Wenn Qualitätsmedien mal wieder dpa-Fake-News übernehmen

Eine dpa-Meldung vom Wochenende über die angebliche Aussage des AfD-Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, Flüchtlinge, die in ihren unsicheren Heimatländer Urlaub machen, solche Menschen müssten wir selbstverständlich entsorgen  –  wurde vom Deutschen Presse Dienst dpa zur Verfügung gestellt, ungeprüft von führenden Medien übernommen und – mutmaßlich mehr als bereitwillig – von diesen verbreitet. So die Qualitätsmedien Focus-Online, FAZnet oder auch BR24, die just mit dieser Meldung am Wochenende aufwarteten. Von jouwatch wurden benannte Medien gebeten, darzustellen, weshalb sie in gerade in diesem Falle es nicht eilig haben, eine Fake-News als solche zu brandmarken.

Wie jouwatch bereits darstellte und über den Livemitschnitt (ab Min 17:23) von Petr Bystrons Rede auf dem Landesparteitag der bayerischen AfD in Greding am Samstag leicht vor der Veröffentlichung nachzuprüfen gewesen wäre: der Ex-Landesvorsitzende der Bayern-AfD hatte diesen Satz so nie gesagt. Die dezidierte Kritik des AfD-Bundestagsabgeordneten bezog sich auf das unsägliche Verhalten der Integrationsministerin Aydan Özoguz. Bystron unterstrich die Aussage des Parteikollegen Dr. Alexander Gauland und bekräftigte diese, in dem er ebenfalls feststellte, dass man solche Leute „selbstverständlich entsorgen“ müsse.

Ein mehr als eindeutiger Bezug auf Özoguz, den anscheinend nur der dpa-Reporter Klaus Tscharnke so nicht verstanden haben will, jedoch von der dpa genau so den übernehmenden Medien zur Verfügung gestellt wurde.

Qualitätsmedien berichtigen dpa-Fake-News äußert verhalten

Nachdem die dpa durch Bystron selbst darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der Darstellung des Gesagten um eine glatte – freundlich ausgedrückt –  Fehlinterpretation handelt, publizierte die Agentur am Sonntag eine aktualisierte Version.

Jouwatch wies am Montag bei einem Gespräch mit dem  dpa- Pressesprecher und Leiter der Konzernkommunikation darauf hin, dass allein das Online-Angebot der FAZ, die ebenfalls die dpa-Meldung samt falschem Bystron-Zitat – und das gut platziert in der Artikelüberschrift-  sich bislang bequemt habe, so etwas Ähnlichem wie einer „Richtigstellung“ zu veröffentlichen. Auf dem Onlineportal der Zeitung war ab Montag die Headline „Scheidender AfD-Landeschef hält Abschiedsrede im Gauland-Jargon“ zu lesen. Im aktualisierten FAZ-Artikel selbst wird Bystron nach wie vor das von der dpa ihm in den Mund gelegte Gesagte zugeschrieben. Verhalten im letzten Absatz des aktualisieren Artikels die Erwähnung, dass Bystron die Aussage nicht auf Flüchtlinge, sondern auf Frau Özoguz bezogen habe.

Die dpa veröffentlicht sodann zeitnah nach dem jouwatch-Hinweis am frühen Montagabend nochmals im dpa-Basisdienst eine berichtigte Fassung.

BR ändert klammheimlich falsche Überschrift ab

Ebenfalls wurde der Bayerische Rundfunk  (BR24) am Montag von jouwatch danach gefragt, wann dieser gedenke, eine journalistisch saubere Richtigstellung ihrer  Falschmeldung zu veröffentlichen. Der zugesagte Rückruf nach angekündigter Rücksprache beim vor Ort berichtenden BR24-Reporter Florian Haas blieb bis zur Veröffentlichung des Artikels aus.

Indes verharrte der BR nicht untätig und auch hier- allerdings ohne den Hinweis einer Aktualisierung oder Richtigstellung – wurde die Überschrift klammheimlich der Wahrheit angepasst. Ab dem späten Montagnachmittag hieß es nun auch hier: „ Bystron will Integrationsbeauftragte Özoguz „selbstverständlich entsorgen. Im aktuellen BR24-Link ist jedoch  immer noch die ursprüngliche, falsche Zitatzuschreibung zu lesen: „https://www.br.de/nachrichten/bystron-will-urlaubende-fluechtlinge-selbstverstaendlich-entsorgen100.html“

Allein der Focus wartet beharrlich mit der dpa-Fake-News vom Sonntag weiterhin in seinem Onlineangebot auf.

Die dpa, Deutschlands größter Nachrichtendienst mit mehr als 100 Auslandsvertretungen und zwölf Innlandsdiensten, fiel in der Vergangenheit bereits mehrfach durch Falschdarstellungen auf, wenn es um Berichterstattungen über die AfD ging. Und auch im aktuellen Fall würde es den Qualitätsmedien wie BR24, FAZ oder Focus beim rasanten Vertrauensverlust in ihre Berichterstattungen gut zu Gesichte stehen, eine einmal als Fake-News enttarnte dpa-Meldungen vollumfänglich richtig zu stellen. Der aktuell verhuschte und möglichst unauffällige Umgang mit der Wahrheit verstärkt das redlich erarbeitete Misstrauen weiter. (SB)

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