Ein linker Irrtum

Foto: Pixabay
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Über die Irrtümer der Linken könnte man stapelweise Aufsätze verfassen und ganze Bücherschränke damit füllen.

Ich will versuchen, es kürzer zu halten, zumal ich nicht den Anspruch erhebe, in diesem Beitrag sämtliche Irrtümer von links abzuarbeiten. Ich will mich auf etwas konzentrieren, das mir wesentlich erscheint.

Von Adrian F. Lauber 

Die Irrtümer der Linken zu verstehen, ist wichtig, denn diese Irrtümer hat ein Großteil unserer Gesellschaft so tief verinnerlicht, dass sie sich heute angesichts der existenziellen Bedrohung für unsere Zivilisation absolut wehrlos zeigt.

Ich behaupte, ein zentrales Problem linken Denkens ist es, dass die Welt nicht in Gut und Böse, sondern in Starke und Schwache eingeteilt wird, und der Linke, der was auf sich hält, ist grundsätzlich auf der Seite der Schwachen.Das klingt auf den ersten Blick sehr nobel und ritterlich. Aber es hat einen Haken: der Schwache ist nicht automatisch ein Opfer des Stärkeren. Er kann es sein, muss es aber nicht sein. Und der Schwache ist nicht automatisch der Gute.

Doch unterbewusst gehen viele ganz selbstverständlich davon aus, dass Schwache ihr Los den Stärkeren zu verdanken haben. Die sind schuld. Ebenso sind die Armen arm, weil Reichere ihnen etwas weggenommen haben. Dem Rest der Welt geht es schlecht, weil wir Europäer ihn bestohlen und ausgebeutet haben – deswegen müssen wir heute Buße tun, indem wir die halbe Welt zu uns einladen.

Damit wir uns nicht missverstehen: Natürlich gibt es Ausbeutung, natürlich gibt es unter reichen Menschen unmoralische, raffgierige Charaktere, die ihr Vermögen auf unlautere Weise erworben haben.

Aber im linken Denken wird weitgehend ausgeblendet, dass Schwache und Arme für ihr Schicksal auch selbst verantwortlich sein können, ohne dass irgendein Starker oder Reicher irgendetwas dazu getan hat.

Thilo Sarrazin hat in seinem letzten Buch „Wunschdenken: Warum Politik so häufig scheitert“ ausführlich und mit wissenschaftlicher Methode aufgezeigt, dass die Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg einer Gesellschaft entscheiden, zu über 90 Prozent in der jeweiligen Gesellschaft selber liegen.

Auch wenn Kardinal Woelki uns mit aller Massivität das Gegenteil einreden will: für den Großteil des Elends in der Welt sind wir nicht verantwortlich.

Dass der islamische Kulturkreis rückständig und nicht innovativ ist, hat er selbst zu verantworten. Wenn dort Bildung einen ähnlich hohen Stellenwert hätte wie bei uns, wenn man sich dort von den Dogmen des Islam gelöst hätte, dann würde es ihm mit Sicherheit um Vieles besser gehen. Ob das jemals geschehen wird, liegt in seiner eigenen Verantwortung. Der Westen kann da kaum etwas ausrichten.

Der Westen hat Fehler und Verbrechen begangen, das ist nicht zu leugnen. Ich war nicht von ungefähr gegen den herbei gelogenen Irak-Krieg von 2003 und die Zerschlagung Libyens 2011. Aber mit dem Großteil der Konflikte und Kriege innerhalb der islamischen Zivilisation haben wir überhaupt nichts zu tun.

Dennoch sehen Linke die islamische Welt grundsätzlich als Opfer des Westens und so kommt es, dass man den Dschihadismus und den Hass auf den Westen relativiert, schön redet, manchmal sogar offen gutheißt. Ich erinnere mich sehr deutlich an eine Formulierung des Kabarettisten Volker Pispers: „Sie wundern sich, dass wir Bomben unter’n Arsch gelegt kriegen? Wann fangen Sie an, sich zu wundern, dass wir so wenig Bomben unter’n Arsch gelegt kriegen?“

Mit anderen Worten: wenn im Westen Menschen von islamischen Terroristen umgebracht werden, haben sie’s ja irgendwie verdient. Es trifft schon keinen Falschen. Die armen Moslems, die können sich gegen uns Bösewichte doch gar nicht anders wehren!

