Germania und die politische Korrektheit

Fotos: Martin Kraft // photo.martinkraft.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31511033
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Propaganda wirkt. Auch bei denen, die nicht ganz so tief schlafen. Denn wer allein Systemmedien konsumiert, merkt gar nicht, wie er zu bestimmten Einstellungen kommt

Von Volker Kleinophorst

Vor ein paar Tagen spreche ich mit einem Bekannten über Rüdesheim. Was das doch für ein eigenartiger Ort wäre?

„Warst du denn auch oben auf der Wacht am Rhein.“

So wird das Niederwalddenkmal das oberhalb von Rüdesheim über den Rhein wacht im Volksmund genannt. Oben steht als Hauptfigur eine 12,5 Meter hohe Germania auf einem Sockel vor einem Thron im „altdeutschen Stil“ mit Adlerwangen.

„Du meinst die Germania? Ja, klar.“

„Ist das nicht ein irres Teil.“

„Ja, aber die Geschichte ist ja ziemlich blutrünstig.“

„Geschichte ist immer blutrünstig. Das Denkmal wurde aber doch errichtet, weil Deutschland aus einem Flickenteppich zum Nationalstaat wurde.“

„Da, wird aber auch der Sieg im Krieg gegen die Franzosen verherrlicht.“

„Ja, früher wurden halt die Siege verherrlicht, nicht nur in Deutschland. Ein „Denkmal der  Schande“ war damals noch nicht opportun.“

„Wenn man die Texte auf den Tafeln liest, da steht ja so ein völkischer, faschistischer Mist. Das müsste man doch wenigstens mit ein paar Laken abhängen.“

Foto: Martin Kraft // photo.martinkraft.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31511033

 Unter dem Hauptrelief der Germania, das 133 historische Personen in Lebensgröße zeigt, sind fünf der sechs Strophen des Liedes Die Wacht am Rhein (Text: Max Schneckenburger, Musik: Karl Wilhelm ) eingemeißelt. Das Lied war im 19ten Jahrhundert eine Hymne besonders der deutschen Soldaten im deutsch/französischen Krieg 1870/71.

So steht beispielsweise unter König Wilhelm, der sich auf seinem Pferd die Hand an die Brust hält und verklärt gen Himmel blickt: „Er blickt hinauf in Himmels Au’n, da Heldenväter niederschau’n, und schwört mit stolzer Kampfeslust; du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust!“ Die Strophe, die sich direkt auf Frankreich bezieht, wurde ausgelassen, außerdem wurde in einer anderen Strophe „betritt kein Welscher (Franzose) “ durch „betritt kein Feind hier“ ersetzt.

„Wieso? So hat man damals gedacht. Nicht nur in Deutschland. Das ist Teil der Geschichte. Wenn man alles abhängt, was heute nicht politisch korrekt ist, da muss man viel abhängen. Und zwar auf der ganzen Welt. Das ist ja 1984, wo die Geschichtsschreibung immer den aktuellen Entwicklungen angepasst wird. Der Arc de Triomphe in Paris wäre dann auch dran, genau so wie der gesamte Trafalgar Square in London.“

Nun ist mein Bekannter kein Blöder: „Du vergiss, was ich da gesagt habe. Das ist natürlich Unsinn.“

Er denkt nämlich durchaus nach. Sein Fehler: Er versucht sich noch mit den sogenannten Leitmedien ein Bild zu machen. Da ist es manchmal schwer zu merken, wer einem bestimmte „Ansichten“ unter die Weste jubelt.

In einem anderen Gespräch mit einem anderen Gesprächspartner:

„Bestimmte Meinungen sollten nicht veröffentlicht werden. Das finde ich schon ganz richtig.“

„Was hat das mit Meinungsfreiheit zu tun?“

„Auch die Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen.“

„Und wer setzt die?“

„Da sollte man der Regierung schon vertrauen. Ich halte, die Merkel da für eine absolut integre Person.“

Da ist er natürlich ganz von alleine drauf gekommen. Ein Angebot sich mal ein paar Texte schicken zu lassen, hat er abgelehnt.

„Ich weiß schon, wie ich mich informiere. Du scheinst ja von deinem eigenen Berufsstand nicht viel zu halten.“

Immerhin, das hat er mitgekriegt.

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