AfD: Schnittchen für die Flittchen?

Foto: Imago
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Der Einzug der AfD in den Bundestag war so etwas wie der letzte Funken Hoffnung für all diejenigen, die nicht mehr mit ansehen wollten, wie dieses einstmals stolze Land von den etablierten Politikern mutwillig in den Abgrund gerissen wird.

Von Thomas Böhm

Doch nun sieht es so aus, als ob gewisse Kräfte in der AfD-Bundestagsfraktion walten, die die eigenen Wähler vor den Kopf stoßen möchten, um ungehindert mit großen Schritten in Richtung Establishment zu marschieren. Eitelkeit, Größenwahn und Arroganz gepaart mit politischer Dummheit mögen hier als Antrieb geltend gemacht werden. Die Parallelgesellschaft im Bundestag kann so manch einen vollkommen verschlucken, so dass er den eigentlichen Auftrag ganz schnell aus den Augen verliert – und einige AfD-Politiker scheinen charakterlich zu schwach zu sein, um sich erfolgreich gegen diese Verführung zu wehren.

Jüngstes Beispiel für diese doch recht schnell erkennbare Fehlentwicklung ist der „Schnittchen-Skandal“. Die „Bild“ vermeldet:

Aufruhr in der AfD-Bundestagsfraktion!

BILD liegt ein brisanter Antrag des Baden-Württemberger Abgeordneten Thomas Seitz vor, in dem Fraktionsgeschäftsführer Hans-Joachim Berg (früher CDU) und Verwaltungsleiter Philip Runge Chaos und Unfähigkeit vorgeworfen werden.

Beide sollen deshalb ihre Posten räumen!

Die Liste der Vorwürfe, hinter denen bis zu 20 Abgeordnete stecken sollen, ist lang!

So stelle das „Catering während der Fraktionssitzungen“ ein „schwelendes Problem“ dar: „Hier sind bereits Rechnungen in der Größenordnung von mehreren 10 000 Euro aufgelaufen, obwohl zumindest unklar ist, ob diese Kosten von der Fraktion getragen werden dürfen“, klagt Seitz, der selbst Jurist ist und zum rechten Flügel der Partei zählt.

Ein Argument à la „Bei der CDU wurde das immer so gemacht“ überzeuge ihn nicht, schreibt der Abgeordnete – eine Breitseite gegen Ex-CDU-Kollegen Berg.

Das Schnittchen-Verhalten entspreche nicht dem Anspruch der AfD…

Sicherlich hat Thomas Seitz Recht, denn das, was da aufgetischt wurde, ist nichts anderes als sinnvoll verschwendetes Steuergeld, ein Vorwurf, den die AfD nicht selten den etablierten Parteien gemacht hat.

Noch dämlicher aber ist es, wenn solche Informationen ausgerechnet der Zeitung zugeschoben werden, die vor dem Wahlkampf und während des Wahlkampfes den Auftrag von ganz oben erhalten hat, die AfD so klein zu schreiben, wie nur möglich und die jetzt dafür sorgen muss, dass die AfD so schnell wie möglich wieder aus dem Bundestag „entsorgt“ wird.

Manch ein AfD-Politiker im Bundestag scheint auch aus schwerem Schaden nicht klug zu werden und wird der Linkenpresse mit Sicherheit auch weiterhin auf den Leim gehen – so viel Selbstzerstörungswillen ist einigen Neu-Politikern in der Fraktion durchaus zuzutrauen. Denn genüsslich werden solche Dinge von der Mainstreampresse ausgeschlachtet, wobei man in diesem Fall sogar Verständnis haben muss. Denn die Schnittchen wären bei der Berliner Tafel besser aufgehoben gewesen, als im Rachen der „Den-Hals-nicht-voll-kriegen-Wollenden“.

Am schlimmsten aber ist das Bild, das diese Fraktion in der Öffentlichkeit abgibt. Hier geht es – wie bei den anderen verhassten Parteien eben auch – fast ausschließlich nur noch um Posten-Geschacher, Intrigen und eitlen Konkurrenzkampf. Mit Politik zugunsten des verzweifelten Wählers hat das nichts mehr zu tun.

Wenn die AfD nicht so schnell wie möglich wieder runter vom Thron kommt, die abgehobene, sich im Kreis drehende Fraktion sich nicht endlich am Riemen reißt und die gewählten Abgeordneten nicht mal anfangen, Politik zu machen, war’s das mit der AfD –  spätestens in fünf Jahren, denn dann werden sich auch die letzten tapferen Fans, die Unterstützer, die Wähler und die Mitglieder an der Basis mit Widerwillen von ihrer einzigen, aber mittlerweile bundestags-degenerierten Hoffnung abwenden.

Übrigens: Eine Presseanfrage von heute morgen zu diesem Thema wurde bislang nicht beantwortet. Wahrscheinlich hocken die Verantwortlichen mit ihren neuen Lieblingen von der taz irgendwo in einem schicken Café zusammen.

 

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