya Kaddor stalkt Necla Kelek“ diesen Skandal ausführlich ausrollt.

Worum geht es:

Am 16. Juli 2010 sagte Kelek in einem Interview in der Sendung Forum am Freitag im ZDF laut Metes:

„Da gibt es“ (Zum Verständnis: Im Islam), sagte Kelek also – der Wortlaut wird noch wichtig, „ein Menschenbild, was konstruiert ist: Die Menschen haben nicht die Fähigkeit, ihre Sexualität zu kontrollieren, und besonders der Mann nicht. Und der ist ständig eigentlich herausgefordert und muss auch der Sexualität nachgehen. Er [halten wir fest: der Mann als solcher, ganz egal welcher Religion, und auch nicht etwa nach Keleks eigener Ansicht, sondern nach der des Islam – J.M.] muss sich ‚entleeren‘, heißt es, und wenn er keine Frau findet, eben dann ein Tier, oder eine andere Möglichkeit, wo er auch dem nachgehen muss. Und das hat sich im Volk so durchgesetzt, das ist ein Konsens, wo auch die älteren Damen, und Frauen, immer davon sprechen: ‚wenn du dich jetzt so kleidest, er muss ja, er kann nicht anders‘.“

Islampropagandistin Kaddor machte in einer Pressemitteilung des damals gerade von ihr gegründeten Vereins „Liberal-islamischer Bund“ daraus: „‚Der muslimische Mann muss ständig der Sexualität nachgehen. Er muss sich entleeren, heißt es, und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier… Das hat sich im Volk durchgesetzt, das ist Konsens.’“

Seitdem, genau seit dem 21. Juli ist diese Falschbehauptung nun in der Welt und Kaddor und ihr Mann Thorsten Gerald Schneiders, Magister der Islamwissenschaft, Redakteur beim Deutschlandfunk und Leiter der Sendung „Koran erklärt“, befeuern sie immer wieder neu.

Erst springen die Medien nicht an, aber als Kaddor dann zwei Wochen nach Kelek in „Forum am Freitag“ dieser „Islamhetze“ vorwirft, kommt die Lawine „endlich“ ins rollen.

Tierrechtlerin und Kopftuchprotagonistin Hilal Sezgin, der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören, aber auch erste Journalisten wie Christoph Heinlein (damals news.de heute Süddeutsche Zeitung (SZ)) und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) springen auf.

Auf youtube wird gegen Kelek gehetzt.

Die Grünen wollen nicht abseits stehen. Und so startet der Landtagsabgeordnete Ali Bas eine Unterschriftenaktion, gegen die Verleihung des Friedenspreises der Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP) an Kelek. (Sie bekam den Preis dennoch.)

Die Welt am Sonntag springt auf. Aiman Mazyek darf nicht fehlen.

Zur Verdeutlichung: Was hier weiterverbreitet wird ist ja nicht einmal ein Gerücht, es ist eine Lüge. Von Anfang an. Niemand verbreitet den wirklichen Wortlaut. Besonders Falschzitat-Urheberin Kaddor und Gatte streuen es, wo sie nur können, unter anderem in der WELT und im Deutschlandfunk. Kein deutscher „Investigativ-Journalist“ schafft es sich einmal das Originalzitat zu beschaffen.

Als nächster springt Cem Özdemir (Grüne) auf den Zug.

Mittlerweile hat der Streit Wikipedia erreicht, wo sich Kaddors Behauptung spätestens im März 2012 endgültig als falsch erweist. Damals gab Kelek nämlich ihre (bis gestern) einzige Stellungnahme zu dem Thema ab. Sie distanziert sich nicht von dem was sie sagte und bezeichnet den Furor als „Zitatverfälschung und üble Nachrede.“

Bei Wikipedia steht:

„Das von Kaddor ebendort angeführte Zitat Keleks, der „muslimische Mann“ müsse „ständig der Sexualität nachgehen“, und wenn er keine Frau finde, „dann eben ein Tier“[, erwies sich allerdings als falsch. Kelek hatte eine Aussage über das Bild des Mannes in der islamischen Welt getroffen, nicht eine Aussage über muslimische Männer."

Trotzig wird das falsche Zitat weiter verbreitet, natürlich von Kaddor und Schneiders aber auch von der Frankfurter Soziologin Naime Cakir in ihrer Dissertation und natürlich weiter WELT, TAZ. Und Kaddor schreibt ja auch für die Friedrich-Ebert-Stiftung und „Christ und Welt". Auch Kolja Maryam „Mohammed war Feminist" Hübsch darf nicht fehlen in dieser sich selbst permanent wieder bestätigenden Filterblase.

Und so weiter und so weiter.

Rupert Polenz greift es 2014, die Zeit 2016 auf und seien wir ehrlich, wenn alle üblichen Verdächtigen zusammenstehen, haben wir doch einen schon vermisst: Jakob Augstein.

Jörg Metes: „Im Mai 2016 etwa wird Jakob Augstein in sie (Zum Verständnis: die Lüge) hineingezogen, durch welchen Zufall auch immer. Er wird sehr spät in sie hineingezogen. Er wird, vielleicht auch deshalb, ganz besonders wütend. Er zitiert Kelek in seiner Spiegel-online-Kolumne ganz besonders falsch. Er nennt ihr Denken menschenfeindlich. Er unterstellt ihr Rassismus. Er will auf diese Weise vielleicht wiedergutmachen, dass er das nicht schon längst getan hat."

