Urlaub in Syrien 2017: Die ‚Wiege des Christentums‘ in Homs

Syrien galt schon in der Antike als "Wiege des Christentums", Homs, Syrien, Fotoquelle: pxhere.com
Syrien galt schon in der Antike als "Wiege des Christentums", Homs, Syrien, Fotoquelle: pxhere.com

Die öffentlich rechtlichen Medien zeichnen ein Bild von Syrien, das nicht zutrifft. Ein junger Mann aus Norwegen hat daher im Oktober 2017 den Selbstversuch gestartet und hat dort Urlaub gemacht – nach Besuchen in Damaskus und Aleppo war er auch in Homs, der ‚Wiege des Christentums‘.

Von Chris
Übersetzung von Bianca Hoe

Die „Krak des Chevaliers“, die „Festung der Ritter“, die in der syrischen Provinz von Homs liegt, ist wahrscheinlich die bedeutendste und am besten erhaltene mittelalterliche Burganlage der Welt. Die Anlage wurde während des ersten Kreuzzuges 1031 gebaut, um den strategischen Durchgang im Bereich des Flusses Orontes zu schützen. Schon immer hieß es, derjenige, der diese Passage kontrolliert, kontrolliert Syrien.

Schon beim ersten Blick aus der Ferne, versteht man, warum die Burg an diesem Standort gebaut wurde. Auf einem 650 Meter hohen Hügel, der das ganze Tal mit seiner 8 bis 10 Meter dicken undurchdringlichen Mauer überragte, wurde sie nie wirklich erobert.

Krak des Chevaliers von der Rückseite, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Krak des Chevaliers von der Rückseite, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Ich genoß den wunderbaren Blick von dort oben über das „Tal der Christen“ und die Durchgangspassage.

Die Burganlage „Krak des Chevaliers“ gelangte mit den Kreuzfahrern vom 11. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zu Ruhm. Der Legende nach konnte die Burg bis zu 2000 Ritter auf einmal beherbergen und monatelang belagert werden, ohne erobert zu werden.

Von der „Krak des Chevaliers“ überblickt man das Wadi al-Nasara, das auch ‚Tal der Christen‘ genannt wird. In dem Tal leben rund 210.000 Christen. Von dort oben sieht man auch das berühmte Kloster des Heiligen Sankt George aus dem 6. Jahrhundert.

Blick auf das Tal der Christen, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Blick auf das Tal der Christen, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Das „Tal der Christen“ war auch Ort der engen Zusammenarbeit zwischen der syrischen Regierung und der Oppositionspartei Syrian Social Nationalist, die gemeinsam gegen die westlich unterstützte“Opposition“ kämpften.

In diesem Gebiet Syriens gab es nur kleinere Kämpfe und Zerstörungen während des Krieges. Die „Krak des Chevaliers“ wurde fast zwei Jahre lang von der Freien Syrischen Armee besetzt, bevor die Burg von der Syrischen Armee während einer eintägigen Schlacht, der Schlacht von Hosn, am 20. März 2014 zurückerobert wurde.

Die Festungsanlage wurde während des Krieges von einer Mörsergranate getroffen, aber der Schaden war gering und der Wiederaufbau und die Restaurierung sind in vollem Gange.  Die Granate schoss ein riesiges Loch in den Boden, wodurch eine bisher verschlossene alte Wasser-Kanalisation freigelegt wurde.

Eine Granate hat den Zugang zu einem bis dahin unbekannten Raum freigelegt, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Eine Granate hat den Zugang zu einem bis dahin unbekannten Raum freigelegt, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Krak des Chevaliers wurde 2006 zusammen mit dem Schloss von Qal’at Salah El-Din (Festung von Saladin) in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

Auf der Unesco-Webseite liest man dazu:

Diese beiden Burgen sind die bedeutendsten Beispiele für den Austausch von Einflüssen und sie dokumentieren die Entwicklung der Architektur von Festungen im Nahen Osten während der Kreuzzüge (11. – 13. Jahrhundert). Crac des Chevaliers wurde von 1142 bis 1271 vom Hospitalorden des heiligen Johannes von Jerusalem erbaut. Mit weiteren Bauarbeiten durch die Mamluken im späten 13. Jahrhundert, zählt die Festung zu den besterhaltenen Beispielen der Kreuzfahrer-Burgen.

