Breitscheitplatz: Opferfamilien werfen Merkel Versagen vor

Foto: Durch hanohiki/Shutterstock
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Die Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz erheben schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzlerin Merkel. Sie beklagen, wie bereits kurz nach dem Anschlag an den damaligen Bundespräsidenten adressiert, die fehlende Anteilnahme und Unterstützung durch die Bundesregierung.

Zwölf Hinterbliebene des islamischen Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheid-Platz vor einem Jahr erheben in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen Angela Merkel. Laut dem Spiegel werfen Sie der Bundeskanzlerin Versagen und fehlende Anteilnahme vor.

„Es ist eine Frage des Respekts“

Die Kanzlerin habe den Angehörigen auch nach fast einem Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert. „Wir sind der Auffassung, dass sie damit ihrem Amt nicht gerecht werden“, heißt es in dem Brief weiter. „Es ist eine Frage des Respekts, des Anstands und eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass Sie als Regierungschefin im Namen der Bundesregierung unseren Familien gegenüber den Verlust eines Familienangehörigen durch einen terroristischen Akt anerkennen.“

Ebenso ist die Rede ist von „mangelhafter Anti-Terror-Arbeit“, die alarmierend sei. Zudem sei eine finanzielle Entschädigung der Hinterbliebenen nur durch Spendenorganisationen, die durch den Opfer-Beauftragten Kurt Beck organisiert wurde, zu Stande gekommen.

Empathielosigkeit und der unglaublich respektloser Umgang mit den Hinterbliebenen

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Bereits kurz nach dem islamischen Anschlag vor einem Jahr wurden diese Vorwürfe laut, die ebenfalls die Empathielosigkeit und der unglaublich respektlose Umgang mit den Hinterbliebenen durch die politischen Verantwortlichen zum Thema hatten.

Vor einem Jahr bereits war das, was die Hinterbliebenen zusätzlich zu ihrem unsagbaren Verlustschmerz zu ertragen hatten, nicht weniger als ein Skandal. Wie der Tagesspiegel berichtete, hatte sich Bundespräsident Joachim Gauck kurz vor dem Ende seiner ruhmlosen Amtszeit erbarmt und am Freitagnachmittag rund 50 Angehörige der Todesopfer im Schloss Bellevue empfangen, um ihnen dort – zwei Monate nach der Ermordung ihrer Liebsten- so etwas wie Anteilnahme auszusprechen. Ebenfalls anwesend: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), einer jener Politiker, der durch das Mittragen einer verantwortungslosen Politik, Schuld am Tod dieser Menschen auf sich geladen hat.

Gauck und hochkarätige nahmen Angehörigen die Plätze beim Trauergottesdienst weg

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Nach Ende der initiierten Betrauerung berichteten Angehörige Gauck gegenüber, dass sie bis zu drei Tage in Berlin herumgeirrt seien und die Krankenhäuser nach ihren vermissten Angehörigen abklappern mussten, da das ermittelnde Bundeskriminalamt zunächst eine Nachrichtensperre verhängt habe und keinerlei Auskünfte erteilte.

Jene Angehörigen, die wussten, dass ein Familienmitglied ermordet wurde, seien am Tag nach dem islamischen Attentat von Sicherheitsleuten daran gehindert worden, am Trauergottesdienst in der Gedächtniskirche teilzunehmen. Die Begründung: In der Kirche säßen hochkarätige Politiker. Joachim Gauck, der ebenfalls als „hochkarätiger Politiker“ einen Platz in der Gedächtniskirche besetzte, anstatt diesen den tatsächlich Trauernden überlassen zu haben, entschuldigte sich. Das habe er nicht gewusst.

Als erstes kam ein Gebührenbescheid vom Gerichtsmediziner

Angehörige, die zunächst nichts von dem Attentat mitbekommen hatten, seinen von der Polizei auf höchst unsensible Art und Weise um die Abgabe von „aussagekräftigem DNA-Material“ angegangen worden. Gründe für die Abgabe wurden von den Beamten nicht benannt. Eine Antwort auf Rückfragen sei gewesen: „Wer jetzt nicht wisse, worum es gehe, sei selbst schuld“, so der Tagesspiegel.

Reibungslos indes verlief das Verschicken von Rechnungen an die Hinterbliebenen. Das Erste, was Angehörige vom Land Berlin erhalten hätten, sei ein Brief gewesen. Darin nicht etwa ein Kondolenzschreiben des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), sondern eine Rechnung der Gerichtsmedizin mit der Aufforderung, innerhalb der gesetzten Frist zu zahlen; ansonsten werde ein Inkassounternehmen das Geld eintreiben. (SB)

 

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