Nachdenklich stimmen sollte uns allerdings, dass auch Länder, die sich der islamischen Welt gegenüber gar nichts haben zu Schulden kommen lassen, zu Zielen des dschihadistischen Terrors werden. Was bitteschön haben Belgien und Schweden der islamischen Welt Furchtbares angetan?

Der Schwächere spielt im linken Denken so etwas wie eine Heldenrolle. Der Underdog ist eben cool und genießt eine große Portion Vorschusslorbeeren, egal was er tut.

So kommt es, dass Linke in fremden, nicht-westlichen Ländern gerne und ohne Bedenken politische Bewegungen unterstützen, die sie im eigenen Land nie und nimmer akzeptieren würden.

Immer wieder haben sich westliche Linke mit Bewegungen und diktatorischen Regimes solidarisiert, die man mit Fug und Recht als faschistisch und antisemitisch einstufen kann.

Hauptsache, sie waren gegen den bösen Westen, dann waren sie automatisch gut und genauer hinschauen brauchte man dann gar nicht mehr.

– In der Zeit der Achtundsechziger war der chinesische Diktator Mao Zedong, der größte Massenmörder der Weltgeschichte, für die linken Studenten so etwas wie eine Pop-Ikone. Kein Herrscher der Menschheitsgeschichte hatte mehr Menschen auf dem Gewissen.2 Nach heutigen Schätzungen hatte sein Regime den Tod von 50 bis 70 Millionen zu verantworten, womit Mao hinsichtlich der Opferzahlen den ersten Platz unter den Diktatoren belegt. (Auf Platz Zwei folgt Stalin, auf Platz Drei Hitler.)

– Eine ähnliche unkritische Verehrung genossen die kubanischen Revolutionäre Fidel Castro und Che Guevara – Männer, die politisch Andersdenkende reihenweise weggesperrt und umgebracht haben. Kuba bleibt bis heute ein unfreier, völlig heruntergekommener Staat.

– Ein Terrorist wie Jassir Arafat war für viele Linke ein Held. Dass der Mann unschuldige Menschen umgebracht hat, dass er Israel zerstören wollte – geschenkt! Bis heute solidarisiert man sich gern mit palästinensischen Führungspersönlichkeiten, ohne darauf zu achten, welche politischen Ziele sie mit welchen Mitteln verfolgen, was sie für antisemitische Hetze von sich geben usw. Ich kann nur dringend empfehlen, sich mal im Online-Archiv der Internetplattform Palestinian Media Watch umzuschauen. Dort findet man eine Fülle von Äußerungen angeblich moderater Palästinenser in englischer Übersetzung. Der eine oder andere dürfte böse Überraschungen erleben …

– Als in der Nacht zum 4. Juli 1976 eine Einheit aus israelischen Elitesoldaten ein von palästinensischen und deutschen Terroristen entführtes Passagierflugzeug der Air France mit vorwiegend israelischen Passagieren an Bord auf dem Flughafen in Entebbe (Uganda) befreite, brach links ein Sturm der Entrüstung los. Entrüstung nicht etwa über die Tat der Terroristen, sondern über Israel. Reihenweise prangerten Linke die Verletzung der Souveränität Ugandas an und erklärten sich solidarisch mit dessen Diktator Idi Amin, einem der übelsten Despoten, die Afrika im 20. Jahrhundert gesehen hat.

– Heutzutage gibt es reichlich Linke (aber auch Rechte), die sich mit dem iranischen Mullah-Regime solidarisieren und es zu einem potenziellen Opfer westlicher Aggression verklären. Dass der Iran eine aggressive Macht mit hegemonialen Ambitionen ist, dass es sich um ein totalitäres, antisemitisches Regime handelt, das Dschihadisten sponsert und den jüdischen Staat Israel vernichten will, blenden sie gekonnt aus. Das scheint einer breiten Massenstimmung zu entsprechen, sonst hätte Günter Grass‘ Gedicht „Was gesagt werden muss“ im April 2012 nicht so einen breiten Anklang gefunden, in dem er Israel als potenziellen Aggressor darstellte und den damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad als „Maulhelden“ verharmloste.

