Dem Heinerhofbauern sein Knecht über „die menschliche Gesellschaft“

Dem Heinerhofbauern sein Knecht (Foto: Pixabay)

Es war der Genosse Erhard Eppler, der eines schönen Tages verkündete, daß, wer die menschliche Gesellschaft will, die männliche überwinden muß. So wurde es dann auch ins Parteiprogramm übernommen. Möglicherweise hat sich Genosse Eppler nicht für einen Menschen gehalten oder es ist ihm einfach so rausgerutscht. Mir war die Sache mit der „menschlichen Gesellschaft“ noch nie ganz geheuer. Die Reportage vom Land.

Von Max Erdinger

Er hätte ja schon Gesellschaft, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, die Säue, die Rindviecher und die Schafe. Da käme es auf eine menschliche Gesellschaft auch nicht mehr an. Er hat halt keine, außer dem Heinerhofbauern und der Bäuerin. Nur am Wochenende kommt er manchmal in die Stadt, sagt der Knecht, und daß es dort keine menschliche Gesellschaft gibt, die er gern auf dem Heinerhof hätte.

Letztes Jahr sei er einmal in der Stadt gewesen und durch Zufall – und weil´s umsonst war, auch – bei einer SPD-Veranstaltung und Freibier im Wirtshaus gesessen. Wie er gerade die zweite Maß bekommen hat, erzählt der Knecht, sei eine geschäftsmäßig angezogene Frau um die Fünfzig mit einem Doppelnamen ans Mikrofon gegangen und hätte etwas von der menschlichen Gesellschaft erzählt. Er persönlich glaubt ja, daß sie spinnt, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht. Schnatterbauer-Schnabelweid oder so ähnlich habe sie geheißen.

Spinnerte Weiber, sagt der Knecht, haben oft einen Doppelnamen. Das sei ihm bei der Lektüre des Kreisboten schon aufgefallen. Eines dieser Weiber, sagt er, täte sogar Artikel schreiben. Die hätte es auch immer mit der Menschlichkeit und der menschlichen Gesellschaft, mit dem Zeichensetzen, dem Fordern und dem Kampf.

Menschlich, meint der Knecht, wäre es, wenn man einfach der Mensch sein dürfte, der man ist, anstatt daß man erst einer werden muß, so, wie diese Weiber sich das vorstellen bei der SPD und beim Kreisboten. Wenn man es sich recht überlegt, sagt der Knecht, dann sind die nämlich die Unmenschen. Es merkt bloß keiner, weil es Weiber sind, sagt er. Einem Weib traut keiner eine Schlechtigkeit mehr zu. Früher sei das noch anders gewesen.

Jedenfalls: nach der fünften Maß hätten sie ihm bei der SPD kein Freibier mehr geben wollen. Er hatte sich leicht angesäuselt mit der Doppelnamigen angelegt, argumentativ bewiesen, daß sie einen Schmarren daherredet, sagt er, – und dann hätten sie ihn einfach rausgeworfen, weil er angeblich die Veranstaltung gestört haben soll. Er weiß nicht mehr wie, aber irgendwie sei er dann ins städtische Kriminalmuseum gekommen, wo gerade eine Führung gewesen ist. Die hätte ihm Ernüchterung gebracht.

Die menschliche Gesellschaft, sagt der Knecht, ist ein Rückschritt und kein Fortschritt. Im Kriminalmuseum habe er gesehen, daß es im Mittelalter bereits Schandmasken für zänkische Weiber gegeben hat. So weit sei man damals schon gewesen. Damals hätten die Weibspersonen auch keine Doppelnamen gehabt. Das regt ihn auf, sagt er, daß man ihm einen Rückschritt als Fortschritt andrehen will.

Heute, sagt der Knecht, reden ein Haufen Weibspersonen nur deswegen einen rechten Schmarren daher, weil sie keine Angst mehr vor der Schande haben müssen. Wenn man sie völlig zu Recht beleidigt, sagt der Knecht, wird man verklagt. Und das Schlimmste, sagt der Knecht, das ist, daß man einen solchen Prozess verliert. Das sei doch kein Fortschritt. Er persönlich finde zwar schon, daß es gut sei, Leute nicht mehr zu vierteilen, sie aufs Rad zu flechten oder auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Aber daß die Schandmasken abgeschafft worden sind, verkehre jeden Fortschritt in einen Rückschritt. Davon ist dem Heinerhofbauern sein Knecht überzeugt.

Wo denn das eine menschliche Gesellschaft sei, fragt der Knecht, wenn bösartige Weiber straflos ein Kompliment in eine Belästigung umdeuten dürfen und gleichzeitig irgendwelche anderen bösartigen Weiber behaupten, ein verweigertes Kompliment sei bereits seelische Gewalt gegen ihre zarten Seelen. Da helfen doch nur noch Schandmasken, sagt der Knecht. Wie fortschrittlich es im Mittelalter zugegangen ist, könne man schon daran sehen, daß für eine Männerhand auf einem Vrouwenknie niemand überhaupt an Strafen gedacht hätte. Daß es Weibspersonen heute tun, sagt der Knecht, liegt nur daran, daß sie keinen Mühlstein mehr in Schandmasken durch die Stadt schleifen müssen.

Er hätte gehört, daß sich in der menschlichen Gesellschaft von heute schon Achtjährige das Leben nehmen und daß es jedes Jahr mehr werden. In der menschlichen Gesellschaft dieser SPD-Weiber, sagt er, kommen Wildfremde ohne Kontrolle über die Grenzen, marodieren, belästigen, vergewaltigen und ermorden sogar ortsansässige Weibspersonen – und es fällt ihnen nichts Ehrliches dazu ein. Aber wehe es schaut ihnen einer zu lang auf die Brüste, dann fühlen sie sich belästigt und schreien nach dem menschlichen Staatsanwalt.

Überhaupt, sagt dem Heinerhofbauern sein Knecht, bezweifelt er, daß menschliche Gesellschaft und Bundeskanzlerin gleichzeitig möglich sind. Entweder oder, sagt er. Was diese Weibsperson dem ganzen Volk an Unmenschlichkeit antut, dafür müsste sie bis ans Ende ihrer Tage eine Schandmaske aufsetzen und einen Mühlstein hinter sich herschleifen.

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