„Halt bloß die Klappe! – Ein Interview mit Lion Edler – einer, der sich in die Höhle des Löwen wagte

Bild: Lion Edler
Autor Lion Edler: Halt bloß die Klappe!”– Als konservativer Student am Otto-Suhr-Institut

Ein konservativer oder genauer gesagt „national-konservativer“ Student, der bei der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und anderen Medien schrieb, wagt sich in die Höhle des Löwen und beginnt sein Politikstudium an der FU Berlin am Otto-Suhr-Institut, das als linke Hochburg gilt.

„Halt bloß die Klappe!“, lautet der neue Buchtitel des 30-jährigen Politikwissenschaftlers und Journalisten Lion Edler, der inzwischen als Referent bei der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag arbeitet. Den Ratschlag, seine „Klappe“ zu halten, erhielt Edler bereits vor Beginn seines Studiums an der FU Berlin.

In seinem Buch berichtet Edler in kurzweiliger Form über den kuriosen und manchmal erschreckenden studentischen Alltag im linksdominierten Universitätsbetrieb am Otto-Suhr-Institut. Es ist ein Buch über „Gender“-Irrsinn, über die Freiheit von Forschung und Lehre und vor allem über das Meinungsklima an Hochschulen. JouWatch sprach mit dem Autor des Buches, der sich trotz der Anfeindungen für eine differenzierte Betrachtung ausspricht – und der sich auch nach den grotesken Erlebnissen seinen Humor erhalten hat.

Warum haben Sie sich das als „maximal linkspolitisch“ bekannte Otto-Suhr-Institut der FU Berlin für Ihr Politikstudium ausgesucht? No risk, no fun?

Lion Edler: Nein, das hatte eher banale Gründe. Ich wohne im Berliner Umland und es wurde eben gerade dieser Studiengang an der FU Berlin angeboten. Natürlich habe ich das als eine Art Herausforderung empfunden, die sich aber eher positiv auf meine Studiumsmotivation ausgewirkt haben dürfte. Denn trotz der – gelinde gesagt – bescheidenen Leistungsanforderungen, erfüllt es einen doch auf eine gewisse Weise mit Stolz, wenn man als rechtskonservativer „Junge-Freiheit“-Autor sozusagen im 68er-Hauptquartier seinen Hochschulabschluss schafft.

Sie schildern in Ihrem Buch in kurzweiligem und äußerst humorigem Stil Ihre Erlebnisse während Ihrer Studienzeit. Aber nun „Butter bei die Fische“: Haben Ihnen die Anfeindungen nichts ausgemacht? Was war Ihr einschneidenstes Erlebnis am OSI?

Lion Edler: Das einschneidenste Erlebnis war sicherlich eine Seminardiskussion über ein gegen mich gerichtetes, linksextremes Diffamierungsflugblatt. Was Ihre Frage zu den Anfeindungen betrifft: Besonders im zweiten Teil des Buchs wird ja deutlich, dass diese Anfeindungen letztlich „nur“ von einer kleinen radikalen Minderheit ausgehen, während der Durchschnittsstudent völlig normal mit mir diskutiert, auch wenn er meine Ansichten meistens nicht teilt. Aber natürlich ist es schlimm, zu sehen, dass man von durchaus einflussreichen Studentengruppen in übler Weise diffamiert wird, nur weil man eine legitime politische Meinung vertritt und sich im konservativen Spektrum „rechts von der CDU“ orientiert. Zumal insbesondere das gegen mich gerichtete Diffamierungsflugblatt und die darin enthaltene Stigmatisierung als „neurechts“, „rassistisch“ und „sexistisch“ zweifellos auch darauf abzielte, meine berufliche Zukunft möglichst zu zerstören. Auf dem Flugblatt wurden außerdem auch persönliche Daten und ein Familienfoto von mir verbreitet, um mich einzuschüchtern. Zweifellos sind das üble Methoden. Betrüblich ist weiterhin natürlich auch, wenn Studenten, von denen man eben noch persönlich geschätzt wurde, wegen eines solchen Hetzklimas den Kontakt abbrechen.

