Politisch Inkorrekt

Foto: Durch luckyraccoon/Shutterstock
In der Stammkneipe (Foto: Durch luckyraccoon/Shutterstock)

Feierabend 17 Uhr. Der Gerch (fränkisch für „Georg“)  trifft sich mit seinem Freund Walder (fränkisch für „Walter“) in der Stammkneipe auf ein Bier. Oder fünf. Der Walder scheint schon länger da zu sein. Er scheint auch schon fünf gehabt zu haben. Jedenfalls starrt er trübsinnig in sein Glas, als der Gerch eintrifft.

von Max Erdinger

  • „Servus Walder! Bist scho länger do? (Bist du schon länger hier?)“
  • „Seit ummer dreie scho. (Schon seit drei Uhr.)“
  • „Host fräier Feieromd khat? (Hast du früher Feierabend gehabt?)“
  • „Naa, nausgschmaßt (gefeuert) homm´s mi.“
  • „Allmächt,  nausgschmaßt? Gibt´s doch ned! Wäi na des? (wie dann dieses?)“
  • „Wecher bolidisch inkorrekt (politisch inkorrekt) odder wäi mer des nennt. (oder wie man das nennt.)“
  • „Wos na bassiert? (passiert)“
  • „Wecher (wegen) aner bledn Sau (einer blöden Sau), wo ka Necher woar (die kein Neger gewesen ist.“
  • „Verzäll! (Erzähl´mal)“
  • „Mir homm seid a boar Doch (wir haben seit ein paar Tagen) an Necher im Gschäft, der wo kanner is. (einen Neger im Geschäft, der keiner ist.)“
  • „Und?“
  • „Heit (heute) hob i freindli sei wolln (wollte ich freundlich sein).“
  • „Allmächt, su kennd mer di goar ned (Allmächtiger, so kennt man dich gar nicht.) Wos hosd na gsochd? (Was hast du denn gesagt?)“
  • „Na ja, ich hob ner´n hald gfrochd, ob´s nern gfelld bo uns in Deitschland. (Ich habe ihn halt gefragt, ob es ihm bei uns gefällt in Deutschland.)“
  • „Desweng schmaßt an doch kanner naus!? (Deswegen wird man doch nicht gefeuert?)“
  • „Ich hob hald scheint´s ned onständich gfrochd. (Ich habe anscheinend nicht anständig gefragt.)
  • „Worum? (Warum)? Wäi hosd ner´n dann gfrochd? (Wie hast du ihn denn gefragt?)“
  • „Aff´d Schulder hob i´n ghaud (auf die Schulter habe ich ihm geklopft) und hob ner´n gfrochd: Und, Necherla, scho wos annersch do bei uns wäi in dein gschissna Afrika, odder? (Und, Negerlein, das ist schon etwas anderes bei uns als in deinem bescheuerten Afrika, oder?)“
  • „Naa, Gerch, (nein, Georg), du bisd obber aa a Drampl (du bist aber auch ein Trampel)“
  • „Des woar ned es Broblem. (Das war nicht das Problem)“
  • „Wos dann? (was dann?)“
  • „Der hod ja a ned ausgschaut wäi a richdicher Necher (der hat ja auch nicht ausgesehen wie ein richtiger Neger), sondern mehr a su hellschwarz (sondern mehr so hellschwarz) wäi die Sandnecher (wie die Nordafrikaner)“
  • „Ja und?“
  • „Der woar ieberhapts ka Necher. (Der war überhaupt kein Neger). Ka echder Necher und ka Sandnecher aa ned. (Kein echter Neger und kein Nordafrikaner auch nicht.)“
  • „Allmächt, wos woar er´n na? (Allmächtiger, was war er denn dann?)“
  • „Des woar a Fraa. (Das war eine Frau.) A su a graushoarerde Henna (ein kraushaariges Huhn), wo in jeder freia Minuddn (die in jeder freien Minute) nei´s Solarium rennd (ins Solarium geht.“
  • „Do hosd obber an ganz scheena Bock gschossn“. (Da hast du aber auch einen ganz schönen Bock geschossen.)
