Wenn Sprache auf den Strich geschickt wird – Folge 2: Job

Foto: Durch Rawpixel.com/Shutterstock
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Wenn Sprache auf den Strich geschickt wird, geht es oft um ganz alltägliche Begriffe. Manchmal wird einfach ein Wort im alltäglichen Sprachgebrauch durch ein Anderes ersetzt. Dabei ist Arbeit etwas anderes als ein Job. Die Verschiebung von einem Arbeitsplatz zu gelegentlicher Tätigkeit beschreibt einen gesellschaftlichen Wandel. In unregelmäßigen Abständen nimmt jouwatch solche Sprachbewegungen unter die Lupe.

Von Volker Kleinophorst

„Ein Job ist keine Arbeit“, meinte mein Chefredakteur. Er hatte mich zu sich gerufen, um dem Volontär (1986) einfach mal zu erklären, was man in Deutschland wie schreibt. „Ich weiß“, sagte er, „daß Viele meinen, das wäre bloß das englische Wort und eigentlich egal.“

Doch das stimme nicht. Ein Job sei kein Beruf, sondern ein kurzfristiges heute hier morgen dort. Größere Kenntnisse, innere Verantwortung oder eine Identifikation mit dem Job sind nicht nötig. Ungelernte Gelegenheitsarbeit. Ein Jobber ist ein Tagelöhner. Das deutsche Wort Arbeitsplatz strahle eine andere Verlässlichkeit und Solidität aus, betonte mein Chef.

Damals hielt ich das für haarspalterisch, doch heute, wo ja keiner mehr Arbeit zu haben scheint, sondern alle nur noch Jobs, muss ich ihm recht geben. Die Wortherkunft aus dem im 16. Jahrhundert erstmals nachgewiesenen Phrase „jobbe of worke“ für ein wenig Arbeit im Gegensatz zu dauerhafter Arbeit, deutet in die gleiche Richtung.

Durch die begriffliche Verschiebung wird Arbeit entwertet zum kurzfristigen, zufälligen und ständig wechselnden Job. Und diese neue Begrifflichkeit zieht sich ja durch die gesamte Arbeitswelt. So haben wir seit der „Agenda 2010“ kein Arbeitsamt mehr, dass ja Arbeitsstellen verwaltete, verteilte, sondern eine Agentur für Arbeit, die Hilfe zur Selbsthilfe anbietet so als übergeordnete Beratungsstelle. Arbeit gibt es nur noch beim Jobcenter. Und was für eine Arbeit das ist, kann man sich bei dem Namen ja schon denken. Ein längerer Verbleib auf einem Arbeitsplatz ein Lebensberuf, eine Vorstellung mit der die Älteren unter den Lesern ja noch aufgezogen wurden, ist nicht mehr geplant und auch nicht wünschenswert.

Man braucht eine schnell verfügbare Manövriermasse an billigen Arbeitskräften, die sich von Job zu Job hangeln. Glühbirne rein, Glühbirne raus, Glühbirne kaputt, Glühbirne selber schuld. Das Wort Arbeitsplatz bringt die Leute nur auf dumme Gedanken. Was ich befürchte, wer heute Arbeitsplatz schreibt, muss auch zum Chef, nur das Denken hat die Richtung geändert: „Wenn wir Arbeitsplatz schreiben, das weckt doch in unserer globalisierten Welt nur falsche Hoffnungen. Das ist nicht hilfreich.“

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