„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, oder: Der Goldene Reichsschmiergriffel für den Süddeutschen Beobachter!

Max Erdinger Foto: JouWatch

Für „Süddeutsche Zeitung“ sind etliche Synonyme im Umlauf. „Alpen-Prawda“ oder „Prantl-Prawda“  berücksichtigen dabei mehr das internationalsozialistische Element, „Süddeutscher Beobachter“ eher das nationalsozialistische. Auf das sozialistische beziehen sich alle drei. Henryk M. Broder hat, glaube ich, als Erster das „Zeitung“ hinter „Süddeutsche“ durch „Beobachter“ ersetzt. Das hat er richtig gemacht. Eine Medienkritik.

von Max Erdinger

Die Leser der Süddeutschen sind offensichtlich – anders als Jouwatch-Leser – unfähig, aufgrund eigenständiger Überlegung zu Lösungen für banale Alltagsfragen zu kommen. Indiz: Bei Jouwatch gibt es die Rubrik Familienberatung nicht. Beim Süddeutschen Beobachter schon.

Jetzt aber mal weg vom Leser und hin zum Beobachter. Aus dem malerischen Starnberg in Oberbayern, wo man aufgrund erhöhten Wohlstandes dazu tendiert, sich bei Tesla ein pfundiges Gewissen zu kaufen, erreichte die Redaktion der Familienberatung des Beobachters folgender Hilferuf von Walburga Hinterleitner … Entschuldigung – von Vanessa S.:

Mein 13-jähriger Sohn hat sich mit einem Jungen aus seiner Klasse angefreundet, den wir nett finden. Als wir aber vor kurzem bei dessen Eltern zum Abendessen eingeladen waren, sind wir erschrocken: Ihre politische Einstellung ist nahe an der AfD. Wir wollen mit diesen Eltern darum nichts mehr zu tun haben. Wie können wir das unserem Sohn erklären? Vanessa S., Starnberg

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Beim Beobachter sitzen drei Familienfragenbeantworter in der Redaktion, das sog. Familientrio. Zwei davon sind weiblichen Geschlechts. Wir fragen trotzdem lieber alle drei nichts. Weil hier nämlich steht, was sie jener Vanessa S. geantwortet haben, die ein Problem damit hat, ihrem 13-jährigen Sohn zu erklären, warum sie mit den AfD-nahen Eltern seines Freundes nichts zu tun haben will. Wer auf solche Fragen antwortet, den fragt man besser nichts. Nicht auszudenken, Vanessa S. hätte wissen wollen, wie sie ihrem Sohn erklären soll, daß er heuer schon ein ganzes Jahr älter ist als vor zwölf Monaten. Ein ganzes Familienorchester wäre nötig.

Als erste berät die Schrifstellerin Kirsten Fuchs. Sie ist Verfasserin von Kurzgeschichten und Romanen, hat aber aber neben Theaterstücken auch Kinder- und Jugendbücher geschrieben. 2016 erhielt sie den Jugendliteraturpreis für ihr Buch „Mädchenmeute“.

Kirsten Fuchs: „Ich würde es ihm erklären, er ist 13 Jahre, da kann er komplexe Sachverhalte verstehen.

Kirsten Fuchs erklärt hier die Tatsache, daß jemand andere Personen nicht mag und das einer dritten Person erklären will, zu einem komplexen Sachverhalt. Damit wären schon einmal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens wurde Vanessa S. der Bauch gepinselt. Sie hat keine dumme, sondern eine komplexe Frage. Und zweitens brauchen komplexe Fragen Antworten von Experten. Auf Deutsch: „Ihre dumme Frage ist komplex und weil ich sie beantworte, bin ich Experte“. Was meint also die Expertin Fuchs weiter? – Das hier meint sie: „Es ist wichtig, gerade in dieser Frage klar Stellung zu beziehen. Intoleranz tolerieren muss man als toleranter Mensch eben nicht! Die Regeln der Demokratie müssen stehen, sonst fängt alles an zu wackeln.