Und auch wenn meine soziale und berufliche Vernichtung nicht gelang, zeugt schon der Versuch der Flugblatt-Denunzianten von einem Klima, das mit einer freiheitlich-demokratischen Ordnung schon lange nichts mehr zu tun hat. Dass auch die Universität – abgesehen von einzelnen couragierten Professoren – solche Methoden nicht verurteilt, sondern sich wegduckt, macht es nicht besser.  Dabei habe ich aus Gesprächen mit Professoren den klaren Eindruck gewonnen, dass dieses Wegducken nicht aus einer klammheimlichen Sympathie heraus geschieht, sondern aus Furcht davor, selbst ins Visier der Hetzkampagnen von kleinen, aber gut organisierten und politisch gestützten Linksextremisten zu geraten. Auch Professoren wollen ihren Arbeitsplatz erhalten und fürchten das Stigma „rechts“ verständlicherweise wie eine Infektion mit der Pest.

Ihr Buch „Halt bloß die Klappe!“ ist nun auf dem Markt. Haben sie bereits Reaktionen auf das Beschriebene erhalten? Wenn ja – von wem und welche? Waren auch „linke“ Entgegnungen dabei?

Lion Edler: Ein begrenzter Kreis von Lesern meiner Facebook-Seite konnte eine Vorfassung des Buchs lesen. Da sich auf der eigenen Facebook-Seite naturgemäß vor allem die Sympathisanten der eigenen politischen Richtung bewegen, bekam ich die Rückmeldungen mit einer Ausnahme ausschließlich aus dem konservativen und AfD-nahen Bereich. Die Ausnahme war eine junge und eher unpolitische Leserin aus Berlin, die das Buch interessant und teilweise erschreckend fand. Sie habe sich wegen der massiven Bedeutung des Feminismus im Politikstudium gewundert und sei teilweise bereits als Leserin davon genervt gewesen; sie habe sich daher gefragt, wie nervend das dann erst für mich gewesen sein müsse.

Die Reaktionen aus dem konservativen und AfD-nahen Bereich waren fast alle sehr positiv, teilweise begeistert. Immer wieder wurde mir geschrieben, dass das Buch so spannend gewesen sei, dass man es in einem Zug ausgelesen habe. Gefreut hat mich auch, dass das Buch nicht nur als spannend, sondern zugleich auch als lustig beschrieben wurde. Das freut mich, denn ich wollte das Buch auch nicht als eine bittere „Abrechnung“ schreiben. Ich glaube, dass linke, rechte und unpolitische Leser in dem Buch auch über sich selbst schmunzeln und lachen können. Denn das Buch ist ja schon eine Art Tragikomödie. Das bevorstehende 50-jährige Jubiläum der 68er-Revolte ist allerdings eine gute Gelegenheit, um das Buch für eine Diskussion über die verschwiegenen Schattenseiten der 68er zu nutzen.

Bedarf es einer Renaissance des wissenschaftlichen Lehrens und Lernens in Deutschland? Sind seit dem Start der neuen konservativen politischen Kraft, sprich der AfD, Veränderungen spürbar oder hat sich die von Ihnen beschriebene, ideologische Verengung noch verschärft?

Lion Edler: Nun ja. Natürlich ist es eigentlich ein Unding für eine sich liberal nennende Gesellschaft, wenn ein Professor, der mir noch nicht einmal sonderlich feindlich gesonnen ist, mir den gutgemeinten Rat gibt, dass ich meine Bachelorarbeit aus politischen Gründen lieber nicht über dieses oder jenes Thema schreiben sollte, weil noch ein Zweitgutachter die Arbeit lesen müsse.