Der Publizist Jamie Glazov hat in seinem Buch „United in Hate: The Left’s Romance with Tyranny and Terror“ ausführlich dokumentiert, wie westliche Linke sich immer wieder mit Diktatoren und Fundamentalisten gemein gemacht haben – Hauptsache, es ging gegen den ihnen so verhassten Westen. Glazov schlägt einen Bogen von der linken Solidarisierung mit der Sowjetunion bis zur heutigen Verbrüderung Links-Grüner mit dem Islam.

Auch dem Politikwissenschaftler Bassam Tibi ist diese merkwürdige Allianz aufgefallen, die sich offen gegen Europa gestellt hat. Die linke Weltanschauung, die im islamischen Kulturkreis ein Opfer des Westens und in Europa und Amerika die ewigen Übeltäter sieht, führt schnurgerade zum westlichen Selbsthass, der unterschwellig weit über die Linke hinaus verbreitet ist. Der Selbsthass ebnet der Selbstzerstörung den Weg. Parallel wird alles Nicht-Westliche romantisch verklärt und verherrlicht.

Dabei ist der Westen die beste, freiheitlichste Zivilisation, die es auf der Welt gibt. Gut, auch unsere Geschichte hat viele dunkle Kapitel, aber es gibt keine Zivilisation, die je perfekt gewesen wäre. Eine bessere haben wir nicht.

Quellen:

  1. The Jerusalem Post, 2.8.2016: „Why Western Leftists Adore Right-Wing Religious Extremists Abroad“ by Seth J. Frantzman http://www.jpost.com/Opinion/Op-Ed-Why-Western-leftists-adore-right-wing-religious-extremists-abroad-462978
  2. Jung Chang, Jon Halliday: „Mao: Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes“, Pantheon-Verlag 2007 https://www.amazon.de/Mao-Leben-Mannes-Schicksal-Volkes/dp/3570550338
  3. Daily Mail, 7.10.2014: „From Stalin to Hitler, the most murderous regimes in the world“ by Nigel Jones http://www.dailymail.co.uk/home/moslive/article-2091670/Hitler-Stalin-The-murderous-regimes-world.html
  4. Stefan Molyneux (Freedomain Radio): „The Truth About Fidel Castro | The Cuban Revolution“ (Upload: 26.11.2016) https://www.youtube.com/watch?v=2EhlTI0fte0
  5. MENA Watch, 12.5.2017: „Steinmeiers Verneigung vor einem Mörder“ von Thomas Eppinger http://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/steinmeiers-verneigung-vor-einem-moerder/
  6. Palestinian Media Watch:

http://palwatch.org/

  1. Welt Online, 6.3.2012: „Die Endlösung der Israel-Frage“ von Henryk M. Broder

https://www.welt.de/politik/ausland/article13903849/Die-Endloesung-der-Israel-Frage.html

  1. Welt Online, 13.3.2007: „Die blutigen Possen des Idi Amin“ von Hans Christoph Buch

https://www.welt.de/politik/article759264/Die-blutigen-Possen-des-Idi-Amin.html

  1. The Tower Magazine, Issue 23, February 2015: „The Rise of the Iranian Empire“ by David Daoud http://www.thetower.org/article/the-rise-of-the-iranian-empire/

The Tower Magazine, Issue 24, March 2015: „Meet the Proxies: How Iran Spreads Its Empire through Terrorist Militias“ by David Daoud http://www.thetower.org/article/meet-the-proxies-how-iran-spreads-its-empire-through-terrorist-militias/

Middle East Monitor, 27.9.2014: „Sanaa is the fourth Arab capital to join the Iranian revolution“ https://www.middleeastmonitor.com/20140927-sanaa-is-the-fourth-arab-capital-to-join-the-iranian-revolution/

The Hill, 18.1.2017: „Iran’s Middle East ambitions more dangerous than nuclear threat“ by Shahriar Kia http://thehill.com/blogs/congress-blog/foreign-policy/314743-irans-middle-east-ambitions-more-dangerous-than-nuclear

