Wenn Sprache auf den Strich geschickt wird: Soziale Pflichtversicherung

Foto: Durch Rawpixel.com/Shutterstock
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Es gibt Worte, die schon ziemlich lange ihre falsche Bedeutung zu Markte tragen. Worte, mit denen wir aufgewachsen sind, ohne deren Bedeutung jemals in Frage gestellt zu haben. Worte, die eine Realität vorspielen.

Von Volker Kleinophorst

Es gibt Worte, die kennen wir unser Leben lang, ohne zu wissen, was sie wirklich bedeuten. Soziale Pflichtversicherung, Sammelbegriff für die gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung, gesetzliche Unfallversicherung und die soziale Pflegeversicherung, ist so eins.

Soziale Pflichtversicherung ist eine zusammengesetzte Lüge aus drei Worten. Jedes einzelne der drei Wörter, aus denen man es zusammengesetzt hat, ist eine Lüge.

So täuscht das Wort Versicherung Solidität vor. Menschen versichern sich gegenseitig nach klar umrissenen Vertragsbedingungen, freiwillig und zum Aufbau von Rücklagen. Für unsere „Versicherungen“ würde das bedeuten, dass unsere Beiträge angespart und verwaltet werden, bis Wir, die Versicherten, sie brauchen. Die Versicherten, also die Einzahler! Niemand sonst! Unser von der Hand in den Mund lebendes Umlagesystem ohne Rücklagen hat mit einer Versicherung nicht mal Ähnlichkeit. Wie verlässlich diese Zahlungen im Krisenfall sind, muss ich doch nicht extra ausführen?

Dennoch ist es eine Pflicht, sich dort zu versichern. Sonst würde man es ja auch nicht tun. Pflicht heißt Verpflichtung. Eine Verpflichtung geht man ein oder auch nicht, sie ist auf jeden Fall freiwillig. Man ist aber gesetzlich gezwungen, in die Pflichtversicherungen einzuzahlen. Zwang ist keine Verpflichtung. Eine Zwangsverpflichtung ist ein Widerspruch in sich. Siehe auch: Schulpflicht, Wehrpflicht…

Ein Zwang, so gesellschaftspolitisch vernünftig die einzelne Maßnahme auch sein mag, ist sicher nicht sozial, denn auch da geht es um Freiwilligkeit. Das Wort sozial kommt aus dem Lateinischen bedeutet „gemeinsam lebend“. Wird „Sozial“ angeordnet, sagt der Eine dem Anderen, wie man gemeinsam zu leben hat, egal wie derjenige das findet. Das ist nicht sozial, im schlimmsten Fall Nordkorea.

Die korrekte Bezeichnung der sozialen Pflichtversicherung wäre daher asoziale Zwangsumlage. Da würde aber wohl kaum einer einzahlen wollen.

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