Selten so gelacht… Parkläufer im Görlitzer Park Berlin

Foto: Durch elbud/Shutterstock
Park der Gesetzlosen (Foto: Durch elbud/Shutterstock)

Nachdem „Jamaika“ endgültig im Bermuda-Dreieck der Politik verschwunden ist und die „Nachlese“ die Deutschen die nächsten Tage und Wochen penetriert, soll der „Spaß“ nicht vergessen werden. Vor einigen Tagen war in den Medien zu erfahren, dass R2G in Berlin die Null-Toleranz-Politik im Kriminalitätsschwerpunkt Görlitzer Park ad acta gelegt hat.* Schlaue Köpfe behaupten nun natürlich, dass das sowieso nichts brachte. Wohl wahr, wenn man, wie in Berlin, nur an den Symptomen herumdoktort. Anstatt die Dealer (mehrheitlich Westafrikaner*) abzuschieben ersann man in Berlin das „Handlungskonzept Görlitzer Park“, das an Naivität nicht zu überbieten ist. Die TAZ spendierte unter dem Titel Erfolgsstory mit Mängeln dem lustigen Treiben einen Beitrag. Nach einer kleinen Einleitung, erfährt der Leser mehr über die „Parkläufer“ im Görlitzer Park.

Von Nils Kröger

Seit April sind Solo, der mit vollem Namen Souleymane Sow heißt, (…) im Görlitzer Park unterwegs. Vom späten Vormittag bis in die Abendstunden sind immer zwei der insgesamt sechs Parkläufer auf Tour. Im Sommer endet die Schicht gegen Mitternacht im Winter nach Einbruch der Dunkelheit.*

Arbeitszeittechnisch passt man sich also der Zielklientel an. Aber wenn diese im Schutze der Dunkelheit agieren, „laufen“ die Parkläufer lieber nach Hause. Weiterhin erfährt man, dass die Hauptprotagonisten über hervorragende Qualifikationen verfügen. Solo hat früher unter anderem im Kunst- und Kulturbereich gearbeitet und Cengiz Demirci ist studierter Arbeits- und Kommunikationspsychologe. Also, echte Experten im Umgang mit Drogendealern… nun aber zum Erlebnisbereich Görlitzer Park.

Ein schöner Herbsttag, Solo hat die Sonnenbrille aufgesetzt. Im Park ist alles friedlich. Auf den Wegen und Kreuzungen stehen Afrikaner in Kleingruppen zusammen. Einige hören Musik. Auffällig ist: Wenn sich die Parkläufer nähern, läuft – anders, als wenn die Polizei im Park unterwegs ist – niemand weg. Solo und sein Kollege bleiben stehen, begrüßen jeden in der Gruppe mit Handschlag oder einem freundlichen Schlag auf die Schulter. Solo smalltalkt in der jeweiligen Landessprache. „Wir sprechen uns mit Bruder an“, sagt er.*

Schön, dass die Parkläufer und Dealer sich prima verstehen. Fehlt nur noch, dass Solo beim Verkauf hilft. Des Weiteren erfolgt eine Art „Geländetaufe“.

Die Dealer hätten feste Stellplätze im Park, berichtet Solo. In der Ecke hin zur Skalitzer Straße stünden die Araber. Dann kämen die Menschen aus Guinea-Bissau, Gambia, hinten an der Brücke Mali. Parkmanager Cengiz habe die Afrikaner mal zu Gesprächen eingeladen, hinten auf dem Platz, wo das Gartenbauamt seine Geräte lagert. Es sei darum gegangen, eine Vertrauensbasis zu den Dealern aufzubauen, dass sie bestimmte Verhaltensregeln einhalten. Sie immer wieder daran zu erinnern, was man im Park darf und was nicht, so Solo, „das ist auch unser Job“.*

Gut zu wissen, in welchem Bereich der Dealer des Vertrauens steht. Nicht, dass man aus Versehen den Falschen anspricht und sich jemand beleidigt fühlt. Könnte sonst die fragile Harmonie stören. Nun aber zur besonderen „Rechtsordnung“ im besagten Park.

Ungeschriebene Regeln

Die ungeschriebenen Regeln des Parks fassen die Parkläufer so zusammen: kein Drogenverkauf an Kinder und Jugendliche, kein aufdringliches Verkaufsverhalten. Die Käufer sollten sich von allein an die Dealer wenden, wenn sie Drogen wollen. Keine Anmache von Frauen. „Wenn wir kiffende Jugendliche sehen, verständigen wir sofort die Eltern“, sagt Solo. Sehr viel habe sich zum Positiven hin verändert, „seit wir unterwegs sind“, sagt Solo.*

Da solle noch einer sagen, der Görlitzer Park wäre ein rechtsfreier Raum. Man muss sich halt nur an die Parkläufer wenden und bekommt das Regelwerk erklärt. Die Jungs können wirklich stolz auf sich sein, dass sich, dank ihnen, viel zum Positivem verändert hat. Fragt sich nur, für wen? Hier ein Beispiel für eingetretene „Verbesserungen“:

 Nicht zu vergessen bei der Bilanz: „Die Kriminalität im Görli ist zurückgegangen“, betont Demirci. Die Zahlen von Polizei und Innenverwaltung bestätigen das. Die Zusammenarbeit mit den Polizisten vom Brennpunktabschnitt 53 sei „wirklich gut“, seit die Taktik verändert worden sei, sagt Demirci. Statt jeden, der eine dunkle Hautfarbe habe, mit einer Hundertschaft durch den Park zu jagen, regiere bei den Einsätzen nun mehr Besonnenheit. Dazu komme: Im Görli eingesetzt seien jetzt Polizisten, die sich wirklich auskennen würden. Die meisten hätten früher überhaupt keine Ahnung gehabt.*

