No more Bodyguards

Foto: Durch Andrey_Popov/Shutterstock
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Welche einfache Maßnahme könnte unsere Welt schnell und einfach positiv verändern, fragte Schauspieler Russell Brand den Politiker Matt Stoller. Seine Antwort war verblüffend. Mehr Sicherheit durch weniger private Sicherheitsfirmen

Von Volker Kleinophorst

Eine einfache Maßnahme „to change the world“? „Abschaffung sämtlicher privater Sicherheitsdienste für die Reichen und Mächtigen,“ beantwortet der amerikanische Politiker Matt Stoller diese Frage gegenüber Russell Brand in dessen Buch Revolution.

Die selbsternannten Eliten, also die uns den Alltag einbrocken, der unser Aller Leben bestimmt, nähmen an diesem Alltag nicht teil. Sie haben ihre eigene Vollversorgung und beobachten unser Leben von der sicheren Seite des Panzerglases, gut bewacht von privaten Sicherheitsdiensten. Da muss man ansetzen, meint Stoller, ein US-Politiker der demokratischen Partei, der sich auf industrielle Organisation, Monopolmacht und Marktstrukturen konzentriert:

„Im Jahr 2005 hat eine Wirtschaftsexperte behauptet, das ungefähr jeder vierte Amerikaner von Berufs wegen damit beschäftigt ist, den Wohlstand der Reichen zu schützen. Wenn man also Reichtum und Armut abschaffen will, muss man nur diese ganzen Wachdienste abschaffen.“

Russell Brand, bei uns vielleicht nicht so bekannter Schauspieler, Buchautor und Comedian, aber in England und den USA durchaus ein Star, der mit Kate Perry verheiratet war…, ist jetzt nicht der Politautor schlechthin, aber ihn treibt ehrliche Neugier, wie man bei einer Revolution verhindern kann, das danach der gleiche Mist mit neuen Leuten abläuft. Ein Problem das ja nicht nur er, als sehr dominant einschätzt.

Nun ist Brand ja heute auch einer, der sich privater Sicherheit bedient, aber er war eben auch mal arm. Dass man ihm sein Engagement nicht abnimmt, kontert er damit: „Als ich arm war und mich über Ungleichheit beschwert habe, wurde mir vorgeworfen, ich sei verbittert. Mittlerweile bin ich reich und beschwere mich über Ungleichheit und jetzt heißt es, ich sei ein Heuchler.“

Er vermutete, meiner Meinung nach vollkommen richtig, das habe damit zu tun, dass über bestimmte Fragen, nicht generell nicht gesprochen werden soll.

Jedenfalls scheint Brand bereit „seine Schlägereien künftig selbst ausfechten zu müssen.“

Denn die Idee von Stoller findet Brand einfach ziemlich clever und sie beleuchtet auch, dass es eine Exklusivität bei der Anwendung von Gewalt gäbe. Der Staat ist legitimiert, seinen Willen durchzusetzen und dieses Privileg hätten die Reichen eben auch.

Stoller: „Die Definition von reich ist, dass man mehr Kram hat als andere Leute. Um diesen Kram zu behalten, muss man ihn mit Überwachungssystemen, Wachmannschaften, Polizei, Justiz und so weiter schützen.“

Verzichte man auf private Sicherheitskräfte, wären die hinter den Zäunen gezwungen, sich mit den Problemen vor den Zäunen auseinander zu setzen. Denn solange Ungleichheit herrsche, müsse jemand – unter Gewalt – dafür sorgen, dass es so bleibt.

„Diese (Bewachungs)-Systeme können sehr teuer sein. Die USA beschäftigen mehr private Wachleute als Lehrer an ihren High-Schools. Staaten und Länder mit einem hohen Grad an Ungleichheit haben einen höheren Anteil an Wachleuten unter den Beschäftigten.“

Natürlich ist Stoller nicht weltfremd:

„Man kann durchaus darüber diskutieren, wie hoch der Anteil der Ordnungskräfte sein sollte. Es ist in der Tat denkbar, dass man an einer öffentlichen Polizei festhält, doch sollte deren Aufgabe sein, Alle zu beschützen und nicht nur eine bestimmte Klasse.“

Stoller glaubt jedenfalls fest daran, dass die Ungleichheit ziemlich schnell rapide abnehmen würde, wenn man die Armeen zur Sicherung von Privatvermögen abschaffe.

Ist doch ne Idee, Oder nicht? Klar kann man das als naiv abtun, doch es wirft schon mal einen klaren Blick auf die Realitäten. Da hab ich schon größeren Blödsinn gehört.

Was mich an Stoller auch noch beschäftigt. In der Bundesrepublik boomen ja seit Jahren die privaten Sicherheitsdienste, das Wachstumsgewerbe schlechthin.

Nach Stoller jedenfalls kein Zeichen dafür, dass man hier gut und gerne leben kann.

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