An der Türe

Foto: Durch Dave Clark Digital Photo/Shutterstock
Ohne einen Türsteher gäbe es keine guten Clubs (Foto: Durch Dave Clark Digital Photo/Shutterstock)

Die Türsteher sorgen in Lokalen dafür, dass man die Gäste hat, die man möchte. Deswegen weisen sie die ab, die Ärger bringen könnten. Das ist genau so lange OK bis man Ausländer abweist. Das ist dann Rassismus

Von Volker Kleinophorst

An der Türe einer Diskothek werden aus Vorurteilen Urteile. Denn was da aufläuft, ist Realität pur. Der Türsteher entscheidet zwischen drinnen und draußen, cool und uncoool und zwischen Gefährder und Gast. Denn die Mischung macht es. Damit im Laden die Stimmung stimmt, Gewalt draußen bleibt und Alle aber besonders die anwesenden Frauen unbeschwert feiern können. Dafür ist der Türsteher mit absoluter Entscheidungsgewalt ausgestattet. Das war schon immer so.

Doch mittlerweile klagen viele Migranten, das sie immer öfter draußen bleiben müssen.

Junge Freiheit: „Die Stadt Braunschweig hat drei Türstehern Bußgeldbescheide in Höhe von 60 Euro auferlegt. Zusätzlich verlangen die Behörden 28,50 Euro an Gebühren von den Männern. Sie sollen Diskogängern wegen ihrer ethnischen Herkunft den Zutritt verwehrt haben, teilte die Stadt mit.“

Der Schauspieler Elyas M`Barek hat nach eigenen Angaben als Teenager wegen seines Migrationshintergrundes Probleme gehabt. „Ins P1 bin ich früher nicht reingekommen“, so der Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers im Magazin Emotion.

Denn Barak wurde natürlich als Ausländer nicht eingelassen, das weiß er genau, obwohl er es sicher nicht beweisen kann. Genauso wenig, wie man beweisen kann, das er mit 10 weiteren „Männern“ anrückte, angetrunken war oder, so war es bei mir, an einem Samstag reinwollte als das P 1 brummte und man da keine Typen einlässt, die auch noch nach wenig Kohle aussehen.

Ich kannte Läden, in die ich selten und gar nicht rein kam, z.B. auf Ibiza oder in den USA aber auch in Hamburg und München. Ich war in anderen Läden Stammgast und konnte ohne Eintritt an der Schlange vorbei durchgehen. Das ist ganz normal. Man geht dahin, weil der Laden so cool ist. Ein Laden, der jeden reinlässt, ist aber nicht cool. Die „Tür“ und die damit verbundene Angebotsverknappung ist entscheidend. Gutes Marketing besteht nicht darin, den Laden vollzupumpen. Um Einlass bettelnde Leute draußen sind die beste Werbung.

Ich habe gelegentlich auch selber Türe gemacht. Da gibt es ganz einfache Regeln:

In der Woche geht manches, am Wochenende strenge Tür. Für Alle. Wer nüchtern, gepflegt und in Damenbegleitung erscheint, kann rein. Frauen allein natürlich (in diskriminierender Weise) immer. 50 % Frauen müssen sein, sonst ist die Stimmung schlecht.

Männergruppen nie. Auch keine fünf deutschen Jungs, die angeheitert nach Beute suchen, aber noch nicht einmal ein Mädel als Begleitung dabei haben.

Türken, Araber, Muslime generell sind die Hochrisikogruppe Nummer 1. Betrunken geht bei denen gar nicht. Belästigungen und Schlägereien waren da auch vor 30 Jahren vorprogrammiert. Denn natürlich trinken die, weil sie ja wissen, „wann Allah nicht guckt“. Außerdem kommen sie immer in reinen Männergruppen. Die Risikogruppe Schwarzafrikaner war in meiner Zeit zwischen 80er und 2010 noch nicht so präsent.

Nein heißt Nein.

Wenn man sogenannte „Vorurteile“ überprüfen will, ist man in dem Job jedenfalls goldrichtig. Und nehmen wir doch mal die Hochrisikogruppe.

Um die Türe zu entschärfen, war man in den 80er dazu übergegangen, die Jungs erst mal hinten zu halten und vorne eine Frau entscheiden zu lassen. Können die meisten Nichtgäste besser akzeptieren. Abgewiesene sollten sich nicht in ihrer Ehre verletzt fühlen, sonst gibt es Konflikte. Da ist es wichtig, freundlich zu bleiben und mit den Leuten zu reden, was Frauen an der Stelle sicher besser hinkriegen. Sei freundlich aber halte einen dicken Knüppel bereit.

Und der wurde auch immer mal wieder nötig, wenn kulturfremde „Männergruppen“ auftauchten.

Das lief immer nach dem gleichen Schema ab:

Der Netteste kommt allein und möchte gerne rein. Bei einem kann ja nichts schiefgehen, doch kaum hat man genickt, stehen seine Freunde da, die ja nicht draußen stehen bleiben können. „Guck mal das ist mein Cousin…“

Zu diesem Zeitpunkt wird geschleimt, gebettelt, charmiert.

Wenn man dann merkt: Fäll aus wegen is nich, fängt man an zu pöbeln, wird immer aggressiver, spuckt rum, droht.

Da sind die Tür-Mädels natürlich längst weg von der Straße und man löst das. Zur Not mit der Polizei. Zu meiner Zeit stellte man ja grundsätzlich die Mehrheit, so trollte sich der Mob recht schnell. Heute kommt man dann mit 300 Mann zurück oder dem Ordnungsamt, weil es jetzt rassistisch ist, wenn man feststellt, dass potentielle Krawallmacher bestimmten Bevölkerungsgruppen angehören.

Denn es geht seit über 30 Jahren immer um die selben Leute, weder Asiaten, noch Nord- oder Südamerikaner fallen so auf. Auch Osteuropäer nicht.

Wann wird eigentlich ein Vorurteil zum Urteil.

An der Türe ganz schnell.

Von Gaststättenbesitzern zu verlangen, Menschen einzulassen, die für seine Gäste ein potentielles Risiko darstellen, ist geschäftsschädigender Eingriff ins Hausrecht.

Wer sich benehmen kann, kommt auch rein. Und wenn er sich nicht benimmt, darf gerne draußen bleiben.

Wer feiern will, muss freundlich sein.

Wandere aus, solange es noch geht!
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