Robert Mugabe ein Freiheitskämpfer?

(Foto: Wikipedia
Unter Rücktrittsdruck: Robert Mugabe (Foto: Wikipedia)

Stephen Glover empört sich in der Daily Mail darüber, daß Robert Mugabe, 93, der schwer unter Druck stehende Diktator von Zimbabwe (Rhodesien) im englischen Radio binnen weniger Minuten drei Mal als „früherer Freiheitskämpfer“ bezeichnet worden ist. Auch die Berichterstattung in den deutschen Medien läßt schwer zu wünschen übrig. Eine Medienkritik.

von Max Erdinger

In den Nachrichten des Bayerischen Rundfunks zum Beispiel war diese Woche zu hören, der vermutete Militärputsch in Zimbabwe sei keiner. Es gehe nur darum, Kriminelle aus der Umgebung Mugabes zu verhaften. Mugabe und seine Ehefrau seien wohlauf und in Sicherheit. Es ist interessant, was man in deutschen Nachrichtenredaktionen – leider zu Recht – glaubt, dem Hörer zumuten zu können. Kriminelle aus der Umgebung Mugabes dingfest zu machen, hört sich so an, als sei ein Unschuldiger in Gefahr gewesen, von Kriminellen in ihre Machenschaften mit hineingezogen zu werden. Tatsache ist freilich etwas anderes. Der Oberkriminelle ist Mugabe selbst.

Nicht nur, daß der alte Mann erst kürzlich – und nicht zum ersten Mal –  Straffreiheit für die Mörder weißer Farmer zusicherte, Farmen enteignen ließ und sich generell benimmt wie ein Rassist: Mugabe ist Hauptverantwortlicher dafür, daß aus Rhodesien, einem Land, das noch vor vierzig Jahren als Kornkammer Afrikas gepriesen wurde, ein Armenhaus geworden ist, welches am Tropf der Welthungerhilfe hängt. Die Arbeitslosigkeit liegt derzeit bei über 90 Prozent, die Inflation befindet sich im vierstelligen Bereich, es gibt keine Rechtssicherheit mehr, die von Weißen geschaffene Infrastruktur ist völlig marode und heruntergewirtschaftet, die medizinische Versorgung ist katastrophal, die Gewaltkriminalität hat sich vervielfacht, es herrschen Willkür und Korruption allerorten. Die einzigen, denen es richtig gut geht, sind Mugabe selbst und die Clique seiner Günstlinge. Es ist die übliche afrikanische Geschichte, die sich fast überall so oder so ähnlich abspielte, wo ehemals europäische Kolonialherren die politische Macht abgegeben haben.

Diesen Mann in europäischen Medien heute noch als einen Freiheitskämpfer zu titulieren, ist linke Tatsachenverdrehung par excellence. Die letzte weiße Regierung Rhodesiens unter Ian Smith trat 1979 zurück, nicht, weil Mugabes Rebellentruppen etwa gewonnen hätten, sondern weil ihr jegliche Solidarität des Westens abhanden gekommen war. Es war der kulturmarxistisch schwer illusionäre Westen, der damals, wie später im Falle Südafrikas, seiner infantilen Freude an politischer Simplifizierung frönte und die Aufstände gegen die früheren Kolonialmächte im südlichen Aufrika auf eine Schwarz/Weiß-Frage reduzierte, ohne nach den zu erwartenden Konsequenzen zu fragen, die sich im Falle einer Machtübernahme durch Mugabe in Rhodesien zu stellen.

Diese infantile Haltung lebt bis zum heutigen Tage fort. Noch 1994, im Jahre 15 nach Mugabes Machtübernahme in Rhodesien, als abzusehen war, welch trauriges Schicksal Rhodesien ereilen wird, herrschte in Westeuropa Jubel angesichts der Machtübernahme Nelson Mandelas in Südafrika. Noch immer wird das Land euphemistisch als „Rainbow Nation“ verklärt, obwohl sich auch dort alles zum Schlechten verändert hat und der blanke Rassismus gegen gebürtige weiße Südafrikaner herrscht. Westlichen Medien geht es in ihrer „Berichterstattung“ aus dem südlichen Afrika zunächst immer darum, ihr uraltes Narrativ von der Befreiung Schwarzer aus der Unterdrückung durch Weiße zu retten. So simpel sind die Angelegenheiten im südlichen Afrika zu keiner Zeit gestrickt gewesen. Es ist eine der linken Lebenslügen, daß jemand, der als schwach und unterdrückt gilt, keinesfalls ein böser Mensch sein kann. Die Realität sieht anders aus: Auch Arme und Unterdrückte können äußerst fragwürdigen Charakters sein.

Die aktuelle Lage in Rhodesien stellt sich anders dar, als sie in deutschen Medien berichtet wird. Es geht sehr wohl um den Rücktritt Mugabes. Allerdings nicht, weil irgendwer Verbesserungen für Zimbabwe erreichen will. Es geht nur darum, einen anderen Despoten zu installieren. Der bisherige Vizepräsident Emmerson Mnangagwa, ein alter marxistischer „Kampfgefährte“ Mugabes soll den alten Tyrannen ersetzen. Für Zimbabwe bedeutet das, vom Regen in die Traufe zu kommen. Auch der Armeechef, General Chiwenga, der zur Zeit das Land unter Kontrolle hat, ist ein williger Erfüllungsgehilfe Mugabes gewesen. Wäre in Zimbabwe derzeit von einem Putsch zu reden, der einer Befreiung des Landes aus den Klauen einer durch und durch korrupten und verkommenen Führung dienen soll, – Mugabe wäre längst nicht mehr am Leben.

Der alte Tyrann an der Spitze soll durch einen jüngeren ersetzt werden, der sich dann selbst wieder so schamlos bereichern kann wie Mugabe bisher. Das muß verhältnismäßig behutsam geschehen. Mugabe soll tunlichst kein Härchen dabei gekrümmt werden, da man das Narrativ seines heldenhaften Freiheitskampfes gegen die Unterdrückung durch englische Kolonialisten braucht, um sich selbst in eine geschichtliche Kontinuität zu stellen, die realiter keinerlei Relevanz hat bei den Bemühungen, Mugabe loszuwerden. Es geht um die Fleischtöpfe der korrupten Macht in Zimbabwe, nicht um Gerechtigkeit und Verbesserungen für das Volk, geschweige denn, daß es darum ginge, wenigstens den Lebensstandard von 1979 wieder zu erreichen.

 

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.