Der Nächste, bitte…

Foto: Imago
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Das Schöne an Prominenten ist, sie beglücken uns von Zeit zu Zeit mit ihrer politischen Schlichtheit. Vor kurzem erst gab Campino („Tote Hosen“) zu verstehen, dass ein eventueller Austausch von Angela Merkel als Kanzlerin ein Zeichen wäre, dass die Bundesrepublik Deutschland sich zerlegen möchte.* Dies vernahm wohl auch die SPD und möchte mit der CDU sprechen.* Im Sinne der Gleichberechtigung möchte aber auch Campino´s Pendant im Osten, Sebastian Krumbiegel („Die Prinzen“), seine Weisheit unter das Volk bringen und erklärt, Ossis haben Demokratie nicht gelernt.*

Von Nils Kröger

Herr Krumbiegel, Sie sind ihrem Geburtsland Sachsen immer treu geblieben und engagieren sich seit Jahren gegen Rechts. Nun hat ausgerechnet hier die AfD bei der Bundestagswahl ihr bestes Ergebnis eingefahren. Zweifeln Sie manchmal an Sachsen?
„An dem Bundesland Sachsen habe ich noch nie gezweifelt. Wenn, dann kann man an Landesregierungen zweifeln. Und an unserer bin ich manchmal schon ganz schön verzweifelt. Das Wahlergebnis ist auch ein Ergebnis von verfehlter Politik. Kurt Biedenkopf, der erste sächsische Ministerpräsident, sagte Anfang der 1990er Jahre, dass die Sachsen immun seien gegen Rechtsextremismus. Das war ein fataler Irrtum. Wir haben schon lange vor dem gewarnt, was hier abgeht. Aber die unionsgeführte Regierung war die letzten 25 Jahre auf dem sprichwörtlichen rechten Auge blind und hat die fremdenfeindliche Entwicklung sogar befeuert. Wenn Ministerpräsident Tillich sagt, dass der Islam nicht zu Sachsen gehört, wenn Landtagspräsident Rösler sagt, wir bräuchten mehr nationale Wallungen, dann ist das nicht förderlich für eine gelungene Integration. Es muss klar sein, dass es keine Nestbeschmutzung ist, wenn man so etwas kritisiert.“ *

 Möchte Herr Krumbiegel also suggerieren, dass die AfD lediglich von Rechtsradikalen und Fremdenfeinden mandatiert wurde? Die hätten vermutlich eher die NPD gewählt. Des Weiteren erzählt Herr Krumbiegel nur die halbe Wahrheit. Das Sachsen ein Problem mit Rechtsextremismus hat, steht außer Frage. Aber das haben andere Bundesländer auch. Ich empfehle dem „Prinzen“ den Verfassungsschutzbericht 2016.* Dort könnte Herr Krumbiegel aber nur mit unangenehmen Fakten konfrontiert werden. Denn die Landesregierung in Sachsen war nicht nur auf dem rechten Auge blind sondern schloss sie gleich komplett. Ich denke, Conne Island in Leipzig sollte jedem ein Begriff sein und die Stadt fördert diese bekannten linken Zentren auch noch.* Mit welchen Erkenntnissen beglückt der Sänger denn noch die Nation?

Warum findet eine rechtsgerichtete Partei wie die AfD gerade im Osten so viel Unterstützung?

„Das hat unterschiedliche Gründe. Wir haben 40 Jahre unterschiedliche Sozialisierung, im Osten kaum Erfahrungen mit Ausländern, und es gab übersteigerte Hoffnungen auf das, was nach der Wiedervereinigung kommen würde. Im Westen höre ich ganz oft: „Ey, ihr Ossis, seid mal ein bisschen dankbar!“ Aber vielen Leuten im Osten ist die Vergangenheit geklaut worden. Sie haben das Gefühl, dass die 40 Jahre, die sie in der DDR gelebt haben, 40 verlorene, falsche Jahre waren. Dieses Gefühl wurde natürlich verstärkt durch Fehler, die gemacht worden sind: zum Beispiel von der Treuhand mit dem Ausverkauf des Ostens.“ *

Allein die Fragestellung ist perfide. Lediglich den Blick auf den Osten Deutschlands zu werfen. Seit wann gehört den Bayern zu Ostdeutschand? Aber auch die bisherigen Antworten wurden schon tausendmal durchgekaut. Jetzt aber Butter bei die Fisch, Herr Krumbiegel. Was ist der wahre Grund?

