Abt. Doppelrahmstufe: Die Diäten

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Diäten machen hungrig (Foto: Pixabay)

Die Bezüge der Parlamentarier im Deutschen Bundestag heißen nicht deswegen Diäten, damit man denkt, Peter Altmaier wäre schlank oder Angela Merkel kaute Fingernägel, weil sie sich nichts zu essen kaufen kann. Die Aufklärung.

von Max Erdinger

Die Bezüge heißen Diäten, weil dieses Wort insinuiert, die Parlamentarier würden sich vor lauter Vaterlandsliebe am liebsten für umsonst aufopfern, wenn sie nicht – oh Jammer der Materie – auch mal ein frugales Mahl zu sich nehmen müssten. Die Diäten heißen also deswegen Diäten, weil sie die demutsvolle Bescheidenheit des Parlamentariers als Diener seines Volkes illustrieren sollen.

Eine Diätenerhöhung wäre also die Kürzung der Bezüge, nicht eine Erhöhung derselben. „Wir erhöhen Ihre Diät“, heißt in der Kurklinik: „Ab morgen bekommen Sie noch weniger zu essen als bisher.“ Unsere Parlament-Arier haben sich also in schöner Eintracht von CDU/CSU, SPD und FDP die Diäten in der falschen Richtung erhöht. Hatten sie 2014 noch gesundheitsschädliche 8.000 irgendwas Euro an monatlichen Bezügen, so sind es nun, drei Jahre später, bereits lebensgefährliche 9.000. Das ist aber nur die Basisdiät. Wenn da nicht noch einmal ordentlich etwas an Extra-Zuwendungen oben draufkäme, könnte man kein Wort mehr von dem verstehen, was sie am Rednerpult sagen, weil sie ständig ihre Finger im Mund hätten, um an ihren Nägeln zu kauen. Vor lauter Hunger.

Die Parlament-Arier fühlen sich deswegen noch immer nicht ausreichend auf Diät gesetzt, weswegen sie ihre doppelrahmstufenartige Bezahlung nach wie vor als Diäten bezeichnen. Die Herrschaften haben einfach ein Richtungsproblem. Wollte man sie nach Leistung bezahlen, müsste man ihre Diäten glatt auf 10 Prozent dessen erhöhen, was sie aufgrund ihres fundamentalen Richtungsirrtums momentan noch einstreichen. Das wären dann 950 Euro im Monat und ich könnte jeden verstehen, der selbst dann noch sagen würde, das sei zu viel für diese feisten Wänste.

Eigentlich wäre zu überlegen, ob Leute, die Volksinteressen vertreten wollen, nicht noch ihr eigenes Geld mitbringen müssen sollten zum Beweis ihrer lauteren Absichten. Donald Trump macht es vor. Damit wäre zum Beispiel sichergestellt, daß sich eine Frau Frauke Petry nicht gegen Neuwahlen aussprechen würde. Sie ist über die AfD in den Bundestag gekommen, dann aus der Partei ausgetreten und bezieht Diäten. Daß sie gegen Neuwahlen ist, versteht sich von selbst. Neuwahlen wären das ganz verkehrte Signal – an ihre Bank.

Es ist eigentlich ein Unding, daß jeder arme Schlucker, der nichts weiß und auch nichts kann, sich um eine Stelle als Volksvertreter bemüht, nur, weil er da nicht nachweisen muß, daß er zu irgendetwas fähig ist, außer ein Parteiprogramm auswendig zu lernen und Seilschaften zu bilden. Katrin Göring-Eckardt z.B. gäbe ein viel authentischeres Bild ab, wenn sie in der Fußgängerzone predigen – und Passanten Münzen in einen Hut zu ihren Füssen werfen würden. Aus Mitleid etwa. Zwar haben Linke und Grüne – auch die AfD nicht –  für die aktuelle, richtungsverkehrte Diätenerhöhung gestimmt, aber sie werden dann, wenn sie beschlossen ist, natürlich ebenfalls fetter statt schlanker werden.

Statt „Diäten“ kann man auch das deutsche Wort „Abgeordnetenentschädigung“ verwenden. Bei diesen Summen fragt man sich allerdings, was so schlimm ist, daß die Abgeordneten solche hohen Entschädigungen erhalten müssen. In jedem Großbetrieb ist man von einem Haufen Kretins umgeben, ohne daß man deswegen in dieser Höhe entschädigt wird. Da heißen die Diäten auch Lohn oder Gehalt. Was also ist es, das so fürchterlich ist, daß es eine solche Entschädigung braucht? Hat der Abgeordnete einen Schaden davon, daß er die Interessen des deutschen Volkes vertreten soll und darf? Braucht er einen Haufen Geld für Glasreiniger, weil er jeden Tag mehrmals den Spiegel anspuckt? Was zum Teufel rechtfertigt es, daß diese Parasiten sich beim Steuerzahler im Selbstbedienungsladen wähnen dürfen? Müssen wir diese Raffkes dafür bezahlen, daß wir uns wünschen dürfen, sie geteert und gefedert aus dem Land zu jagen? Sind Projektionsflächen für weitverbreiteten Hass wirklich so teuer? Geht´s nicht billiger?

Wenn man sich willkürlich einen dieser Gierschlunde herausgreift und ihn fragt, wie solche doppelrahmstufenartigen Diäten zustande kommen, wird man belehrt: „Isch …. hihihi … gönd inne freie Wärtschaft ….. hihihi … vill mehr vädiene!“. Sind Parlament-Arier in Wahrheit Illusionskünstler? Frisch und frei von der Leber weg behaupte ich, daß mindestens die Hälfte dieser vollfetten Abzocker in der freien Wirtschaft nicht einen Cent verdienen-, sondern allenfalls Abstandszahlungen dafür erhalten würde, daß sie sich von der freien Wirtschaft fernhalten, anstatt die Fleißigen zu belästigen und zu verderben!

Wofür bekommen Typen Geld, die bei Jamaika-Sondierungen einer Zulassungsverlängerung für Glyphosat zustimmen (Grüne) oder sich auf lediglich leichte Modifizierungen beim NetzDG einigen (FDP), wenn sie nach dem Scheitern der Sondierungen Zeter und Mordio schreien über Glyphosat und NetzDG? Wieso müssen diese Diätignoranten ständig über rote Teppiche laufen? Warum werden die in Oberklasse-Limousinen durch die Gegend chauffiert? Und was ist das überhaupt für eine Unverschämtheit, diese Figuren durch steuerfinanzierte Bodyguards vor dem gerechten Volkszorn zu schützen? Die hätten sich doch jedes blaue Auge redlicher verdient als eine richtungsverkehrte Diätenerhöhung!?

Ich kenne einen Knecht, der sagt, das erste, was er tut, wenn er König von Deutschland geworden ist, wird sein, daß er diese Abzocker verhaften läßt und ihre ergaunerten Vermögen konfisiziert. Außerdem bekämen sie einen roten Punkt auf die Stirn tätowiert, sagt er, damit die Leute beim Sozialamt wissen, wen sie in Zukunft besonders schikanieren und mit Formularen eindecken müssen. Der sagt auch, daß er lieber ein richtiges Krebsgeschwür hätte, als daß er diese Parlament-Arier-Wucherung weiter füttert, weil man den Krebs heutzutage leichter heilen kann als den deutschen Parlamentarismus. So sagt der Knecht das, den ich kenne.

Wandere aus, solange es noch geht!
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