Dem Heinerhofbauern sein Knecht dreht einen „Tatort“

Dem Heinerhofbauern sein Knecht (Foto: Pixabay)

Daß die geißendörferische Verlindenstraßung der Fernsehunterhaltung bei den Öffentlich-Rechtlichen auch die Serie „Tatort“ nicht ausspart, ist inzwischen ein alter Hut. Von Michael Klonovsky gibt es heute bei Jouwatch einen „Brennpunkt“ dazu: „Die AfD, der Tatort und ein unzurechnungsfähiger „Spiegel“-Beobachter„.

von Max Erdinger

In der Programmvorschau bei der ARD zur heutigen Tatort-Folge „Dunkle Zeit“  wird der Krimi-Fan schon einmal eingestimmt: „Nina Schramm, Fraktionsvorsitzende der „Neuen Patrioten“, wird immer häufiger Ziel von Hass-Posts und Morddrohungen. Kommissar Falke und seine Kollegin Julia Grosz werden zu ihrem persönlichen Schutz abgestellt. Zum Leidwesen seiner Kollegin machen Falke und die Rechtspopulistin keinen Hehl aus ihrer gegenseitigen Abneigung. Als Schramms Wagen durch eine Explosion zerstört und dabei ihr Ehemann Richard getötet wird, melden rechte Netzwerke den Anschlag eines „linken Mobs“ und werfen der Polizei vor, tatenlos zu zu sehen. Für die Ermittler ergeben sich allerdings Ungereimtheiten in der medienwirksamen Kampagne der Rechtspopulisten, zumal im Hintergrund offensichtlich der Staatsschutz mitmischt.

Wer sich den Tatort „Dunkle Zeit“ heute abend im Staatsfernsehen anschauen will, der halte sich jetzt die Augen zu. Nach dem Wort „Bling“ werde ich nämlich verraten, wer am Schluß die Täter gewesen sein werden – Achtung „Bling“: Es sind ultrarechtspopulistische Täter aus der eigenen Partei. Erneutes „Bling“ – Sie können die Augen wieder aufmachen.

Auf der Seite der ARD gibt es zu der Programmvorschau den netten Kommentar eines Vorschau-Lesers. Er schreibt: „Bald ermittelt Falke im Zusammenhang mit G20. Was soll da raus kommen? Die Ladenbesitzer haben selbst ihre Tiefkühlpizza und den Rotwein aus der Auslage gestohlen, die Sachbeschädigung haben Verfassungsschützer begangen und klar die Polizisten haben sich selbst verletzt.

Da mich nach diesem Kommentar der Verdacht beschlich, er könnte von jemandem mit einem gesunden Menschenverstand geschrieben worden sein, schnürte ich meine Wanderstiefel und machte mich auf den beschwerlichen Weg vom Tal des Trübsinns hinauf zum Heinerhofbauern seinem Knecht. Als ich keuchend über die letzte Geländekuppe vor dem Heinerhof kam und das bäuerliche Anwesen sichtbar wurde, konnte ich bereits ahnen, daß der Knecht Nägel mit Köpfen gemacht haben muß. Der große, alte Röhrenfernseher dominierte prominent den Anblick des Misthaufens vor dem Kuhstall.

Den Knecht selbst fand ich hinter der Scheune, wo er, mit einem Manuskript in der einen Hand und einer alten Videokamera in der anderen, dem Heinerhofbauern und der Heinerhofbäuerin Regieanweisungen zubrüllte. Die Scheinwerfer des Traktors, des bäuerlichen Geländewagens und des Mopeds vom Heinerhofbauern seinem Knecht beleuchteten bei laufenden Motoren die Szene.

