SPIEGEL Bento… ohne Euch wär´s langweilig

Foto: Collage
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Je länger das „Dritte Reich“ der Vergangenheit angehört desto mehr Nazis scheinen in Deutschland herumzulaufen. Dies erkannte (neben ZDFInfo) auch SPIEGEL Bento, das dem seriösen Journalismus abschwor und mittlerweile seine Mitarbeiter das Internet nach allem durchkämmen lässt, was sich auch nur im entferntesten mit dem „Nazi-Etikett“ auszeichnen ließe. Aus Sicht von Bento also alles. Den neuesten Coup der „hippen“ Autoren kann man unter dem Artikel Bei real.de gibt es Wehrmachts-Fanartikel zu kaufen bestaunen. Die flotte Einleitung versetzt jeden in Schockstarre.

Von Nils Kröger

Eine Erinnerung an die Verbrechen der Nazis kostet bei real.de 53,90 Euro. Für diesen Preis kann man sich dort eine graue Soldatenuniform kaufen, die an die Kleidung der Wehrmacht erinnert. Der Artikeltext dazu empfiehlt: „Das Soldaten Kostüm sieht besonders erschreckend mit unserer Adolf Hitler Maske aus!“ Oder auch nur 4,95 Euro – so viel kostet das „Vintage Historical Art Notebook: Reichswehrsoldat mit Taube“, eine kleines Notizbuch mit einem Nazi-Bild auf dem Cover. Der Soldat streckt den linken Arm ähnlich wie zum Hitlergruß, darauf sitzt eine Taube.

 Das ist ja immer noch günstiger als das Zwangserinnerungs-Abo der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Jetzt kommt aber der Knaller. Man kann selbst entscheiden ob man den angebotenen Schrott kaufen möchte oder nicht. Diese Wahl entfällt aber bei der „Demokratieabgabe“.

Die beiden Stücke sind kein Einzelfall – der Onlineshop von real ist voller Wehrmachts-Kostüme und Nazi-Memorabilia. Die Supermarktkette real muss sich jetzt die Frage gefallen lassen: Warum hat da keiner aufgepasst?

 Diese Frage müsste man vor allem unseren „Nazi-Jägern“ von Bento stellen. Schaut man sich einmal auf den verlinkten Plattformen die Kommentare zu besagten Artikeln an und die dazu gehörige Datumsangabe, reift die Einsicht, dass diese Waren schon seit mehreren Jahren angeboten werden. Bento, warum hat da keiner aufgepasst? Weiterhin erfolgt die Information, dass Real nur bedingt dafür verantwortlich ist.

Denn real.de funktioniert ähnlich wie Amazon und eBay. Auch andere Händler dürfen auf der Plattform ihre Produkte anbieten. Die Handelspartner verschicken die Artikel dann direkt an die Käufer. Erst im Februar hatte sich real dafür mit dem Online-Marktplatz hitmeister.de zusammengetan. Soll heißen: Externe Händler bieten die Nazi-Fanartikel an – und nutzen große Plattformen wie real und Amazon für mehr Reichweite.

 Wirklich ärgerlich, dass Real kaum ein Vorwurf zu machen ist. Glücklicherweise distanzierte sich das Unternehmen trotzdem schnellstmöglich von diesen besorgniserregenden Umständen.

Begonnen hatte alles mit dem „Afrikakorps Tropenhelm mit Brille“. Real hatte den olivgrünen Soldatenhelm bis Sonntagabend für 29,90 Euro im Onlineshop angeboten. Er war verziert mit einem Reichsadler und einem Wappen in den alten Reichsfarben schwarz-weiß-rot. Nur das Hakenkreuz fehlte. Das Afrikakorps war eine Nazi-Einheit, die in Tunesien, Libyen und Ägypten gegen dortige britische Truppen kämpfte. Rechtsextreme feiern das Afrikakorps noch immer, mit den Uniformen identifizieren sie sich.

 Neben vermeintlichem „Nazi-Sprech“ reicht heutzutage schon ein schlecht gestalteter und verarbeiteter Gegenstand aus, um die „Nazi-Alarmglocken“ schrillen zu lassen. Nur eine Frage, liebe Bento-Autoren: „Wen feiern denn die Linksextremisten bzw. mit wem identifizieren diese sich?“ Natürlich durfte in der ganzen Sache auch ein „Grünen-Politiker*_X“ aus der hinterletzten Reihe (Gemeinderat) nicht fehlen. Neben der Rettung des Weltklimas und dem Rächen der Blumen, Bienen und Schmetterlinge muss auch der „nazi-freie“ Konsum ermöglicht werden. Nun tritt aber auch leider Ernüchterung bei den Autoren ein.

Verboten sind viele der Artikel nicht – die Verkäufer umschiffen die Rechtslage.

Laut den Paragrafen 86 und 86a StGB sind das Tragen und Zeigen von Symbolen des Nationalsozialismus verboten. Dazu zählt das Hakenkreuz und die SS-Rune, aber auch „Uniformstücke“ – also Teile der Uniform, die auf das Nazi-Reich schließen lassen. Was nicht verboten ist: Die Stücke privat zu sammeln. Der Verfassungsschutz macht zudem klar, dass es sich bei der Wehrmacht nicht um eine „nationalsozialistische Organisation“ handelt. Der Hintergrund: Die Armee gab es als Reichswehr bereits vor der Machtergreifung Hitlers. Somit ist sie zwar Teil des Nazi-Reiches, wird aber von einigen gleichzeitig losgelöst betrachtet. Die Fanartikel umgehen die Verbote geschickt: Sie nutzen die Farben der Wehrmacht und die Symbolik der Nazi-Zeit – ohne genau die verbotenen Zeichen zu verwenden.

 Was erlauben, Strunz? Halten sich diese Nazis doch glatt an Recht und Gesetz und dann ist die Wehrmacht nicht mal eine „NS-Organisation“. Reine Anarchie! Trotzdem nicht verzagen, SPIEGEL Bento. Weiterhin Waidmannsheil! War das jetzt eigentlich „Nazi-Sprech“?

Wandere aus, solange es noch geht!
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