Eritrea: Als Tourist in Asmara 2017 – dem „kleinen Italien“ von Afrika

Eritrea: 2017 als Tourist in Asmara - dem "kleinen Italien" von Afrika, Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Eritrea: 2017 als Tourist in Asmara - dem "kleinen Italien" von Afrika, Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Rund 19.000 Asylsuchende aus Eritrea wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gezählt. In diesem Jahr beantragten weitere 8.8865 Menschen aus dem ostafrikanischen Land Asyl. Die Anerkennungsquote beträgt fast 82 Prozent. Der Abenteurer Christian Lindgren aus Norwegen, dessen zahlreiche Reiseberichte aus dem „Kriegsland“ Syrien bei jouwatch veröffentlicht wurden, wollte sich selbst ein Bild machen. Anfang dieses Jahres war er in Eritrea und erhielt dort interessante Einblicke in den dortigen Alltag. Im Februar reiste er als Tourist in die Hauptstadt Asmara. Hier sein Bericht, der im Original zuerst auf seiner Webseite erschien.

Von Christian Lindgren
Übersetzung von Bianca Hoe

„Asmara ist die charmante Hauptstadt von Eritrea, die einen überrascht und beeindruckt. Tatsächlich erinnert sie eher an eine kleine Stadt in Italien statt an die Hauptstadt eines Landes, das zusammen mit Ländern wie Libyen, Nordkorea, Sudan und Somalia zu jenen gehören, die die Liste der schlimmsten Menschenrechtsverbrechen anführen.

1889 wurde Asmara zur Hauptstadt der italienischen Eritrea Kolonie ernannt und begann schnell zu wachsen. Es ist unmöglich, heute in den Straßen von Asmara herumzulaufen und kein altes, italienisches Gebäude zu sehen.

Die alte Oper der Hauptstadt ist jetzt ein Kaffeehaus und Internetcafé, Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Die alte Oper der Hauptstadt ist jetzt ein Kaffeehaus und Internetcafé, Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Heute ist Asmara die größte Stadt des Landes und Heimat von fast einer Million Menschen und liegt im eritreischen Hochland auf einer Höhe von 2.325 Metern.

Während die Tage warm und sonnig sind, können die Nächte die meiste Zeit des Jahres kühl und sogar bis unter Null Grad sein.

Asmara ist etwas Besonderes, wenn man die Stadt mit anderen Orte in Afrika vergleicht. Hier findet man keinen Abfall, der auf den Straßen herumliegt. Die Stadt ist sehr sauber und in der Nacht kann man wunderbar die Sterne sehen.

Es gibt nur eine Handvoll Autos in den Straßen, daher kann man einfach auf die Hauptstraße gehen und ein Foto von dem von Palmen gesäumten Boulevard machen, ohne von einem Auto angefahren zu werden. Wenn ein oder zwei Autos kommen, sind die Fahrer  so höflich und warten, so daß man seine Fotosession beenden kann.

Man kann problemlos auf der Hauptstraße stehen und ein Foto machen. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Man kann problemlos auf der Hauptstraße stehen und ein Foto machen. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Ich werde wahrscheinlich dafür kritisiert werden, aber Asmara ist eine sympathische Stadt und eine der charmantesten Städte, die ich je besucht habe, und weit entfernt von dem Menschenrechts-Albtraum, der es laut den öffentlich rechtlichen Medien sein sollte.

Die Sankt Josephs Kathedrale an der Hauptstraße von Asmara. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Die Sankt Josephs Kathedrale an der Hauptstraße von Asmara. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Und ja, man darf rund um die Uhr in Asmara spazieren gehen und für diesen Teil des Landes wird kein Touristenführer benötigt. Laut dem GPS-Tracker auf dem Handy bin ich während meines Besuchs 47,2 KM durch die Stadt gelaufen.

Ein typisches Taxi in Asmara. Niedlich, oder? Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Ein typisches Taxi in Asmara. Niedlich, oder? Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Ich begegnete keiner Polizei und hatte keinerlei Schwierigkeiten, auch hielt mich niemand davon ab, Fotos zu machen.

Die größte Enttäuschung beim Besuch von Asmara war, daß die besten Restaurants, die auf TripAdvisor gelistet sind, schon seit langem geschlossen sind. Auch die meisten der am besten bewertesten Läden auf Wikitravel sind seit Jahren geschlossen. Das zeugt von einem traurigen, veralteten Zustand der Reiseinformationen, die online verfügbar sind.