Dass die AfD nun bereits zu einer Öffnung oder Verschiebung der wissenschaftlichen Debatte beigetragen hätte, sehe ich noch nicht. Was es allerdings gibt, ist ein schleichender Stimmungswandel, der sich bei einem Teil der Professoren und noch stärker bei den Studenten beobachten lässt. Das liegt sicher nicht nur am Aufstieg der AfD, sondern auch daran, dass auch die klügeren linksliberalen Studenten zunehmend angewidert sind von den Methoden des Umgangs mit Leuten, die irgendwie „rechts von Merkel“ oder jedenfalls nicht links stehen. In dem Buch gibt es dafür eine ganze Reihe von Beispielen, die natürlich auch zeigen, dass das alles eben nicht so schwarz-weiß ist.

Dieser Stimmungswandel führt freilich auch unter den Studenten zu einer Aggressivität mit umgekehrtem Vorzeichen, wie sie auch in der allgemeinen politischen Diskussion zu beobachten ist. Zum Beispiel gibt es da in dem Buch die Szene, bei der ein Student auf die Pinwand der Frauenbeauftragten in riesiger Größe den Schriftzug „Weiber an den Herd! Fotzen nicht an die Uni“ schreibt. Die jahrelange linke Geiferkultur in der politischen Auseinandersetzung führt nachvollziehbarer zu einem Gegengeifer, der wiederum vom linken Gegner zur Diskreditierung des konservativen Spektrums genutzt wird.

Was würden Sie einem konservativen Studenten aus Ihrer heutigen Sicht empfehlen? „Die Klappe halten?“

Lion Edler: So pauschal sicher nicht. Für die Zeit am Gymnasium würde ich meinen Kindern sicherlich politische Zurückhaltung empfehlen, wenn ich mal Kinder haben werde. Denn der Lehrer sitzt nun einmal am längeren Hebel und kann im schlimmsten Fall dem Schüler das Leben zur Hölle machen. Das ist es einfach nicht wert, denn die rotgrünen Lehrer werden sich ihr fortschrittliches GEW-Weltbild wohl sowieso nicht durch solche altmodischen und spießigen Dinge wie Fakten, Zahlen und Argumente erschüttern lassen.

An der Universität würde ich das differenzierter bewerten. Man ist als Student schon deutlich freier und kann notfalls das Seminar wechseln, wenn man mit dem Professor partout nicht klarkommt. Es kommt hier sicherlich auf den Einzelfall an. In meinem speziellen Fall spielte bei meiner Entscheidung für das Schweigen natürlich eine Rolle, dass ich vor dem Politikstudium ein anderes Studium nach längerer Zeit abgebrochen hatte und daher unbedingt vermeiden wollte, dass sich das Studium nun noch ein weiteres Mal in die Länge zieht. Ich war sozusagen schon zu Beginn des Politikstudiums mehr oder weniger universitätsmüde. Dazu kommt meine durch pubertäre Schrulligkeit bedingte Außenseiterstellung in der Schulzeit und der daraus folgende Wunsch, sich nicht an der nächsten Bildungseinrichtung schon wieder die nächsten Feinde zu machen – zumal in einer Zeit, die eigentlich die schönste des Lebens sein kann.

Ein dritter Punkt ist, dass das Verschweigen meiner Gesinnung auch den Vorteil hatte, dass ich Zugang zu den geselligen Veranstaltungen der linken Studenten bekam, die mich natürlich – nicht zuletzt mit Blick auf einige Student_Innen – trotz allem Kopfschütteln auch etwas faszinierten. Wahrscheinlich ist das ähnlich wie bei einem Aktivisten der Antifa, der sich heimlich an einer SS-Uniform im Schrank delektiert. Das Böse fasziniert. Jedenfalls hat mir das schon Freude gemacht, mich während des Studiums vor die Vitrine zu setzen und meine linke Käfersammlung zu beobachten. Es waren ja auch manche schöne Marienkäfer dabei, allerdings auch einige rote und grüne Giftkäfer.

Herr Edler, herzlichen Dank für das Gespräch!

Buchbestellung:

„Halt bloß die Klappe“ – Lion Edler

Halt bloß die Klappe!”
– Als konservativer Student am Otto-Suhr-Institut
Lion Edler
Preis: 19,90 €

 

 

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