Grenzen der „Energiewende“ sind erreicht

Symbolbild: jouwatch
"Die Sonne schickt uns keine Rechnung" (Symbolbild: jouwatch)

Die Energiewende-Politiker folgen immer noch dem Ideologen Franz Alt, der mit seiner Verheißung: „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ unerfüllbare Hoffnungen in die Welt setzte. Doch die Grenzen der angestrebten Wende sind längst erreicht. Weltverbesserer und Profiteure wollen sie trotzdem weitertreiben  – gegen das Gemeinwohl. Welche Grenzen sind erreicht oder bereits überschritten? 

Prof. Dr. Ing. Hans-Günter Appel
Pressesprecher NAEB e.V. Stromverbraucherschutz

In der Physik gelten die Gesetze, die auch ein hundertprozentiges Votum des deutschen Bundestages nicht zu ändern vermag. Gegen solche Gesetze wurde und wird mit der Energiewende immer wieder verstoßen, weil angeblich neunzig oder mehr Prozent der „Wissenschaftler“ diese Wende für richtig befunden hätten.

Für eine sichere Stromversorgung gilt: Dem Stromverbraucher muss jederzeit der von ihm nachgefragte Strom mit einer stabilen Frequenz von 50 Hertz (Hz), also mit 50 Schwingungen pro Sekunde, zur Verfügung stehen. Es muss also die Leistung ständig der  sich jeweils ändernden Nachfrage angepasst werden.

Teure Regelkraftwerke

Dazu sind sogenannte Regelkraftwerke erforderlich, die sofort Strom in das Netz schicken, wenn die Nachfrage steigt, und die Leistung zurücknehmen, wenn der Bedarf sinkt.

Der wetterwendische Strom aus Wind- und Solaranlagen wird nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) bevorzugt in das Netz eingespeist. Vor allem der Windstrom weist kurzfristige starke Schwankungen auf, denn die die Stromlieferung („Leistung“) von Windkraftanlagen ändert sich mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit.  Verringert sich die Windgeschwindigkeit auf die Hälfte, sinkt die Leistung auf ein Achtel. Umgekehrt jagen Böen kurzfristig die Stromlieferung ebenfalls um die dritte Potenz nach oben. Auch der Solarstrom sinkt kräftig, wenn Wolken die Sonne verdecken. Diese eingespeisten Leistungsschwankungen müssen durch zusätzliche Regelkraftwerke ausgeglichen werden. Die rund 30.000 Windkraftanlagen und die vielen Solarstromanlagen haben den Bedarf an Regelleistungen inzwischen verzehnfacht. Vor der Energiewende musste dafür ein Betrag von rund 100 Millionen Euro im Jahr aufgewendet werden. Heute sind es mehr als eine Milliarde Euro im Jahr. Und die Regelaufwendungen nehmen mit jeder weiteren Ökostromanlage zu.

Ökostrom stört stabile Frequenz

Doch auch das Einhalten einer stabilen Frequenz von 50 Hertz im Netz ist mit den mehr als 60.000 dezentralen Ökostromanlagen ein Problem. Die rund 100 großen Dampfkraftwerke haben gewaltige Schwungmassen, die nur träge auf Leistungsschwankungen reagieren. Im synchronisierten Verbund haben sie eine hohe Frequenzstabilität. In dieses stabile Netz können nur Ökostromanlagen einspeisen, wenn ihre Frequenz mehr oder weniger gut an die Netzfrequenz angeglichen ist. Ökostromanlagen können also nur in ein stabiles Netz einspeisen. Hätten wir nur Ökostromanlagen, wäre eine Synchronisation auf eine stabile Netzfrequenz hoffnungslos. Bereits geringe Abweichungen einzelner Anlagen würden zu einem Wellensalat im Netz führen.

Nach den Berechnungen vom Stromverbraucherschutz NAEB e.V., einer Vereinigung von Energiefachleuten aus ganz Deutschland, brauchen wir für eine sichere Stromversorgung im Netz eine Grundlast von mindestens 45 Prozent aus frequenzstabilen großen Kohle-, Kern- oder Gaskraftwerken. Unser Stromnetz kann also maximal nur einen Ökostromanteil von 55 Prozent verkraften. Es ist eine Utopie, Ökostromanteile von 80 oder gar 100 Prozent anzustreben. Mit den derzeit vorhandenen Ökostromanlagen wird bei Starkwind und gleichzeitigem Sonnenschein  die Grenze von 55 Prozent Ökostrom heute schon häufig überschritten. Der überschüssige Ökostrom muss dann unter Zuzahlung an andere Abnehmer entsorgt werden. In diesem Jahr hat die Entsorgung bisher mehr als 100 Millionen Euro gekostet.

Wirtschaftliche Grenzen

Ökostrom muss in das Netz bevorzugt eingespeist werden. Der Erzeuger erhält dafür nach dem EEG 20 Jahre lang eine hohe Vergütung. Der wirtschaftliche Wert des wetterwendischen und nicht planbaren Ökostroms ist jedoch gering. Um ihn los zu werden, wird er an den Strombörsen zu jedem noch so niedrigen Angebot abgegeben. Dies ist Ökostrom-Dumping. Die Verluste müssen die Stromverbraucher dann in der EEG-Umlage mitbezahlen. Ohne Ökostrom wären die Strompreise weitaus günstiger. Doch durch  die Ökostromumlage haben wir neben Dänemark die höchsten Strompreise in Europa. Da Strom ein wesentlicher Produktionsfaktor ist und die Nachfrage nach Strom durch die weiter zunehmende Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung – der Energiebedarf des Internet ist größer als der Energieverbrauch aller Flugzeuge der Welt – weiter zunimmt, verlagern immer mehr Firmen ihre Produktion in Länder mit günstigen Strompreisen und mit einer Strompolitik, die sachlich geboten und zuverlässig ist.

Auch können die hohen Strompreise in Deutschland von einer steigenden Zahl einkommensschwacher Haushalte nicht mehr aufgebracht werden. Im letzten Jahr ist 330.000 Haushalten der Strom abgeklemmt worden, weil sie die Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Weitere 6 Millionen Haushalte wurden wegen rückständiger Rechnungen gemahnt.

Die Grenzen zu einer De-Industrialisierung  sind längst überschritten und die Grenze zu sozialen Unruhen nur deswegen noch nicht, weil das sogenannte soziale Netz die tatsächliche Lage vernebelt.

Umweltschutz

Rund 30.000 Windgeneratoren verschandeln inzwischen die Landschaft und töten viele Vögel und Fledermäuse. Selbst Landschaftsschutzgebiete und Wälder werden von der Wendepolitik nicht geschont. Der Artenschutz wurde zu Gunsten von Windkraftanlagen verwässert. Die Monokulturen von Mais und Raps zur Energieerzeugung dezimieren das Niederwild und fördern den Lebensraum für Wildschweine. Vom Umweltschutz kann also keine Rede mehr sein.

Mehr als 1.000 Antiwindkraft-Initiativen haben sich zu dem Verband Vernunftkraft zusammengeschlossen, um die weitere Umweltzerstörung zu stoppen. Sie bilden eine wachsende Bewegung gegen die ideologisch verblendeten Weltretter, die derzeit die unsoziale und die Umwelt zerstörende Wendepolitik noch weiter treiben wollen. Wie lange wird die Bevölkerung noch auf diese Weltretter hereinfallen? Hoffen wir auf ein baldiges Ende der unwirtschaftlichen und unsozialen Energiewende. Die Grenzen sind erreicht oder schon überschritten.

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