Tatort: Nazi killt Nazi

Foto: Screenshot
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Der Mörder bleibt weiter der Nazi beim sonntäglichen Tatort. Denn sie bringen sich ja aus Hab- und Machtgier auch mal gegenseitig um. Skizzen aus einem Land, wo der Umsturz von Rechts kurz bevorsteht

Von Volker Kleinophorst

Wotan Wilke Nazijäger durfte jetzt nach „Böser Boden“ zum zweiten Mal Sonntags zur besten Sendezeit den Kampf gegen Rechts führen. Dieses mal im AfD Dramolet „Dunkle Zeiten“ für das man sich von vorne bis hinten bei der Alternative für Deutschland bedient hat, durchaus auch auf Klatschpresseniveau.

Deswegen schreib ich das hier auch gleich mit den Klarnamen auf. Wir wissen doch wie es gemeint ist.

Kurze Zusammenfassung: Morddrohungen gegen die AfD Vorsitzende. Wotan Nazijäger muss widerwillig ran. Der Mann von Petry wird (statt ihr?) ermordet. Ihr Lover Pretzell war es. Nebenher versucht sich auch noch die Antifa an einem Attentat an einem AfD Mitglied. Wotan Nazijäger klärt die Situation mit einem Blattschuss. Gut: Hinterher stellt sich raus die Antifa-Tante war auch ein Nazi.

Nun hat dieses beispielhafte Stück Erziehungsfernsehen durch Josef Kraus auf Tichys Einblick und Michael Klonovsky auf jouwatch bereits im Vorfeld für Aufmerksamkeit gesorgt. Den beiden eloquenten „Vorschreibern“ kann ich mich nach dem Genuss der Sendung nur anschließen. Die volkserzieherischen Dialoge sind schon durchsichtig. Dass man die Menschen in Filmen viel leichter beeinflussen kann, als mit politischen Sendungen ist ja lange bekannt. Und es wird eben immer schamloser angewandt. Lindenstraße ist mittlerweile überall.

Anja Kling mit einer kühlen Petry, maskenhaft und eigentlich schon ein wenig zu alt, wenn ich das mal hier so schreiben darf. Was man ihr in den Mund legt, übliche Stereotypen.

Wotan Wilke Nazijäger versuchte sich an so einer Mischung aus Bruce Willis (viel zu großer Schuh) und Welterklärer für Einfältige:

„In Deutschland haben schon immer Türken gelebt und mein Boxverein ist von 1904.“

Und da sind sie denn auch schnell alle da: Die heiße Schnepfe von der Antifa, ihr Mitstreiter, der noch bei Mutti wohnt, die Mutti, die sich ja so vor einem rechtsradikalen Umsturz fürchtet und natürlich Nazis, jede Menge Nazis. Im Tatort hat man sogar noch den Vorteil, man erkennt sie sofort. Immer eklig. Der dubiose Hallenpächter war ja schon von hinten unsympathisch. Muss man auch erst mal so spielen. Kompliment an den Darsteller.

Besonders fies: Der windige Blogbetreiber, der in den rechtsradikalen Millionen nur so schwimmt, Anschläge plant, die AfD steuert, eigentlich eine „Bewegung“  anführt und auch Verbindungen nach Russland hat. Natürlich mit Heydrich-Gedenk-Frisur.

Was echt öde ist:

Es war einfach klar, dass der Mann von Petry stirbt. Schon als die Figur eingeführt wurde. Deswegen habe ich den Tatort schon immer doof gefunden. Dieses Holzschnittartige, diese Vorhersehbarkeit ist einfach kreuzlangweilig.

Und ich habe es auf meinen Block (Richtig, so ein Ding, wo man mit Kugelschreiber draufschreibt) um 20.45 geschrieben: „Der Pretzell war es.“ Und so kam es ja auch.

Dass der Blogbetreiber so einen Art Weltsuperbösewicht ist und sogar die Antifa steuert. Ich gebe es zu. Das hat mich minimal überrascht.

Ansonsten sind zwei Dinge auffällig gewesen:

– Überall gab es nur Wahlplakate der AfD. Erkennbare andere Parteien gab es irgendwie nicht.

– Es kam in dem ganzen Film nur ein Migrant vor. Um 21 Uhr tauchte der hervorragend deutsch sprechende Döner-Mann auf, der auch noch eine entscheidende Information gab. Dieser Tatort spielt im deutschesten Deutschland aller Zeiten.

Ansonsten hat man sich mit diesem Tatort viel Mühe gegeben. Wenn nur die unglaubwürdigen Hauptdarsteller, die ganze Propaganda und die genretypisch bescheuerte Handlung nicht wären.

Der beste Tatort, den ich seit langem gesehen habe.

Wandere aus, solange es noch geht!
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