Selten so gelacht: WDR findet Talkshows zu „populistisch“

Rundfunkrat entsetzt: Populisten erhalten eine Plattform bei "Hart aber fair" / YouTube/Screenshot

Es hört sich an wie ein Witz, ist aber wahr: Der WDR Rundfunkrat hat die Talkshows „Hart aber fair“ und „Menschen bei Maischberger“ wegen „alarmistischen Zuspitzungen“ sowie „Beunruhigung und Angst“ und „Populismus und Vereinfachung“ kritisiert.

von Collin McMahon

„Die beobachteten Formate ‚hart aber fair‘ sowie ‚Maischberger‘ setzen nach wie vor zu häufig auf populistische Reizthemen. … Der Programmausschuss kritisiert alarmistische Zuspitzungen sowohl in Titeln wie auch in der Moderation auf negative Erwartungen, Beunruhigung und Angst, weil dadurch Populismus und Vereinfachung gefördert werden zulasten von Hintergrundinformationen. Der Programmausschuss rät dazu, Gesprächspartner der Talkshows danach auszuwählen, dass sie sachlich und kompetent argumentieren, sowie differenzierte Positionen vertreten können, um dem Auftrag zur gesellschaftlichen Willensbildung – auch in komplizierten Themenfeldern – besser gerecht zu werden. Es darf auf keinen Fall Anspruch an die Gäste sein, zu provozieren oder Skandale erwarten zu lassen, besonders wenn es darum geht, einen gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Die Mischung der Gäste sollte die Vielfalt der in Deutschland lebenden Menschen widerspiegeln. Noch unterrepräsentiert sind Frauen und jüngere Menschen. Daher bittet das Gremium die verantwortlichen Redaktionen, ihre Bemühungen, die Anteile von Frauen und jüngeren Menschen zu erhöhen, fortzusetzen.“

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Der Pressesprecher von AfD Bundessprecher Jörg Meuthen, Michael Klonovsky, hat nachgezählt: Von 162 eingeladenen Politikern bei den vier großen Talkshows Hart aber Fair, Maybrit Illner, Menschen bei Maischberger und Anne Will im ersten Halbjahr 2017 seien nur vier AfD-Vertreter gewesen. Die AfD-Vertreter kamen auf einen Anteil von 2,5%.

Der WDR Rundkfunkrat wird dominiert von Politikern und Gewerkschaftsvertretern, obwohl öffentlich-rechtliche Sender eigentlich zur Neutralität und Staatsferne verpflichtet sind.

Stellungnahme des Programmausschusses des WDR-Rundfunkrats zu den Talksendungen des WDR vom 10. November 2017

 

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Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Hier unterstützen.

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