Auch wenn man in Asmara frei herumspazieren darf, benötigt man eine separate Erlaubnis, um auch außerhalb der Hauptstadt etwas unternehmen zu können, zum Beispiel wenn man den alten Panzer-Friedhof besuchen möchte. Die Genehmigungen sind sehr einfach und schnell zu bekommen.

Was hat die Hauptstadt einer Diktatur zu bieten?
Einige der besten Kaffeehäuser der Welt und eine Bar in jeder Straße.

Kleine Fiat-Autos fahren als Taxis durch die Straßen und der legendäre Volkswagen Käfer ist ein häufiges Auto, das man überall fahren sieht. Wenn man durch die Gassen geht, fühlt man sich aufgrund der Strukturen der Häuser wie in einem italienischen Viertel. Die Straßen haben auch italienische Namen wie „Bologna Straße“ und die Restaurants heißen „Milano“, „Napoli“ und „Dolce Vitta“.

Man kann Kaffee oder Bier in einem der Straßencafés geniessen. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Man kann Kaffee oder Bier in einem der Straßencafés geniessen. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

In Asmara findet man nicht viele berühmte Sehenswürdigkeiten, die bekannteste ist der alte Panzer-Friedhof und eine Fiat-Tankstelle aus dem Jahr 1939.

Der Panzerfriedhof ist vermutlich einer der bekannteren Orte in Eritrea. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Der Panzerfriedhof ist vermutlich einer der bekannteren Orte in Eritrea. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Das Fiat Tagliero Gebäude, eine futuristische Tankstelle aus dem Jahr 1939 von dem italienischen Designer Giuseppe Pettazzi. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Das Fiat Tagliero Gebäude, eine futuristische Tankstelle aus dem Jahr 1939 von dem italienischen Designer Giuseppe Pettazzi. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Überrascht fand ich eine Statue des berühmten russischen Schriftstellers Alexander Puschkin.

Eine Statue von Alexander Sergejewitsch Puschkin, russischer Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur, in Eritrea. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Eine Statue von Alexander Sergejewitsch Puschkin, russischer Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur, in Eritrea. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Viele der zahlreichen italienischen Kinos in der ganzen Stadt zeigen heutzutage an den Wochenenden englische Fußballspiele. Man kann aber auch eine Kirche oder Moschee besuchen, wie zum Beispiel die beliebte Sankt Josephs Kathedrale, das riesige Gebäude im romanisch-lombardischen Baustil am Hauptboulevard der Stadt. Ein Besuch ist zu empfehlen.

Mutige, die sich trauen, können auf das Dach des Nayla Hotels klettern, das höchste Gebäude im Land, um dort einen großartigen 360 ° Blick über die Stadt zu erhalten.

Die Aussicht aus der obersten Etage eines Hotels. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Die Aussicht aus der obersten Etage eines Hotels. Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Laut Wikitravel soll auf dem Dach des Nayla Hotels eine Bar sein, aber das war vor vielen Jahren. Die Bar ist seit Jahren geschlossen. Wenn man noch mehr Überblick bekommen möchte, geht man die Treppe bis zum neunten Stock hoch und hofft dabei, daß der Wachmann einen nicht erwischt. Er sah mich nur beim Gehen und fragte, was ich mache. Ich antwortete, daß ich nur nach der Bar suchte, um ein kaltes Bier zu genießen. Es schien ihm nicht besonders wichtig zu sein.

Wenn man das tägliche Leben von Asmara entdecken möchte, besucht man den lokalen Markt und schaut sich einen Radsport-Wettbewerb an, der Nationalsport des Landes. Das einzige, was in Asmara und Eritrea nicht wirklich vorhanden ist, ist Internet und WLAN.

Laut Google ist Eritrea das am wenigsten vernetzte Land der Welt, in dem nur 0,9 Prozent der Einwohner Zugang zum Internet haben. Das Internet in Eritrea ist so langsam, dass ich mich 10 Tage lang nicht bei Google Mail anmelden konnte. Ein Foto auf Facebook posten? Das konnte ich vergessen.

Wenn man in Asmara und Eritrea ist, sollte man daher sozial sein und nicht online, sondern wie im richtigen Leben versuchen, Kontakte zu knüpfen.

