Nichts geht mehr in Deutschland!

Foto: Durch pangcom/Shutterstock
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Zugunglück bei Meerbusch/ Lokführer verhinderte große Katastrophe

Von Thomas Schlawig

 „Bei dem Unfall war am Dienstagabend ein Zug der Regional-Express- Linie 7 von Köln nach Krefeld auf einen stehenden Güterzug von DB Cargo aufgefahren, der auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam war. Dabei wurden nach Angaben der Bundespolizei 41 Menschen leicht verletzt, drei „mittelschwer“ und drei weitere schwer.“

Inzwischen verlautete in den Nachrichten, daß der Personenzug auf dem falschen Gleis unterwegs war. Fast zeitgleich erfuhr man in den Nachrichten desselben Senders (SWR3), daß heute in Karlsruhe ein Großversuch für „autonomes Fahren“ startet. Was haben beide Nachrichten miteinander zu tun? Nun, ich sehe Deutschland inzwischen als ein Land, in welchem nichts mehr funktioniert. Im September 2006 begann der Bau des Berliner Großflughafens BER und  eine Ende ist derzeit nicht abzusehen. Ebenfalls die Höhe der Kosten (auf Kosten des Steuerzahlers). Dabei muß man wissen, daß Berlin einst über sechs !!! funktionsfähige Flughäfen verfügte.

  • Flugplatz Berlin-Staaken, 1948 stillgelegt
  • Flugplatz Berlin-Johannisthal, 1952 stillgelegt
  • Flugplatz Berlin-Gatow, 1994 stillgelegt
  • Flughafen Berlin-Tempelhof, 2008 stillgelegt

In Betrieb sind noch der ehemalige Ost-Flughafen Berlin-Schönefeld, welcher in Teilen zum künftigen BER gehört und Berlin-Tegel. Für mich der beste Flughafen, den ich je gesehen habe. Klare Architektur und vor allem kurze Wege. Wenn ich dagegen die Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sehe, stehen mir die Haare zu Berge. Das liegt aber daran, daß man ständig erweitert und angebaut hat, mit dem Ergebnis, daß damit alles immer unübersichtlicher wurde. Der Flughafenbrand in Düsseldorf 1996 mit 17 Toten war ein Ergebnis davon. Die Fluggäste haben einfach die Notausgänge nicht finden können.

Das nächste Versagen bei einem Großprojekt ist bei „Stuttgart 21“ zu bewundern. Baubeginn 2010, Fertigstellung, sowie Kostenhöhe (Steuergeld) unbekannt. Nicht anders erging es dem Tunnelneubau zwischen Rastatt und Baden-Baden, nachdem sich dort die Gleise der darüberliegenden Bahnlinie abgesenkt hatten und den Zugverkehr auf der vielbefahrenen Nord-Süd-Verbindung zum Erliegen brachte. Dazu muß man wissen, daß die Bundesregierung im Jahr 1996 mit der Schweiz einen Vertag abgeschlossen hatte, in welchem sich  Deutschland verpflichtete, bis zur Inbetriebnahme des neuen Gotthard-Basistunnels, die Eisenbahnachse durchs Rheintal auszubauen. Der Gotthard-Tunnel wurde am 01.Juni 2016 nach 17 Jahren Bauzeit offiziell eröffnet. Man darf nicht vergessen, daß dieser Tunnel durch Fels und Gestein getrieben wurde, währenddessen es auf deutscher Seite auf dem flachen Land nicht möglich war, die vertragliche Verpflichtung gegenüber der Schweiz einzuhalten. Im Jahr 2022 soll die Bahnstrecke unter der Barockstadt Rastatt ein wichtiger Baustein der Bahnmagistrale von Genua nach Rotterdam sein. Die angepeilte Fertigstellung im Jahr 2022 dürfte, nach den derzeitigen Problemen wohl kaum eingehalten werden. Der dann fertiggestellte Tunnel beträgt dann stolze 4,2 km Länge. Zum Vergleich, der durch Fels und Gestein gebaute Gotthard-Tunnel hat eine Länge von 57,1 km und wurde fristgerecht fertiggestellt. Eine durchgängige Verbindung von Rotterdam über Basel nach Genua dürfte somit auf Jahre am Nadelöhr Deutschland scheitern.

Nächstes Großprojekt in der Serie „Pleiten, Pech und Pannen“, die Hamburger Elbphilharmonie. Auch hier liefen die angepeilte Fertigstellung und die Kosten aus dem Ruder. Inzwischen mußte, obwohl erst im Januar 2017 mit einem feierlichen Konzert eingeweiht, bereits im Juli/August nachgebessert werden,  nachdem es – besonders im Großen Saal – wegen fehlender Markierungen zu mehreren Stürzen mit zum Teil schweren Knochenbrüchen gekommen war. Die Kosten der Maßnahmen wurden auf 300.000 € geschätzt (Steuergeld).

