Die „Soldiers of Odin“ und das journalistische Totalversagen der SZ

Die Soldiers of Odin / Foto: Facebook

„Rassistische Bürgerwehr in Pasing“ titelte die Süddeutsche Zeitung am 17.11. über eine Gruppe namens „Soldiers of Odin“. Dabei hat der Journalist Martin Bernstein sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Gruppe zu kontaktieren. Wir schon. Ein Interview

von Collin McMahon

„Als „Odinssoldaten“ sind sechs Männer und eine Frau unter anderem durch den Pasinger Bahnhof gezogen. Bei einem lugte unter der Jacke ein Holster hervor“, schnappatmete die ehemals seriöse Süddeutsche Zeitung unter einem reißerischen Bild von 5 Männern mit Odin-Kutten. „Eine rechte Bürgerwehr ist am Freitag voriger Woche bei Rundgängen durch Pasing und durch die (Münchener) Innenstadt beobachtet worden. Die Gruppierung, die ursprünglich aus Skandinavien stammt, nennt sich „Soldiers of Odin“. Ihr deutscher Ableger stellt sich als „Nachbarschaftshilfe“ dar und das martialische Auftreten auf der Straße als „Spaziergang“.“

„Verbindungen in die rechte Szene“ gebe es, so der erfahrene Polizeireporter Martin Bernstein, der auch hinter jedem Identitären einen Nazi entdecken mag. Wie bei solchen Skandal-Berichten üblich wird dann ein „Extremismus-Experte“ zitiert, der die „Soldiers of Odin“ eine „rassistische Bürgerwehr“ nennen darf. In dem Fall ist es ein Matthias Quendt, der für die umstrittene ex-Stasi-Agentin Anetta Kahane arbeitet. Weder Bernstein noch Quendt haben sich die Mühe gemacht, die Soldiers of Odin direkt zu befragen. Wir hatten sie innerhalb von einem Nachmittag per Facebook erreicht. Der Pressesprecher Bodo gab uns freimütig Auskunft.

Wer sind die Soldiers of Odin? Wofür steht ihr, was für Leute seid ihr?

„Wir wollen nur helfen“: Micha und Nadja

Die Soldiers of Odin sind eine in Finnland gegründete und inzwischen auf mehreren Kontinenten vertretene Gemeinschaft von Männern und Frauen, die sich um die öffentliche Sicherheit auf unseren Straßen sorgen und nicht mehr hinnehmen wollen, daß die exorbitant zunehmende Kriminalität im öffentlichen Raum aus politischen Gründen vertuscht und verharmlost wird. Die Soldiers of Odin Germany agieren eigenständig, da sie aufgrund landestypischer Sensibilität mit bestimmten politischen Kontexten besonders vorsichtig sein wollen.

Wie sind Sie persönlich dazu gekommen und warum?

Ich persönlich habe schon länger ein unbehagliches Gefühl, besonders wenn ich meine Familie alleine unterwegs weiß. Fast mehr noch als die Straftäter selbst macht mir die einladende Unterstützung Sorge, die von einer einseitig berichtenden Presse, aber auch von einer ideologisch geprägten Rechtsprechung ausgeht.

Woraus bestehen die Aktivitäten der SoO? Was war da speziell in Pasing los?

Wir möchten durch unsere bloße Präsenz auf den Straßen potentielle Straftäter davor abschrecken, ihre üblen Pläne überhaupt umzusetzen. Bekanntermaßen ist dieses Modell durchaus erfolgreich („Aktion aufmerksamer Nachbar“) und von der Polizei empfohlen, die sicher um ihre personellen Defizite weiß. Im Rahmen unserer Sorge für die, die unserer Hilfe bedürfen, kümmern wir uns auch um Obdachlose und notleidende Tiere. Hierzu haben wir schon mehrere Spendensammlungen veranstaltet. In Pasing war absolut nichts Berichtenswertes, außer daß die Gürteltasche für die E-Zigarette eines Mitgliedes zum Waffenholster umgedeutet wurde.

Hat Martin Bernstein oder die „Süddeutsche Zeitung” euch zu diesem Artikel kontaktiert?

Nein, zum Ehrenkodex mancher Journalisten gehört es eben, „über“ andere zu sprechen als „mit“ ihnen zu kommunizieren.

Die „Süddeutsche Zeitung” bezeichnet euch ohne nähere Beweise zu nennen als “rassistisch”. Was sagt ihr dazu?