„Und ein wichtiger Grund ist sicher auch die mangelnde politische Bildung. Du musst auch lernen, in einer Demokratie zu leben, und genau dazu hatten viele Ossis keine Gelegenheit. Und wenn in Sachsen ein Fach wie Gemeinschaftskunde erst ab der neunten Klasse unterrichtet wird, dann kommen Kids, die nach der achten abgehen, niemals in diesen Genuss.“ *

 Hier kommt Herrn Krumbiegel die Sozialisierung bzw. Erfahrung aus dem Osten zu Gute. In der DDR wurden die Kleinen rechtzeitig mit „Rotlicht bestrahlt“; nannte sich Staatsbürgerkunde. Wünscht sich Herr Krumbiegel so etwas zurück, nur unter anderen Gesichtspunkten? Man könnte aber auch nur noch einlagiges Toilettenpapier verkaufen (Vorschlag an die EU?), damit auch der letzte Arsch rot wird.

 „Dass der Ost-West-Graben wieder so breit geworden ist, ärgert und befremdet mich massiv. Wir sollten einander wieder mehr zuhören und miteinander reden. Respekt ist der Schlüssel. Ich bin mittlerweile alt genug, um zu akzeptieren, dass es Menschen mit konservativen Einstellungen gibt. Vor 20 oder 30 Jahren hätte ich gesagt: „Mit dir rede ich doch gar nicht.“ Heute sage ich: „Ich hab zwar eine andere Meinung, aber trotzdem möchte ich gerne mit dir reden.“ *

Toll Herr Krumbiegel, dass Sie erwachsen geworden sind. Zumindest in dem Punkt sind Sie einigen Ihrer Brüder im Geiste voraus.

In Ihrem Lied „Deutschland“ heißt es: „Wir sind das freundlichste Volk auf dieser Welt.“ Können Sie diese Zeile heute noch unbefangen singen – angesichts von Gewalt bei G20, Hasstiraden gegen Politiker, Anschlägen auf Flüchtlingsheime?

 Dieses Lied hat mittlerweile eine Aktualität bekommen, die es damals 2001 gar nicht so hatte. „Es kann jeder hier wohnen, dem es gefällt, wir sind das freundlichste Volk auf dieser Welt.“ Das hat die Flüchtlingsdebatte vorweggenommen. Da hat die Zeit das Lied eingeholt. Man sollte schon wissen, dass das keine patriotische Jubelhymne ist. Wer das nicht checkt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Ich singe unser „Deutschland“-Lied jedenfalls nach wie vor voller Inbrunst.“

 lso, weil Millionen von Angela Merkels Gästen auf Kosten der Steuerzahler vollversorgt werden und dies mittlerweile Widerstandsreaktionen hervorruft, sind die Deutschen kein freundliches Volk mehr? Danke, für so viel Ehrlichkeit.

 *Quellen:

https://www.mz-web.de/sachsen/krumbiegel-kritisiert-schulen–prinzen–saenger–ossis-haben-demokratie-nicht-gelernt-28876618?dmcid=f_yho_Sachsen

https://www.ffn.de/fileadmin/audiogalerien/interviews/2017/interview_campino.mp3

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/spd-zu-gespraechen-mit-union-bereit/

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/2017/vsb-2016.pdf?__blob=publicationFile

http://www.sz-online.de/sachsen/leipzig-foerdert-auch-kuenftig-linke-zentren-3725865.html

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