Auf keinen Fall vergessen sollte man den Neubau der Ostseeautobahn A20, auf welcher Ende September auf der Fahrspur in Richtung Rostock südlich von Tribsees die Straße seitlich weggebrochen war. Es entstand ein Loch von etwa 10 Metern Breite, 40 Metern Länge und 2,50 Meter Tiefe. Seither ist die Strecke dort gesperrt. Auch hier wurde jede Menge Steuergeld regelrecht in den Sand gesetzt.

 Die A20 wird an der Abbruchstelle bei Tribsees für die mehrjährigen Reparaturarbeiten vollständig gesperrt bleiben. Die zur Überbrückung der Schadstelle geplante Behelfsbrücke könne nicht gebaut werden, teilte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) am Dienstag in Schwerin mit. Ein Baugrundgutachten habe die Hoffnung zerstreut, dass der ebenfalls auf der Moor-Linse liegende Teil der A20 hinter der abgesackten Stelle noch ausreichend tragfähig ist.

Man lese und staune, „mehrjährige Reparaturarbeiten“, wohlgemerkt an einem Neubau !!! Kosten (Steuergeld)?  Darüber kann man später noch reden.

Nicht anders sieht es auf der ebenfalls neu gebauten Harzautobahn A36 aus. Nach noch nicht einmal 10 Jahren senkt sich dort die Fahrbahn und reihenweise sind Brücken wegen Bauarbeiten gesperrt. Daher mußte ich schmunzeln, als kürzlich in den Verkehrsnachrichten verkündet wurde, daß irgendwo in Süddeutschland die Autobahn komplett über das gesamte Wochenende gesperrt werden muß, weil eine über 80 Jahre !!!! alte Brücke abgerissen wird.

Noch ein Leckerbissen – die A1 mit der Leverkusener AutobahnbrückeDie Rheinbrücke Leverkusen war für 40.000 Kfz pro Tag konzipiert worden.[7] Die Entwicklung des Verkehrs auf den Autobahnen konnte offensichtlich niemand vorhersehen.[8][9] Durch diesen Anstieg und durch den Ausbau des Kölner Autobahnrings und seiner Zubringer- und Verbindungsstrecken[10] nahm der Verkehr auf der Rheinbrücke Leverkusen auf rund 120.000 Fahrzeuge täglich zu, darunter 14.000 Lkw.[7] [….]  Wegen der Zunahme des Verkehrs wurde in den Jahren 1990 bis 1995 der Kölner Ring auf sechs Spuren ausgebaut.[10]

Bei der Rheinbrücke Leverkusen erreichte man den Ausbau auf sechs Spuren, indem die Standspur zur Fahrspur umgewandelt wurde, so dass die schweren Lkw nun am äußersten Rand der noch durch Schrägstreben unterstützen Fahrbahnplatte fuhren. Die damit verbundene größere Hebelwirkung vergrößerte die Auswirkungen auf die Brücke aus den größer gewordenen Lasten des zugenommenen und schwerer gewordenen Verkehrs.

Seit dem 30. November 2012 war die Brücke für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen aufgrund von Rissen in der Stahlkonstruktion gesperrt.[15] Am 3. März 2013 wurde die Tonnagebeschränkung wieder aufgehoben, da eine akute Zwischensanierung erfolgreich verlaufen war.[16] Am 16. Juni 2014 wurde die Tonnagebeschränkung wieder eingeführt, da die vorherige Zwischensanierung keinen dauerhaften Erfolg zeigte.[17] 

Ja, die Brücke war und ist für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen gesperrt. Überall hat man zu diesem Zweck an den zur A1 führenden Autobahnen große, mit Warnblinkleuchten ausgestattete Schilder mit entsprechendem Hinweis aufgestellt. Mehrfach hintereinander. Allerdings ist dieser Hinweis nur auf deutscher Sprache verfasst und somit konnte man in der Vergangenheit täglich wenigstens einmal in den Verkehrsnachrichten vom WDR hören: „Vorsicht bitte auf der A1 an der Leverkusener Brücke. Dort kommt ihnen auf der Fahrbahn in Richtung XY ein rückwärtsfahrender LKW entgegen.“ Man hatte einfach nicht mit der Vielsprachigkeit der LKW-Fahrer gerechnet. Aber immerhin hat man daraus gelernt.  Da weiterhin täglich unerlaubt Fahrzeuge über 3,5 Tonnen die Brücke befuhren und dies die Hauptquelle für die Schäden darstellt, wurde im Herbst 2016 für knapp 5 Mio. Euro[18] eine Sperranlage eingerichtet. Diese verhindert die Zufahrt auf die Brücke für Fahrzeuge über 3,5 t und breiter als 2,3 m.[19] Dies führt zu Verkehrsproblemen vor der Brücke, da jeder falsch fahrende LKW zu einer zeitweiligen Sperrung der Autobahn führt. Durch die Verstärkung tragender Strukturen wurde die Masse der Brücke erheblich erhöht. Um dies auszugleichen, wurden die entbehrlichen Betonschutzwände entfernt.[20]