Wie viele Gruppen und Personen, die nicht dem herrschenden linken Zeitgeist entsprechen, werden auch wir schnell und pauschal mit den üblichen Schimpfwörtern belegt, u.a. eben als „rassistisch“. Wir sind eindeutig als Gemeinschaft unpolitisch, was dem Einzelnen in unserer, zumindest theoretisch, freien Staats- und Gesellschaftsform durchaus eine eigene Meinung läßt. Im konkreten Fall empfehlen wir, unsere Sizilianer, Afroamerikaner, Serben sowie unsere Brüder mit thailändischen und ungarischen Partnerinnen zum Thema Rassismus zu fragen.

Die „Süddeutsche Zeitung” wirft euch Kontakt zu rechtsextremen Gruppen wie dem „Dritten Weg” vor. Trifft das zu?

Es mag durchaus zutreffen, daß es einzelne Mitglieder gibt, die im Einzelfall Kontakte zu als „rechtsextrem“ eingestuften oder auch als solche diffamierten Gruppen oder Personen haben oder hatten. Wir schreiben unseren Mitgliedern nicht vor, mit wem sie Kontakte pflegen dürfen. Durch unsere Vorgabe, die Gemeinschaft unpolitisch zu erhalten, ist jedoch sowohl eine Unterwanderung ausgeschlossen als auch ein entsprechendes (Fehl-)Verhalten.

Wie distanziert ihr euch von Gewalttätern oder Verfassungsfeinden? Gab es schon mal Probleme deswegen?

Ganz eindeutig: Wer sich nicht an die eindeutigen Regeln hält, fliegt raus! Es gab und gibt keinerlei Straftaten, die in einem Zusammenhang mit den SoO stehen. Das hat uns erst kürzlich wieder der Verfassungsschutz bestätigt.

Wie geht es weiter mit den Soldiers of Odin? Was habt ihr für Pläne?

Nadja und Micha

Grundsätzlich: Jeder und jede unserer Mitglieder hat ein erfülltes Berufs- und Privatleben und reizvolle Hobbys. Nur zu gern würden wir unser Leben wie zu einer Zeit führen, als man Wohnungen und Autos noch unverschlossen stehen lassen konnten. Ganz sicher reißt sich keiner darum, denjenigen Konkurrenz zu machen, die wir mit unseren Steuergeldern bezahlen, um die oft unangenehme Arbeit zu erledigen, für Sicherheit zu sorgen. Selbst die Presse kann jedoch nicht mehr verschweigen, daß wir in anderen Zeiten leben. Deshalb ist unser Ziel, in jeder Ortschaft eine Nachbarschaftshilfe aufzubauen, die auf die Mitmenschen achtet, denen in Not hilft, und somit unseren Anteil zu leisten, „unsere Welt ein Stückchen besser zu machen“ – und zwar nicht mit großen Worten, sondern lieber mit kleinen Taten!

Und wenn wir dereinst an der langen Tafel in Walhall sitzen, und unser Allvater das Horn hebt und uns sagt „Das habt Ihr gut gemacht“, dann wissen wir, unser Weg war der Richtige!

Vielen Dank.

Wir wollten auch von Martin Bernstein erfahren, warum er sich nicht die Mühe gemacht hat, die „Soldiers of Odin“ zu kontaktieren, bevor er sie ohne Beweise in der Süddeutschen Zeitung als „rassistisch“ und „rechtsextrem“ diffamiert.

Wir fragten Bernstein:

Haben Sie versucht, die “Soldiers of Odin” für Ihren Bericht zu kontaktieren? Wenn nicht, warum nicht?

Sie bezeichnen die “Soldiers of Odin” als “rassistisch”. Das ist eine schwerwiegende Anschuldigung, für die Sie uns sicher konkrete Beweise nennen können.

Würden Sie z.B. nationalistische türkische Rockergruppen wie die Osmanen auch als “rassistisch” bezeichnen? Wenn nicht, warum nicht?

Sie sagen, einer der Männer trug “ein Holster” unter der Jacke. Es sieht auf dem Bild eher aus wie eine Materialtasche, so wie sie Handwerker tragen. Sie scheinen damit aber einen Verstoß gegen das Waffengesetz zu implizieren. Haben Sie hierfür Belege? (Anm: Laut Auskunft der SoO war das „Holster“ eine Gürteltasche für eine E-Zigarette.)

Ein Antwort haben wir leider auch auf Nachfrage nicht erhalten.

Hier kann man mehr über die Soldiers of Odin erfahren.

 

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Hier unterstützen.

 

 

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