  • „Ner ja, wäi hädd i´s na wissn solln? (Na ja, wie hätte ich das auch wissen sollen?) Ich hob g´maant, der bunde Fumml wo´s o´ghabt had wär´a Necherdrachd. (Ich war dem Irrtum erlegen, daß es sich bei ihrem bunten Kleid um eine Negertracht handelt). Ich hob´hald g´maant, daß a weng a fedder Necher is. (Ich habe halt gedacht, daß es sich um einen vollschlanken Neger handelt.) Bis i´s dann vo vorn gseng hob. (Bis ich sie dann von vorne gesehen habe.) Ober do woar´s scho zu schbäd (Aber da war es schon zu spät.) Do hob i´s scho gfrochd khat (da hatte ich sie schon gefragt), ob´s nern in Deitschland gfelld (ob es ihm in Deutschland gefällt.) Hädd i den Necher glei vo vorn gseng, hädd i ned gfrochd. (Hätte ich den Neger gleich von vorne gesehen, hätte ich gar nicht erst gefragt.)“
  • „Worum na ned? (Warum dann nicht?)“
  • „Mords Diddn! (große Brüste). Na hädd i´s gwisst, daß ka Necher is´. (Dann hätte ich gewußt, daß sie kein Neger ist.) Wecher die Nosnlecher aa. (Auch wegen der Nasenlöcher). Die woarn vill glenner wäi bo an Necher. (Die waren viel kleiner als bei einem Neger.)“
  • „Und dann?“
  • „Kloar hobber mi glei entschuldicht. (Natürlich habe ich mich gleich entschuldigt). Ich hob gsochd, daß mer des ned bassiert wär (ich habe gesagt, daß mir das nicht passiert wäre), wenn i glei gseng hädd (wenn ich gleich gesehen hätte), daß mordsvill Hulz vur der Hüttn hod (das sie mords viel Holz vor der Hütte hat.)“
  • „Sowos is doch ka Entschuldichung ned heizerdoch! (So etwas ist doch heuzutage keine Entschuldigung nicht!) A sexuelle Beläsdichung is des! (Eine sexuelle Belästigung ist das!)“
  • „Ja, des is mer dann aa eigfalln. (Ja, das ist mir dann auch eingefallen.) Desweng hobb i´s a glei gfrochd, ob is áuf an Kaffee eilodn derferd und daß amol an machen soll. (Deswegen habe ich sie auch gleich gefragt, ob ich sie auf einen Kaffee einladen darf und daß sie einmal einen machen soll.)“
  • „Und dann?“
  • „Dann hod´s mer anne gschmiert. (Dann versetzte sie mir einen Backenstreich.) Do hob i bled gschaud (Da habe ich blöd geschaut). Und dann hods es schreia ogfangt. (Und dann fing sie an zu schreien.) Vo die andern Haumdaucher senn glei a boar gloffn kumma. (Von den anderen Haubentauchern sind gleich ein paar gelaufen gekommen.) Der Abdeilungsleider woar a dabei. (Der Abteilungsleiter war auch darunter.)“
  • „Allmächt, do woar der Goggl derlatschd, odder? (Allmächtiger, da war der Gockel zu Tode getreten, oder?)“
  • „Und wäi! (Und wie!) Der Abdeilungsleider woar ganz aufgrechd (der Abteilungsleiter war ganz aufgeregt) und hod gfrochd: Um Himmels Willen, Frau Brockenkotz-Übelbecher, wos na bassierd? (Um Himmels Willen, Frau Brockenkotz-Übelbecher, was ist denn passiert?)“
  • „Und? Wos hod´s na gsochd? (Und? Was hat sie denn dann gesagt?)“
  • „Ja, glonga hods! (Ja, gelogen hat sie!) Daß i´s schwinistisch oglabert hätt und a Necherschlambn ghaasn hätt, hod´s gsochd. (Daß ich sie chauvinistisch angeredet und eine Negerschlampe genannt hätte, hat sie gesagt.)“
  • „Naa! Und dann?“
  • „Dann hod mi der Abdeilungsleider obrülld, wos mir eifelld (Dann hat mich der Abteilungsleiter angebrüllt, was mir einfällt.) Ob ich Depp ned waaß, wer die Fraa Kotzenbrock … Brockenkotz-Übelbecher is und daß in Bedriebsrod hockt und a Bragdigum bo uns do herin machd. (Ob ich intellektuell Herausgeforderter nicht weiß, daß die Frau Kotzenbrock-Übelbecher im Betriebsrat sitzt und bei uns ein Praktikum absolviert.)“
