Ohne Facebook?

(Bild: JouWatch)
Facebook is watching you (Bild: JouWatch)

Facebook hat mir mal ganz gut gefallen. Es hat Spaß gemacht. Doch irgendwann war er vorbei. Vor knapp drei Jahren habe ich meinen Account gelöscht. War so einfach wie befreiend

Von Volker Kleinophorst

Wollen sie Ihren Account wirklich löschen? Nichts scheint einen Algorithmus mehr zu belasten, als wenn man keinen Bock mehr auf ihn hat. Deshalb hält Facebook dir sogar noch eine Hintertür auf. 14 Tage gibt es ein Rückfahrticket. Falls du den Account in einem kleinen Wutanfall in die Tonnen gekloppt hast, oder so.

Das einzige, was mir beim Abschied von FB leid tut. Ich ging grußlos. Insofern doch spontan. Aber ne Tschüss-Rundmail wär schon nett gewesen, so haben bestimmt alle gedacht ich hätte sie entfreundet. Das tut mir leid. Denn meine FB-Freunde waren schon OK. An denen lag es nicht.

Spontan war der Entschluss wirklich. Ich hatte in einem Posting von Pro Asyl über einen Senegalesen, der hier kein Asyl bekam, obwohl wir den ja ultranötig brauchten, gepostet: Im Senegal braucht den niemand?

Da stürzte eine kleingeistige Meute, offensichtlich orchestriert, über mich her. Als dann eine Frau hysterisierte: „Der hat ja Urlaubsbilder aus Thailand, ist bestimmt so ein Kinderficker“, ging mir wirklich der Hut hoch. Was für ein widerlicher dummer Pöbel. Was soll ich da meine Zeit verschwenden.

Das war ja mal anders. Als ich anfing mit Facebook, habe ich viele alte Freunde gefunden, die man eben so im Laufe des Lebens aus den Augen verloren hat. Das war manchmal ganz schön, manchmal allerdings auch traurig.

Life´s a bitch.

Aber da hat man sich manchmal des Nachts geschrieben, Bilder ausgetauscht, in anderen Ecken auch mal echt diskutiert. Nicht so wie jetzt, sondern als Diskurs. Aber je bedeutender FB wurde, um so mehr entdeckten es Parteien, Interessengruppen aller Art, Werbung und eben solche Spinner wie Antifa, Pro Asyl für sich und ihre medialen Erregungskampagnen die Shitstorms.

Es wurde langweilig, die Diskussionen immer pöbelhafter und postfaktischer (also wissensärmer). Ein Freund von mir, der hier in der Nähe wohnt, zu dem ich also eh eher persönlichen Kontakt pflege, setzte den Trend. Er hatte sich schon ein Jahr vor mir abgemeldet: „Zu viel Werbung, zu viel dummes Gelaber.“

Damals fand ich das kühn, dachte, ich kann das nicht. Ich bin FB auch nicht undankbar. Was online funktioniert und was nicht, habe ich da jedenfalls das erste Mal in voller Breite ausprobiert.

Manchmal gab es durchaus auch Einblicke in die Realität eines anderen Landes. Ein Mexikaner, mit dem ich 1971 in England in einem Sprachcollege das Zimmer geteilt habe, war Schönheitschirurg geworden. Er arbeitet aber lieber in der Verwaltung und behielt seinen Beruf für sich. „In Mexiko kommst du als Schönheitschirurg an den Kartellen nicht vorbei. Die verändern gerne mal ihr Gesicht. Zeugen brauchen die nicht.“

Ich müsste lügen, wenn ich behaupte, am Anfang der Abstinenz hat es mir nicht gefehlt. Ich musste mich daran gewöhnen, meinen Medienkonsum wieder neu organisieren, meine Freunde auch, denn ich hatte meinen Kommunikationsstrom voll dorthin kanalisiert.

Nach zwei Monaten fand ich es befreiend. Zurück war keine Frage mehr. Wenn ich heute lese, Facebook, Twitter, die haben mich wieder gesperrt, wegen diesem und jenem, fühl ich mich bestätigt. Ich wurde übrigens nie gesperrt, weil schreiben unter Zensur habe ich bei FB auch gelernt.

Doch dieser Schritt hat mir die Augen geöffnet: Brauche ich twitter, hootsuite, xeeme, linkedin, empire…? Ich hab mich nahezu überall abgemeldet. Braucht kein Schwein.

Als nächstes habe ich die Rezeption der Mainstreammedien total zurückgefahren. Nur noch als schlechtes Beispiel sozusagen. Tut so gut.

Und mit der DVBT2-Umstellung und dem Versuch mir jetzt auch noch Gebühren für die Privaten aufzudrücken, war mein „Und Tschüss“ schon deutlich routinierter, obwohl ich immer „Mike Molto die Fernsehmaus“ war. In meinem Büro lief das TV rund um die Uhr. Jetzt läuft Musik. Viel besser.

Natürlich kann ich auch über den Computer fernsehen. Lineares TV gab es aber seitdem eigentlich nur noch beim Fußball.

Und auch da ist der Konsum rückläufig, seit für die „Deutsche Fußballnationalmannschaft“ die „Mannschaft mit der Raute“ aufläuft.

Was besonders auffällt, ich rege mich weniger auf und esse weniger. Wenn man nicht abends Werbeblock für Werbeblock daran erinnert wird, man könnte doch mal zum Kühlschrank gehen, legt sich diese abendliche Futtersucht. Werbung wirkt, die Abwesenheit derselben allerdings auch.

Die Fernsehmaus ist ausgestiegen.

I´m free

PS: Ich kann verstehen, dass Menschen Facebook nutzen, sich Firmen davon mehr Reichweite erhoffen und Journalisten mehr Aufmerksamkeit. Das diese Firma (Firmen) etwas für uns tut, ist dennoch naiv. Wir bezahlen die mit unseren Daten, unserer Durchsichtigkeit. Die brauchen uns mehr, als wir die.

Wie sich Facebook zur Meinungsfreiheit stellt, hat mich übrigens nicht überrascht.

Wandere aus, solange es noch geht!
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