Italiens Apokalypse

Foto: Screenshot/Youtube
Die "schwarze" Zukunft Italiens (Foto: Screenshot/Youtube)

Rom – Wenn man an Migranten und den Islam denkt, fällt einem Italien als Land dazu nicht unbedingt als Erstes ein.

Von Daniel Pipes (Washington Times)

Anders als seine nördlichen Nachbarn hatte Italien kein Wirtschaftswunder, das den massiven Import von Arbeitskräften erforderte. Ihm fehlt eine tiefe Verbindung zu einigen wichtigen Migrationsquellen wie Großbritannien sie für Südasien hat. Es hat keine großen Akte jihadistischer Gewalt erlebt wie Frankreich. Anders als Schweden hört man keine Geschichten von aberwitzigem Appeasement und anders als Belgien gibt es keine teilweisen No-Go-Areas. Anders als die Niederlande ist kein extravaganter islamkritischer Politiker wie Geert Wilders in Erscheinung getreten und anders als in Deutschland ist keine asylkritische Partei zu einer signifikanten politischen Kraft geworden.

Libyen und Italien sind heute die Haupt-Durchgangsgebiete für Afrikaner, um Europa zu erreichen.

Aber Italien verdient nicht weniger Aufmerksamkeit als seine nördlichen Gegenüber, denn es durchläuft massive Veränderungen. Man kann sagen, dass sie sogar noch drängender, weitreichender sind und stärker als in den bekannteren Ländern geleugnet werden.

Zuerst einmal ist da die Geografie. Italiens berühmter „Stiefel“ ragt nicht nur markant ins Mittelmeer, was das Land zu einem einladenden Ziel für illegale Migration über das Meer macht, sondern das italienische Territorium reicht auch bis Nordafrika: Die kleine Insel Lampedusa mit ihren 6.000 Einwohnern liegt nur 113km vor der Küste Tunesiens und 300km entfernt von Libyen. 2016 kamen 181.000 Migranten nach Italien, fast alle davon illegal, fast alle über das Meer.

Es war schon genug der Herausforderung, als Libyens Muammar Gaddafi den Migrantenfluss auf- und zudrehte, womit er Zugeständnisse von Italien in einem Spiel erhielt, das vorwegnahm, was Recep Tayyip Erdoğan aus der Türkei heute mit den Deutschen spielt. Aber seit Gaddafis Sturz im Oktober 2011 stellt die Anarchie in Libyen ein noch größeres Problem dar. Gaddafi konnte wenigstens effektiv ausbezahlt werden; wie viel schwieriger ist es da, mit einer Unzahl lokaler Machthaber und Menschenschmugglern fertigzuwerden.

Der Trend zu dem, was der französische Intellektuelle Renaud Camus eine große Bevölkerungsersetzung nennt, wird dadurch verschärft, dass 285.000 Italiener im Jahr 2016 ihr Heimatland verließen – eine bedeutende Zunahme gegenüber früheren Jahren.

Dann ist da die Geschichte. Die muslimische Präsenz in Sizilien dauerte fast fünf Jahrhunderte, von 827 bis 1300; und obwohl sie weniger gefeiert wird als in Andalusien, erinnern sich die Islamisten an dieses Zeitalter und wollen Sizilien zurück haben. Rom, der Sitz der katholischen Kirche, verkörpert ein überragendes Symbol islamistischen Zorns und Ambitionen, was die Stadt zu einem höchst wahrscheinlichen Ziel jihadistischer Gewalt macht.

Die demografischen Trends sind sogar noch schlimmer als in Nordeuropa; die Gesamtfruchtbarkeitsrate (die Zahl der Kinder pro Frau) beträgt 1,3, deutlich niedriger als die des Nachbarn Frankreich (2,0). Der Journalist Giulio Meotti sagt mir, dass die Gesamtfruchtbarkeitsrate der Migranten fast 2,0 beträgt und die der einheimischen Italiener bei 0,9 liegt. Mancher kleine Ort steht vor dem Aussterben; einer davon, Candela, dessen Bevölkerungzahl von 8.000 in den 1990-ern auf heute 2.700 abgesunken ist, hat damit reagiert finanzielle Vorteile anzubieten, um wirtschaftlich produktive Immigranten dazu zu bringen sich dort niederzulassen. Italiens Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin hat den demografischen Trend als „Apokalypse“ bezeichnet.

Zeichen der Zeit in Italien: Graffiti befürworten illegale Migranten, lehnen aber Touristen ab.

Zusammengenommen bedeuten diese Faktoren für Italien eine zivilisatorische Krise. Aber es besteht eine beinahe vollständige Mauer der Leugnung. Ja, die Lega Nord und die Bewegung Fünf Sterne opponieren gegen uneingeschränkte Immigration, aber darauf konzentrieren sie sich nicht. So schief und abweisend die Debatte um Immigration und Islamismus im Norden auch ist, in Italien ist es noch schlimmer. Stimmen, die diesen Themen vor einem Jahrzehnt ansprachen – Leute wie Magdi Allam, Oriana Fallaci, Fiamma Nierenstein, Emanuele Ottolenghi und Marcello Pera – finden keinen Nachhall mehr. Leugnung herrscht vor.

Papst Franziskus hat sich als führender Fürsprecher ungehinderter Zuwanderung und unkritisches Willkommenheißens von Migranten etabliert, was eine vernünftige Diskussion des Themas schwieriger macht. Zur politischen Abdrift kommt hinzu, dass die ratlose Regierung von Premierminister Paolo Gentiloni linke Standard-Plattitüden propagiert und die heute im Gang befindliche tektonische Verschiebung so gut wie nicht eingesteht.

Nach dem Besuch von 12 Städten und Gemeinden in Italien habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Krise für die meisten Italiener einfach zu fürchterlich ist, als dass sie damit umgehen können. (Amerikanische Leser mögen das mit der Abneigung ihrer Landsleute vergleichen, sich der Bedrohung durch eine Angriff mit elektromagnetischem Puls zu stellen.) Eine Episode in Padua fing für mich das neue Italien ein: Eine Statue ist von vier Bänken umgeben. Sieben betagte Italienerinnen quetschen sich auf eine Bank, während acht Afrikaner sich auf den anderen drei Bänken breitmachen. Diese Szene fasst sowohl die gegenseitige Distanz als auch das überreichlich vorhandene Gefühl der Überlegenheit seitens der Migranten zusammen.

Am 25. Oktober in Paduas Giardinin dell’Arena: Italienische Frauen quetschen sich auf eine Bank, während 8 Afrikaner sich auf drei Bänken ausbreiten.

Was wird nötig sein, damit die Italiener aufwachen und anfangen sich mit der demografischen und zivilisatorischen Katastrophe befassen, der sich ihre einzigartig attraktive Kultur gegenüber sieht? Meine Vermutung: ein Jihadisten-Anschlag in Rom.

Die Grafik zum Artikel in der Washington Times.
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