Als ich diese Sperranlage kürzlich bewundern durfte, fühlte ich mich an die ehem. Zonengrenze mit ihren Sperranlagen zurückerinnert.

Foto: Wikipedia

Man darf gespannt sein, wann in Deutschland eine Brücke unter der Last des täglichen LKW-Verkehrs zusammenbrechen wird. Das dieses „Spiel“ nahezu ausgereizt ist, erkennt man an den diversen Verbots – und Hinweisschildern für LKW-Fahrer. Es gibt kaum noch eine Brücke, auf welcher für LKW kein Überholverbot besteht, bzw. darauf hingewiesen wird, 50m Abstand zu halten. Auch im Stau. Wer mag wohl die Verantwortung übernehmen, wenn es zur Katastrophe kommt.

Diese Liste von „Pleiten, Pech und Pannen“ ließe sich beliebig fortsetzen. Man bekommt das Gefühl, daß in Deutschland nur noch die Überweisung von Steuergeld an „Politiker“ und „Flüchtlinge“ funktioniert. Ein gewisser Steffen Seibert ist da allerdings anderer Meinung, indem er z.B. folgendes verkündet:

„Lieber Herr Gläser, ich möchte eigentlich in all den Punkten widersprechen. Sie zeichnen ein Zerrbild von Deutschland, als sei das Land im totalen Niedergang, dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wir stehen wirtschaftlich stark da, wir haben die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren, wir haben in den letzten Jahren die Staatsfinanzen wieder auf einen soliden Pfad gebracht und von alldem profitiert jeder einzelne Bürger in Deutschland indem eben die Sozialsysteme solide und gut finanziert sind, indem wir Investitionen uns leisten können in die Bildung und in die INFRASTRUKTUR…[…]“.

Zu bewundern ist dieser Schwachsinn hier im Video.

Nach dem Zugunglück nun zur zweiten Nachricht. Dem „autonomen“ Fahren. Wenn ich „autonom“ höre oder lese, bekomme ich ohnehin Zweifel, ob dieses Unwort nicht eigentlich (statt Neger, Zigeunerschnitzel, Negerkuß etc.)  auf den Index gehört, weil es mit nichts gutem in Verbindung gebracht werden kann. Aber ich gehöre nicht zur Sprachpolizei, daher ist es mir doch relativ egal. Sei´s drum. Trotz aller Unzulänglichkeiten in diesem Land möchte man nun partout „autonomes“ Fahren in die Wege leiten. Wozu? Um noch mehr Arbeitslose (Busfahrer, Taxifahrer, LKW-Fahrer) zu produzieren? Ich habe mein gesamtes vergangenes Leben mit Autos gelebt und an Autos gearbeitet. Immerhin fast 40 Jahre, davon gut 10 Jahre im Motorsport und ich weiß eines genau, ich werde mich niemals in ein „Vehikel“ begeben, welches sich allein durch den Verkehr bewegt, während ich teilnahmslos dasitze und mit lädierten Nerven den Verkehr um mich herum beobachten darf.

Zum Schluß noch ein paar Worte zur Post, DHL, oder was immer auch für die Beförderung von Post zuständig ist. Ich habe im November händeringend auf wichtige Post von der Insel Borkum gewartet. Als sie endlich eintraf, war sie 10 Tage unterwegs. Meine Rückantwort hat es gar auf 12 Tage gebracht. Aber das alles wird in den Schatten gestellt von einem Brief, welcher innerhalb Düsseldorf (ca. 1,5 km Luftlinie) drei !!!  Tage unterwegs war. Es gibt im Zeitalter von Internet und e-Mail immer noch Post, welche auf dem Postweg befördert werden muß und an Fristen gebunden ist. Aber das scheint niemanden mehr zu interessieren. Solange also Dinge des täglichen Lebens nicht (mehr) funktionieren (warum eigentlich?), kann man sich einen derartigen Schwachsinn wie „autonomes“ Fahren getrost schenken.

 

„Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart“        Curt Goetz (1888-1960)

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