„Servus, Knecht!“, brüllte ich dazwischen, da niemand meine Ankunft bemerkt hatte. „Was macht ihr denn da?“ Drei Köpfe drehten sich ruckartig in meine Richtung. Der ganze Heinerhofbauer war mit grüner Farbe eingesprüht worden, die Bäuerin war knallrot. „Wir drehen einen Tatort!“, erwiderten die Drei unisono, unterbrachen dann aber die Dreharbeiten und gesellten sich zu mir. Das Manuskript in den Händen vom Heinerhofbauern seinem Knecht stellte sich als Drehbuch heraus. Die Story war interessant.

Sie ging so: Ein rot-grünes Inter- bzw. Transsexuellenpärchen wurde immer wieder hinterrücks angegriffen, so daß beide jedesmal mit den Gesichtern im Matsch hinter der Scheune landeten und wegen ihrer verdreckten Augen nicht sehen konnten, wer der Angreifer gewesen war. Der Knecht selber spielte den Kommissar. Er hatte den braunen Ochsen aus dem Stall im Verdacht, der jedoch bei den Befragungen schwieg und so den Verdacht gegen sich erhärtete. Gedeckt wurde er offensichtlich von den Kühen, die dem Kommissar auf die Frage, ob sie bezeugen könnten, daß der braune Ochse die ganze Zeit im Stall gewesen sei, ebenfalls keine Antwort gaben. Das gesellschaftliche Umfeld des Tatverdächtigen und der ihn deckenden Kühe lieferte eine soziologisch stimmige Beschreibung des Milieus, in welchem der Ochse sich bewegte wie ein Fisch im Wasser. Es bestand aus grunzenden Schweinen und gackernden Hühnern.

Eine Wendung nahm die Story, als etwa in der Mitte des Drehbuchs eine grün gekleidete, rothaarige Kindergärtnerin auftauchte, die ebenfalls von der Bäuerin gespielt wurde und ein seltsames Interesse daran bekundete, daß der braune Ochse endlich seiner Schandtaten überführt werden möge. Das wiederum lenkte den Verdacht vom Heinerhofbauern seinem Knecht als ermittelndem Kommissar auf die rothaarige, grüne Kindergärtnerin, so daß er hinter ihrem Rücken mit diskreten Ermittlungen bei den Kindern unten im Tal begann, in deren Verlauf sich die ganze schreckliche Wahrheit herausstellte.

Die rothaarige Kindergärtnerin hatte die Kinder jahrelang unter Drogen gesetzt und sie den beiden vermeintlichen Opfern der hinterhältigen Angriffe des braunen Ochsen als Lustobjekte für ihre pädophilen Perversionen zugeführt. Da aber sowohl das grüne, als auch das rote Matschgesicht unheilbar an Zerebralphimose erkrankt waren und wussten, daß sie wegen der Überlastung der Gerichte ihre Verurteilung ohnehin nicht mehr erleben, hatten sie die Kindergärtnerin damit erpresst, daß sie bei der Polizei auspacken würden, wenn die gesunde und rothaarige Kindergärtnerin nicht 100.000 Euro heranschafft, mit denen sie sich einen schönen Lebensabend unter Palmen am sicheren Lago Maggiore zu machen gedachten.

Deswegen hatte sich die Kindergärtnerin immer wieder unerkannt auf den Heinerhof hinaufgeschlichen und im Schatten der Scheune auf den roten und den grünen Pädophilen gewartet, um sie bei deren Erscheinen auf der Bildfläche von hinten in den Matsch zu schubsen. Laut Drehbuch war der Fall damit gelöst. In der letzten Szene wird die Kindergärtnerin vom Heinerhofbauern seinem Knecht in Handschellen abgeführt, nicht ohne dabei wüste Verwünschungen auszustoßen.

Das Schauspielertrio bat mich dann, die Dreharbeiten nicht länger aufzuhalten und kündigte an, seine Produktion der ARD verkaufen zu wollen. Ich wünschte dem Heinerhofbauern seinem Knecht und seinen Laiendarstellern viel Glück dabei und machte mich wieder auf den Heimweg.

 

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