Anscheinend hat Cengiz so viel zu tun, dass er selten Nachrichten liest. Denn ein Rückgang der Kriminalität wird sogar von der Politik angezweifelt.* Schön, dass die Polizei ihre Taktik „überdacht“ hat. Vermutlich kannten die früher eingesetzten Beamten nicht die ungeschriebenen Regeln des Parks und hielten sich lediglich an deutsche Strafgesetze bzw. Vorschriften. Wie konnten sie nur? Glücklicherweise gibt es jetzt die Parkläufer, die dass mit ihren „Brüdern“ klären.

Bis zu 200 Dealer gebe es im Park zurzeit, erzählt Demirci. An diesem Novembermittag sind es vielleicht 30. Aber wer weiß das schon genau?

Ja, das ist doch nun wirklich unwichtig. Nach all der positiven Veränderung, plagte den Autor wohl doch das schlechte Gewissen oder er erinnerte sich an sein Berufsethos.

Wer die andere Wahrheit erfahren will, muss sich mit Leuten unterhalten, die in Kreuzberg mit Kindern arbeiten. Und man muss am Wochenende kommen, wenn es dunkel wird. Im Park, in den Seitenstraßen rundherum und an den Zugängen zum U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof – überall stehen Spaliere von Dealern. Viele sind zugedröhnt, mehr als aufdringlich bieten sie Drogen an. „Man wird einmal gefragt, zwei-, dreimal“, erzählt einer, der viel in der Gegend unterwegs ist. „Beim zehnten Mal hast du die Schnauze voll.“ Kinder und Jugendliche wüchsen damit auf, dass an allen Ecken Drogen und Alkohol konsumiert würden. Wirkliche Schutzräume gebe es für sie kaum noch.*

 Tja, wenn´s dunkel wird, sind die „großen Brüder“ (Parkläufer) nicht mehr anwesend. Vielleicht sollten die Leute mal über Konsequenzen nachdenken z.B. die Dealer sicher in die Heimat zu geleiten. Aber ich möchte die Pointe nicht vorweg nehmen.

 Eine Vertreibung der Dealer aus dem Görli ist in dem Handlungskonzept Görlitzer Park nicht vorgesehen. Wohin auch? Trotzdem müsse das mit dem Drogenhandel im Park kein Dauerzustand bleiben, meint Demirci. „Wenn mehr soziales Leben in den Park kommt, wird auch der Raum für die Dealer enger.“ *

 Das ist Gutmenschentum in Reinkultur. Jeder Vernunftbegabte würde sofort antworten: „Nach Hause!“. Das Drogendealer sich von mehr Menschen abschrecken lassen, halte ich für ein Gerücht. Aber als Arbeits- und Kommunikationspsychologe muss man das nicht verstehen.

Die Schwierigkeit sei, dass man sich mit den Dealern alle drei Monate aufs Neue auf einen Verhaltenskodex verständigen müsse, weil die Gruppen so oft wechselten. Beschwerden von Anwohnern über die Drogengeschäfte gebe es nach wie vor. „Aber viele Anwohner wollen auch, dass die Jungs hierbleiben.“ *

 SPD-Genossin Aydan Özoguz hätte hier ihre helle Freude. Denn endlich wird das Zusammenleben täglich neu ausgehandelt.* Aber was denkt denn nun der Parkmanager über die Gesamtsituation?

Wo er selbst steht? „Ich kann beide Seiten verstehen“, sagt Demirci. Die Dealer seien wirklich arme Leute. „Mir geht es auch um deren Würde. Sie stehen bei jedem Wetter im Park und werden diskriminiert.“ Rund 640 bis 720 Euro verdiene ein Drogenhändler im Park pro Monat. Aber davon bleibe ihm kaum etwas zum Leben, weiß Demirci. „250 Euro schickt er nach Hause nach Afrika, wo er 15.000 Dollar Schulden für die Flucht hat.“ 400 Euro zahle er in Berlin für ein illegales Bett. Vermieter seien Türken, Araber und Deutsche. Die Bedingungen seien so, dass sie die Wohnung morgens früh verlassen müssten. Erst am Abend dürften sie wieder rein. Sie dürften sich dort noch nicht mal anmelden. „Aber wenn man die Leute fragt, sagen sie, sie wollen nicht zurück“, erzählt Demirci. Zu Hause sei es schlechter als im Görlitzer Park.*

Ein schönes Schlusswort. Wir leben wirklich im besten Deutschland, das wir jemals hatten.*

*Quellen:

http://www.taz.de/!5460896/

https://www.morgenpost.de/berlin/article212487135/Null-Toleranz-Zonen-im-Goerlitzer-Park-abgeschafft.html

 http://www.focus.de/politik/deutschland/kottbusser-tor-goerlitzer-park-warschauer-bruecke-weniger-straftaten-an-3-berliner-kriminalitaetsschwerpunkten-doch-es-gibt-zweifel_id_7821081.html

 https://www.welt.de/politik/deutschland/article146582999/Das-ist-der-Masterplan-zur-Integration-der-Fluechtlinge.html

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/halbzeit-fuer-joachim-gauck-das-beste-deutschland-das-wir-jemals-hatten/10682254.html

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