The New York Times, 15.7.2017: „Iran Dominates in Iraq After U.S. ‘Handed the Country Over’“ by Tim Arango https://www.nytimes.com/2017/07/15/world/middleeast/iran-iraq-iranian-power.html

BuzzFeed, 30.7.2017: „Inside Iran’s Mission To Dominate The Middle East“ by Borzou Daragahi https://www.buzzfeed.com/borzoudaragahi/irans-plan-to-run-the-middle-east?utm_term=.reAKy6Bkj#.wlabqaox8

The New York Times, 29.8.2017: „Iran Is Taking Over Syria. Can Anyone Stop It?“ by David W. Lesch https://www.nytimes.com/2017/08/29/opinion/iran-syria.html

The Times of Israel, 3.9.2017: „Iranians at the gates“ by Avi Issacharoff

https://www.timesofisrael.com/iranians-at-the-gates/

The Tower, 8.11.2017: „Expert: Hariri’s Resignation Shows that “Lebanon is an Iranian Satrapy Run by Hezbollah”“ http://www.thetower.org/5612-expert-hariris-resignation-shows-that-lebanon-is-an-iranian-satrapy-run-by-hezbollah/

Welt Online, 12.11.2017: „Diese Feindschaft setzt den Nahen Osten in Brand“ von Gil Yaron

https://www.welt.de/politik/ausland/article170532941/Diese-Feindschaft-setzt-den-Nahen-Osten-in-Brand.html

  1. The Tower Magazine, Issue 30, September 2015: „On the Roots and Branches of Shi’a Anti-Semitism“ by David Daoud http://www.thetower.org/article/on-the-roots-and-branches-of-shia-anti-semitism/

Iranian-American Forum: „Iranian regime’s anti-Semitism and crusade against Israel“ (Veröffentlicht: 12.3.2017) https://www.youtube.com/watch?v=cGq7QI4qniM

  1. U.S. Department of State: Country Reports on Terrorism 2016

https://www.state.gov/j/ct/rls/crt/2016/index.htm

Foundation for Defense of Democracies: „The Pasdaran: Inside Iran’s Islamic Revolutionary Guard Corps“ by Emanuele Ottolenghi (FDD Press 2011) https://www.amazon.de/Pasdaran-Inside-Irans-Islamic-Revolutionary/dp/0981971296

  1. The Middle East Quarterly, Summer 2009, Vol. 16, No. 3: „Tehran’s Genocidal Incitement against Israel“ by Elihu D. Richter, Alex Barnea

http://www.meforum.org/2167/iran-genocidal-incitement-israel

Welt Online, 26.9.2008: „Als Khomeini zum Heiligen Krieg gegen Israel aufrief“ von Wahied Wahdat-Hagh https://www.welt.de/debatte/kolumnen/Iran-aktuell/article6061689/Als-Khomeini-zum-Heiligen-Krieg-gegen-Israel-aufrief.html

Jerusalem Center for Public Affairs, 7.1.2014: „Sworn to Destruction: What Iranian Leaders Continue to Say about Israel in the Rouhani Era“ by Lt. Col. (ret.) Michael Segall and Daniel Rubinstein http://jcpa.org/article/20-threats-iranian-leaders-made-in-2013/

Joshua Teitelbaum: „Die iranische Führung in ihren eigenen Worten über die Vernichtung Israels“ http://jer-zentrum.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=154

New York Post, 1.8.2015: „Iran publishes book on how to outwit US and destroy Israel“ by Amir Taheri http://nypost.com/2015/08/01/iran-publishes-book-on-how-to-outwit-us-and-destroy-israel/

  1. Jamie Glazov: „United in Hate: The Left’s Romance with Tyranny and Terror“, WND Books, March 3, 2009 https://www.amazon.com/United-Hate-Romance-Tyranny-Terror/dp/1935071602

„The Leftist-Islamic Alliance“ (Jamie Glazov im Gespräch mit Robert Spencer / Jihad Watch)

Paul Joseph Watson: „The Left & Islam: Unholy Alliance“ (Veröffentlicht: 24.1.2017)

  1. Basler Zeitung, 20.2.2017: „Die Feinde Europas“ von Bassam Tibi

https://bazonline.ch/ausland/europa/die-feinde-europas/story/20019634

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