Einfach nur krank

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Gefängniszelle (Bild: pxhere.com)

Es ist schon erstaunlich, dass im Lande Stolpe 4.0, also in Brandenburg, der durchschnittliche Landesbeamte neben seinem Jahresurlaub noch eine weitere interessante Zuwendung bekommt. Quasi als Ausgleich für die bundesweit zweitschlechteste Entlohnung.

Von Schlaglicht

So bekommen die Justizangestellten zu den bezahlten durchschnittlich 30 Urlaubstagen weitere 55, und zwar voll bezahlte Krankentage. Umgerechnet auf  die 253 Arbeitstage im Jahr 2016 heißt das: Der Schließer fehlt an jedem dritten Tag. Oder der Justizvollzugsbeamte bedankt sich bei seinem roten Dienstherren durch Abwesenheit. Klar, dass man in dieser finanzierenden freien Wirtschaft nicht allzu lange auf seine Kündigung warten muss. Nicht so in Stefan Ludwigs Reich der linken Resozialisierung. Hier  beginnt sogar das jüngste Entwicklungskonzept für den brandenburgischen Vollzug mit Zitaten aus den Resozialisierungsideen des Arbeiterführers Karl Liebknecht. Wie schön wohlfeile Worte klingen, die Realität hinter Gittern sieht dann doch etwas anders aus. Aber das war immer das Problem linker Gesellschaftsutopien.

Da beklagt sich schon mal ein Hauptpersonalrat, Marc Gernert etwa, über das „gnadenlose Wegsparen von Personal, die hoffnungslose Überlastung der noch Verbliebenen“, der wenn nicht im Urlaub oder in Krankheit real existierenden Resozialisierungsfachkräfte. Zu wenige gäbe es, zu viel Arbeit und bei manchen Einsitzenden,  wie dem Mehrfachmörder Frank Schmökel, bis auf die Chemiekeule keine wirkliche Aussicht auf Resozialisierung. Trotzdem sitzen die hier. Es sei vielmehr die Frage, wann der bei diesen Bedingungen wieder flitze und morde,“ so der Personalrat.

Dabei ist es nicht die rechnerische Variante aller 1552 Haftplätze im Land, die in allen fünf runderneuerten Anstalten einen tollen Belegungsgrad von 82,8 Prozent mathematisch nahe legt. Der Teufel steckt im Detail. In Stadt Brandenburgs Großknast, einst belegt mit knapp 2000 Insassen zu DDR-Zeiten, wandelt man heute zwischen behindertengerechten, barrierefreien Sanitäreinrichtungen, Wohngruppen, Fernsehzimmern und Fitnessabteilungen wie in einem staatlich geförderten Vier-Sterne-Hotel ohne Einzelzimmerzuschlag. Barrierefreier Knast – die Wunschvorstellung eines jeden Kriminellen mit Kreuzschmerzen.

Für den rechtspolitischen Sprecher der Brandenburger AfD, Thomas Jung, kaum zu glauben: „Strafe soll doch abschrecken. Für so manchen Südosteuropäer ist das hier dagegen eher ein Sanatorium mit interessanten Sozialkontakten ähnlich Interessierter für die spätere, weitere Laufbahn. Wenn Resozialisierung neuerdings heißt, dass die Herren Diebe und Einbrecher nach dem Kurzaufenthalt so schnell wie möglich wieder in ihren alten „Job“ kommen, dann ist Brandenburg auf dem richtigen Weg. Der Bürger muss sich doch verarscht vorkommen.“

So wird der geschlossene Vollzug nach dem jüngsten Papier des roten Ministers dem Offenen angeglichen. Eines Tages wird man sich fragen, ob es in einem solchen Land überhaupt noch Sinn macht, Verbrecher zu verurteilen. Da kann man nur eines machen. Kopf in den Sand oder sich, wie die Vollzugsbediensteten, einfach nur krank melden. Das System ist erkrankt, erkrankt an weltferner linker Utopie der Gutmenschen. Erschreckend gesund dagegen sind die Hochschulkräfte im Land. Die verzeichnen nur 9,5 Krankheitstage im Jahr an der Uni Potsdam etwa. Vor allem bei Sozialpädagogen und Juristen. Aber das kann sich ändern.

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