Ja klar. Der tolerante Mensch erklärt die Gegner seiner umstrittenen Weltsicht einfach für intolerant – und schon braucht er sie nicht mehr zu tolerieren. So hat das bei den Nazis auch funktioniert: „Wie sage ich meinem dreizehnjährigen Sohn, daß ich mit den Eltern seines jüdischen Freundes nichts zu tun haben will? Die Regeln der Diktatur müssen stehen, sonst fängt alles an zu wackeln.“ So wäre das damals im Süddeutschen Beobachter gestanden, wenn man „AfD“ gegen „Jude“ austauscht.

In den Regeln der Demokratie steht, daß man andere Sichtweisen zu akzeptieren und sich argumentativ damit auseinanderzusetzen hat. Nicht in den Regel der Demokratie steht, daß man andere Demokraten selbstgerecht mit Etiketten bekleben soll. Ergo: Der Tolerante, der es dennoch tut, ist ein systematischer Nazi. Familienberatung beim Süddeutschen Beobachter: „Wie werde ich Nazi und bleibe anständig dabei?“

Die Beratungsexpertin Fuchs weiter: „Reden sie mit ihm über Menschlichkeit, bevor er seine Informationen von wo anders bezieht. Ich bin mir fast sicher, dass die anderen Eltern nicht zimperlich sind, ihren Sohn in ihre Weltsicht reinzuziehen.“

Eltern, die ihre Kinder in ihre Weltsicht „reinziehen“. Klingt schwer nach Sumpf, dieses ganze AfD-Familienübel. Vanessa S. zieht ihren Sohn vermutlich nicht in ihre Weltsicht rein, sondern sie erzieht ihn. Das sind so Beratungen, mein lieber Mann.

Kirsten Fuchs: „Humanismus ist keine schwache Haltung.“

Doch, Humanismus ist eine schwache Haltung denjenigen gegenüber, denen jeglicher Humanismus am Allerwertesten vorbeigeht. Das müsste nur dann kein Problem sein, wenn man endlich einsehen wollte, daß sich die schwache Gesellschaft der Humanisten als solche nur mit und für Humanisten erhalten läßt und daß man sie deswegen gegen Einflüsse ausgewiesener Humanismusfeinde stark schützen muß.

Die Expertin: „Dafür ist viel gekämpft worden. Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Demokratie, Toleranz, Hilfsbereitschaft- das sind so großartige Dinge.“

Die Religionsfreiheit stammt aus einer Zeit, in der es in Deutschland keinen Islam gegeben hat. „Religion ist Religion“ ist ungefähr so schwachsinnig wie „Motor ist Motor“. Wer heute schwer krank ist, dem nützt außerdem ein fünf Jahre altes Gesundheitszeugnis auch nichts. Pressefreiheit? – Ja, wäre auch schön. Dumm ist halt, daß die Presse ihre Freiheit inzwischen begreift als das Recht, einer gesetzbrecherischen Regierung nach dem Maul zu reden und weitgehend kommentarlos dabei zuzusehen, wie die Pressefreiheit von Online-Magazinen per Shadowban und anderen digitalen Tricksereien sabotiert wird. Demokratie? – Tolle Idee! Wo? – Demokraten? Wo? – Toleranz? Die Toleranz ist heute das, was beim Wolf früher der Schafspelz gewesen ist. Und die Hilfsbereitschaft? – In Deutschland sind zwanzig Leute über einen Sterbenden vor den Geldautomaten hinweggestiegen, ohne zu helfen. Keine dieser Personen war AfD-Mitglied. Das wüssten wir nämlich ganz genau. Der Süddeutsche Beobachter hätte es riesengroß gebracht.

Der nächste Experte heißt Jesper Juul. Der zweifache Großvater ist Familientherapeut in Dänemark und Verfasser des Bestsellers „Dein kompetentes Kind“. Er antwortet Vanessa S. wie folgt: „Wenn die Eltern zustimmen, kritisieren Sie sie nicht für Ihre Wahl. Danken Sie ihnen einfach, dass sie bereit sind, mit Ihnen offen zu reden. Die beiden Jungen sollten bei dem Gespräch dabei sein. Wenn Sie dieses Risiko nicht eingehen wollen, sagen Sie das ihrem Sohn und fragen Sie ihn, ob er Ideen hat, wie er die Freundschaft erhalten kann, ohne dass die Eltern sich mehr als nötig begegnen„.