  • „Allmächt. Und dann?“
  • „Dann is mer der Grong blatzd. (Dann ist mir der Kragen geplatzt.) Ich hob zerick belfert (ich habe zurück gebellt), daß si die blede Kuh ned a su auffiern soll (daß sich die blöde Kuh nicht so aufführen soll), wall mir alle bloß Menschn senn (weil wir alle nur Menschen sind), daß irren menschlich is und daß mi alle mid ihrer gschissna menschlichn Gsellschaft am Oarsch leckn kenna (daß mich alle mit ihrer bescheuerten menschlichen Gesellschaft am Allerwertesten lecken können), wemmer si ned amol an Irrdum erlaum derf (wenn man sich nicht einmal einen Irrtum erlauben darf.)“
  • „Des woar also heid ned su dei Doch, nä? (Das war also heute nicht so dein Tag, nicht?)“
  • „Naa, ieberhapts ned. (Nein, überhaupt nicht.)“
  • „Und dann hod der Abdeilungsleider woahrscheinli gsochd, daß der dei Babiere abhulln konnsd, odder? (Und dann hat der Abteilungsleiter wahrscheinlich gesagt, daß du dir deine Papiere abholen kannst, oder?)“
  • „Genau“
  • „Bled gloffn (Blöd gelaufen). Ner ja, a anderer Scheff hod a an scheena Tschobb (Na ja, ein anderer Chef hat auch einen schönen Job.) Do braux etz´n Kupf ned hänga lassn. (Da brauchst du den Kopf jetzt nicht hängen lassen.) Dringkmer nu a Seidla odder zwaa. (Trinken wir noch ein Seidel oder zwei.) Ich derzäll der amol an Witz, na gedd´s der glei widder besser. (Ich erzähle dir mal einen Witz, dann geht es dir gleich besser).“
  • „Des werd widder wos sei. (Das wird schon wieder so etwas sein.)“
  • „Bass auf: (Pass auf:) Kummd a Fraa in die Bank und will hundert Euro aff ihr Kondo eizohln (Kommt eine Frau in die Bank und will hundert Euro auf ihr Konto einzahlen). Schaud si der Kassierer den Schein o (Der Kassierer schaut sich den Schein an), helld nern gechers Lichd (hält ihn gegen das Licht) und sochd zu dera Fraa (und sagt zu dieser Frau): Goude Fraa, denn konn i ned onemma, des is ja Falschgeld (Gute Frau, den Schein kann ich nicht annehmen, das ist ja Falschgeld). Fengd die Fraa es schreia o (fängt die Frau zu schreien an): Allmächt! Hilfe! Ich bin vergewaldichd worn! (Allmächtiger! Hilfe! Ich bin vergewaltigt worden!)
  • „Ha-ha-ha-ha …“
  • „Pfffhhh – pruust- haa-haa-haa …“
  • „Der woar goud, odder? (Der war gut, oder?)“
  • „Glasse. (Klasse)“
  • „Also Brosst, Walder. Morng is widder a anderer Doch. (Also Prost, Walter, morgen ist wieder ein anderer Tag.)
  • „Genau. Brosst! Ich kenn aa nu aan, bass auf: Sochd der Franz zon Erich (sagt der Franz zum Erich): Ich leb´etz mid meinerer Fraa vo Bedd und Disch gedrennd (Ich lebe jetzt mit meiner Frau von Bett und Tisch getrennt). Sochd der Erich (sagt der Erich): Allmächt! Essn hod´s gwiß a ned kennd? (Allmächtiger! Essen konnte sie wohl auch nicht?)“
  • „Ha-ha-ha-ha …“
  • „Bo-ho-ho-ho …“
  • „Glasse, odder?“
  • „Subber! (Super!)“
  • „Horch, Beder! (Hör mal, Peter!) Mir gräichertn nu zwa und zwa Kotze (Wir würden gerne noch zwei Bier bestellen und zwei Kurze)“
  • „Der Beder woar a scho amol schneller, odder? (Der Peter war auch schon mal schneller, oder?)“
  • „Der werd hald aa ald. (Der wird halt auch alt.)
  • „Genau“
  • „Brossd!“
  • „Brossd!“

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