Die ZEIT, Polenz und Augstein haben offenbar noch nicht einmal soviel Zeit, mal bei Wikipedia nachzuschauen, was sie da von sich geben. Geschweige den mal zu recherchieren.

Auch das ZDF hat die Falschzitat nie richtig gestellt.

Und von Einsicht ja keine Spur. Vielmehr führt die Veröffentlichung des wirklich sehr ausführlichen und gut belegten Textes auf Ruhrbarone zu weiteren Angriffen und Falschdarstellungen:

„Die Faktenlage ist erdrückend. Dennoch lassen sich die Wasserträger des Gerüchts nicht beirren. Nicht was Kelek tatsächlich gesagt hat, interessiert sie, sondern ihre gefühlte „Wahrheit", so Daniel Fallenstein in: „Der Mob klammert sich an die gefühlte „Wahrheit" über Necla Kelek"

„Zum Beispiel der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, dessen Rolle in der Verbreitung des Gerüchts über Kelek im Ruhrbarone-Beitrag von Jörg Metes thematisiert wurde. Er leugnet schlicht dass sein Weitertragen von Gerüchten „gerüchtehaft" sei.

Jakob Augstein schießt natürlich den Vogel ab:

Screenshot Ruhrbarone

Jakob der Lügner halt, der mal eben so, Frau Kelek als sich selbst hassende Muslimin bepöbelt.

Die von Lamya Kaddor lancierte Schmutzkampagne hat Kelek sehr geschadet, so Thierry Chervel auf Perlentaucher.de. Sie wird diffamiert, ausgeladen, ihre Arbeit diskreditiert.

Lamya Kaddor ist weiterhin beliebter Talk-Gast. Weder ist sie wegen Hetze angeklagt, der Verwendung von Falschzitaten oder der Verbreitung von Fake-News? Nein sie darf mit Staatsknete „forschen".

Was sagen die Medien, die alle nicht auf die Idee kamen, das Gerücht mal zu überprüfen.

Die Richtung ist klar. Patrick Bahners, der in seinem Buch „Die Panikmacher" Kelek unterstellte, sie sei traumatisiert, weil der Vater die Familie verlassen habe, damit seien ihre Ausführungen von vornherein disqualifiziert, von der Frankfurter Allgemeinen auf Twitter:

Screenshot Twitter

Na dann. Wer das anders sieht, muss wohl rechts sein.

Besser als dumm und verlogen.

Ich frage mich allerdings, sind meine Äußerungen überhaupt ernst zu nehmen. Schließlich sind auch meine Eltern wie bei Kelek geschieden.

PS 1: Mich wundert es nicht. Ich war vor knapp zwei Jahren mal auf einer „Diskussion" über die Bedrohung von Rechts. Veranstalter „Die Linke", Vortragender ein TAZ-Redakteur, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Als der mit zwei wiederlegten Behauptungen einmal zu Lutz Bachmann und einmal zu Akif Pirincci aufmacht, habe ich das beklagt. „Kein Zwischenfragen" wurde ich da belehrt. Als ich keine Ruhe geben wollte, wurde gepöbelt. Auf dem Gebiet bin ich zwar auch nicht ohne, vor allem habe ich ein extrem lautes Organ, bin aber gegangen. Zuhörer: Vielleicht 40 Altlinke. Rechte, die vor der Türe demonstrierten oder irgendwen bedrohten: Keine.

PS 2: Am 21.12. hat sich Necla Kelek das erste Mal seit 2012 zu den Attacken auf ihre Person mit „Die rote Linie ist überschritten" auf perlentaucher.de geäußert:

„Lange Zeit erschienen mir Autoren wie Daniel Bax oder Lamya Kaddor irrelevant  – sie haben zur Sache nichts zu sagen. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass sie mit ihrer Strategie der Diffamierung der Debatte schaden. Sie attackieren einzelne Personen, weil sie deren Argumente nicht zulassen wollen – und weil sie selbst ein reaktionäres Gesellschaftsbild verfechten."

„Seit Beginn meiner Publikationen verweigern Migrationswissenschaftler, Muslimfunktionäre, Multikulti-Politiker eine kritische Diskussion über gesellschaftliche Strukturen, Weltanschauung, Menschenbilder innerhalb der islamischen Gesellschaften, Gemeinden, Familien."

„Besonders Lamya Kaddor und ihr Ehemann, der Deutschlandfunk-Redakteur Thorsten Gerald Schneiders haben versucht, sich über Jahre durch üble Nachrede über meine Person zu profilieren. Offenbar mit Erfolg – Herr Schneiders gilt als Islamismus-Experte und Frau Kaddor als „Islamwissenschaftlerin". Eine wissenschaftliche Arbeit aus ihrer Feder ist mir allerdings nicht bekannt. Dafür darf sie inzwischen mit einem Etat von 272.000 Euro im Auftrag der Mercator-Stiftung über „Islamfeindlichkeit bei Jugendlichen" forschen (mehr hier).

„Die rote Linie ist überschritten, wenn Daniel Bax mich öffentlich „eine notorische Lügnerin" nennt, wenn Kaddor Zitate fälscht und Augstein bewusst und wissentlich Aussagen von mir verdreht. Verleumdung ist kein Versehen und auch kein Missverständnis. Falsch-Zitate kann man korrigieren, aber wenn man sie über Jahre hinweg immer und immer wieder wiederholt, ist die Absicht bösartig."

Kaddor (Foto: Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55648919)

Kelek (Foto: Von Medienmagazin pro – http://www.flickr.com/photos/medienmagazinpro/4764747624/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12525004)

 

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