Auf Deutsch: Sich mit anderen, AfD-nahen Eltern zu unterhalten, könnte riskant sein. Die Nazis hätten gesagt: Vorsicht vor dem Juden. Er könnte ein Risiko bedeuten. Fragen Sie Ihren Sohn, wie er sich seine Freundschaft mit dem Judenbengel vorstellt, ohne daß Sie dabei in Kontakt mit dessen Eltern kommen müssen.

Die Dritte im beratenden Familientrio ist Collien Ulmen-Fernandes. Die Schauspielerin und Moderatorin ist Mutter einer Tochter und hat Texte zum Thema Elternsein veröffentlicht. Ihr Buch „Ich bin dann mal Mama“ erschien 2014.

Ihre Antwort auf die komplexe Frage von Vanessa S. aus Starnberg: „Gehen Sie hin. Versuchen Sie’s. In der Bestsellerliste ist ja gerade ein „Leitfaden“, der ihnen, ähnlich wie ein mediterranes Kochrezept für den Abend, empfiehlt, wie Sie mit „Rechten reden“ sollen. Sie könnten als Super-Staatsbürger-Eltern auf die Zähne beißen und weiterhin bei den Reaktionären zu Abend essen. Als Entsandter des guten Deutschlands. Bei Rotwein und Rouladen sich wie Lanz oder Plasberg fühlen, mit „denen“ reden, diskutieren, argumentieren. Sie und die AfD-Eltern könnten gemeinsam in einer Vierertanzgruppe die aktuelle politische Lage tanzen: Es geht ein Riss durch Deutschland; haben wir den Kontakt zu dem-und-dem verloren? Wir müssen wieder mehr miteinander reden; nur wie geht das eigentlich? Oder Sie halten es anders und erklären Ihrem Sohn: Leute, die in einem der reichsten Länder der Erde sitzen und all ihr Engagement darauf fokussieren, über die Ärmsten herzuziehen, mit denen wollen wir nicht an einem Tisch sitzen.

Der beratungsexpertöse Tipp von Collien als Konzentrat: „AfD-nahe Eltern sind Reaktionäre.“

Kleiner Ausflug in die Geschichte, Collien: Als Reaktionäre bezeichnete man ursprünglich Leute, welche sich für die Rückkehr zu vorrevolutionären Zuständen einsetzten. Und zwar in Frankreich nach 1789. In Starnberg 2017 gibt es allenfalls ein paar Königstreue, die Ludwig den Zweiten zurückhaben wollen. Der ist erst 1886 ertrunken. Und AfD-Eltern würden sich zumeist schon mit der Rückkehr von Franz Josef Strauß zufrieden geben, dem letzten bayerischen König von der CSU. Die Königstochter war übrigens einmal bayerische Kultusministerin. Noch gar nicht so lange her. Hätten bayerische Eltern ihre Kinder vor ein paar Jahren lieber nicht in die reaktionäre Schule schicken sollen, Collien?

Und jetzt noch etwas zu den Tischen in einem der reichsten Länder der Erde. Man nennt sie auch Tafeln. Dort speisen die Ärmsten in einem der reichsten Länder der Erde. Zuhause wurde ihnen oft schon der Strom und das Wasser gesperrt. Und allerweil müssen sie sich bei diesen Tafeln von Leuten, die immerhin einen Schleuser bezahlen konnten, um illegal in eines der reichsten Länder der Erde zu kommen, viel von ihrer Speisung wegschnabulieren lassen. Obdachlose müssen in einem der reichsten Länder der Erde für einen warmen Übernachtungsplatz zahlen und deutsche Rentner müssen im Müll nach Pfandflaschen suchen, während für die Armutsinvasoren aus anderen Weltgegenden Reihenhäuser aus dem Boden gestampft werden, die sie kostenlos beziehen können. Einer armen Rentnerin, die nicht einmal einen Fernseher besitzt, wurde die GEZ-Gebühr gepfändet.

Wer das ignoriert, Collien, mit dem möchte ich in einem der reichsten Länder der Erde nicht an einem Tisch sitzen! Die Arier sind heutzutage bloß ein bißchen dunkler als früher, Collien. Seine Schutzherren sind heute eben rotgrün-links statt braun-links wie früher. Und der Beobachter heißt heute bloß „süddeutsch“ und nicht mehr „völkisch“. Das ist alles.

 

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