Für mich ist die „Festung der Ritter“ eine der eindruckvollsten Burganlagen, die ich je besucht habe. Die Größe und die vielen Details sind umwerfend. Und würde jetzt in ganz Syrien Frieden herrschen, würde ich mich nicht wundern, wenn sie der Ort von Drehaufnahmen für „Games of Thrones“ wäre.

Die Restaurierungen laufen auf Hochtouren, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Die Restaurierungen laufen auf Hochtouren, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Unglücklicherweise wurden einige alte steinerne Torbögen beschädigt, doch ich bin mir sicher, dass sie schnell wieder restauriert werden. Auf meinen Fotos kann man jetzt schon die derzeitigen Restaurierungsarbeiten sehen. Hier habe ich auf dem Parkplatz auch andere europäische Touristen getroffen, darunter zwei Spanier, zwei Franzosen und einen Deutschen. Die „Festung der Ritter“ ist definitiv wieder dazu bereit, Touristen zu begrüßen!

Das Tal der Christen (Wadi al-Nasara) ist eines von rund 40 malerischen christlichen Dörfern in Westsyrien. Es liegt inmitten der grünen Hügel zwischen Homs und der libanesischen Grenze und ist die Heimat von rund 210.000 Christen und dem berühmten Kloster des heiligen Georgs, das aus dem 6. Jahrhundert stammt.

Einheimische Christin und eine christliche Nonne, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Einheimische Christin und eine christliche Nonne, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Viele christliche Flüchtlinge aus dem benachbarten Irak haben hier seit der amerikanischen Invasion im Irak im Jahr 2003 Zuflucht gesucht.

Das Tal wurde Anfang 2013 von heftigen Kämpfen heimgesucht und litt wie der Großteil von Syrien unter dem anhaltenden Konflikt und dem verheerenden Verlust geliebter Menschen durch Terrorakte, wobei eine sehr große Zahl von Ortsbewohnern bei Terroranschlägen getötet oder entführt wurden, da sie Christen waren.

Als die islamischen Terroristen ankamen, griffen die Mitglieder der ‚Syrian Social Nationalist Partei‘ gemeinsam mit den Christen des Tals zu den Waffen, um ihre Häuser und Familien gegen die Angriffe zu schützen. Nur aus diesem Grund konnten die Terroristen nie das berühmte christliche Kloster des Heiligen Georg erreichen, dessen Geschichte bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht.

Das Kloster des heiligen Georg, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/Das Kloster des Heiligen Georg, Homs, Syrien Foto: Chris

Das Kloster des Heiligen Georg beherbergt 3 verschiedene, christliche Kapellen, die älteste, die tief unter der Erde liegt, stammt aus dem 6. Jahrhundert. Die zweite ist aus aus dem 12. Jahrhundert und die neueste aus dem Jahr 1857.

Links: Kapelle aus dem sechsten Jahrhundert, Rechts: Kapelle von 1857, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Links: Kapelle aus dem sechsten Jahrhundert, Rechts: Kapelle von 1857, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Das Kloster ist ein beliebtes Ziel für christliche Pilger während der Feier des Heiligen Georg am 6. Mai und während des Festes des Heiligen Kreuzes am 14. September, die jedes Jahr gefeiert werden.

Das Kloster des heiligen Georg blieb komplett vom Krieg verschont, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Das Kloster des heiligen Georg blieb komplett vom Krieg verschont, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Syrische Kinder auf dem Weg zur Schule, Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/
Syrische Kinder auf dem Weg zur Schule in Homs, Syrien, Foto: Chris, http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

Der Autor Chris hat wunderschöne Fotos in Homs gemacht, die auf seinem Blog zu finden sind. Ein Besuch der Webseite lohnt sich: http://unusualtraveler.com/krak-des-chevaliers/

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