Weitere Informationen über Asmara

Wie kommt man nach Eritrea?
Die einzige Möglichkeit, Asmara zu erreichen, ist per Flugzeug zum internationalen Flughafen Asmara. Es gibt internationale Flüge von Kairo, Sudan, Dubai, Istanbul und Mailand.

Asmara verlassen?
Der einfachste Weg, um Asmara zu erkunden, ist zu Fuß; die Stadt ist fast flach und man kann leicht laufen. Rote Mercedes-Benz-Busse fahre auf 10 Routen durch die Stadt, eine Fahrt kostet umgerechnet etwa 28 Cent. Die Busse werden extrem überfüllt.

Ausländer müssen eine Reiseerlaubnis beantragen, wenn sie Asmara verlassen möchten, um das Land zu erkunden. Leider ist es keine Genehmigung für ganz Eritrea, man benötigt eine separate Genehmigung für jeden Teil des Landes. Die Genehmigungen gibt es beim Büro des Ministeriums für Tourismus und Information gegenüber der St.-Josephs-Kathedrale.

Die Papiere werden nicht an Ort und Stelle vergeben und bei einigen Anfragen kann Tage, wenn nicht gar Wochen, dauern, bis man sie erhält. Wer also plant, Eritrea zu besuchen und auch außerhalb der Hauptstadt das Land erkunden möchte, sollte zuvor Kontakt mit einem der Reisebüros im Land aufnehmen, die dabei helfen, alle Genehmigungen zu klären, bevor man ankommt.

Ein weiteres Ärgernis ist, daß Ausländer den Nahverkehr außerhalb der Hauptstadt nicht nutzen dürfen. Also muss man einen Fahrer und einen Reiseführer mieten.

Geld?
Geld ist ein weites Feld in Eritrea. Es gibt keine Geldautomaten im Land. Man muß das Geld, das man braucht, mitbringen. USD ist die Währung, die gerne genommen und nach der gefragt wird, obwohl Nafka (ERN) die offzielle Währung ist.

Im Februar 2017 war der offizielle Wechselkurs 1 EUR = 17.97 Nafka (ERN). Es gibt Geldwechselstuben am Flughafen und auch in Hotels. Es gibt aber auch ein paar offizielle Geldwechsler am Hauptboulevard in Asmara. Es ist auch möglich illegal zu besseren Kursen Geld auf dem Markt zu wechseln, jedoch ist das gesetzlich verboten und wird hart bestraft.

Preise?
Ein Bier oder ein Erfrischungsgetränk im Supermarkt zu kaufen war viel teurer als der Kauf in einer Bar oder einem Restaurant. Ein lokales Asmara Bier kostet 1.11 EUR in einer Bar oder einem Restaurant, kostet aber 1.95 – 2.23 EUR in einem Supermarkt. Ebenso kostet ein Softdrink 0.5 – 0.67 EUR in der Bar/ Restaurant, aber 2.23 – 2.78 EUR im Supermarkt.

Wie in Italien ist das geläufigste Essen in Eritrea Pizza und Pasta, was wohl immer noch ein bisschen durch den italienischen Einfluss kommt. Eine Spaghetti Bolognese kostet 5.57 – 11.13 EUR und eine Pizza 7.79 – 16.70 EUR.

Übernachtungsmöglichkeiten?
Es gibt KEINE Jugendherbergen in Eritrea aber dafür viele Hotels. Das billigste Hotelzimmer kostet etwa 60 EURO pro Nacht, beinhaltet aber dann auch Frühstück. Man sollte nicht davon ausgehen, daß eine Online-Buchung das Hotel auch erreicht hat.

Sicherheit?
Ich fühlte mich die ganze Zeit in Asmara und Eritrea zu 100 Prozent sicher. Es gab nicht einen Streit mit den Einheimischen. Es gab ein paar Bettler, aber sie waren nicht aggressiv. Man muß vorsichtig sein, was man den Einheimischen über die Regierung erzählt, da Polizisten in Zivilkleidung unterwegs sind, aber davon habe ich nichts bemerkt.“

Alles, was man wissen muß, wenn man Asmara, die Hauptstadt von Eritrea besuchen möchte, Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com
Alles, was man wissen muß, wenn man Asmara, die Hauptstadt von Eritrea besuchen möchte, Foto: Christian Lindgren unusualtraveler.com

Mehr Bilder und Informationen finden Sie auf: http://unusualtraveler.com/asmara-a-bit-of-italy-in-africa/

 

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