STERNstunde des Sexismus

Wie kommt man auf das Cover des Stern? Manchmal ziemlich „zufällig“. Und dann auch noch mit etwas, was man nie gesagt hat.

Von Volker Kleinophorst

Sexuelle Belästigung von alten weißen Männern hat der Stern ja mittlerweile zu seinem USP (seinem Markenkern) ausgebaut. Da werden unbewiesene Behauptungen als Tatsachen in die Welt geschleudert, wie nichts Gutes. Denn Frauen „die ihr Schweigen brechen“ sagen immer die Wahrheit, besonders im Stern, und ganz besonders wenn es ja ganz, ganz viele sind.

Und was nicht passt, wird passend gemacht:

Denn die Schriftstellerin Melanie Raabe, die den Titel der aktuellen Ausgabe „Sexismus im Job? Kenn ich!“ (rechts) ziert, hat wohl im Gespräch mit der Redaktion weder behauptet „Sexismus im Job“ erlebt zu haben noch sexuell belästigt worden zu sein.

Prominent auf dem Titel des Stern zu prangen, war mit ihr nicht nur nicht abgesprochen, die Schriftstellerin war darüber nicht einmal informiert.

Ein „Fehler“ den Melanie Raabe mit selbstgebastelten FAQs (Fragen und Antworten) auf Facebook klarstellt, ja klar stellen muss, „da sie permanent darauf angesprochen wird“, was ihr wohl etwas auf den Wecker geht:

F: Kennst du Sexismus im Job?
A: Nein.

F: Was zum Teufel machst du dann auf diesem Cover?
A: Gute Frage. Da ist wohl ein Fehler passiert. Man hat mich einfach aufs Cover genommen, ohne mich zu fragen.

Doch wie kam es dazu?

F: Warst du gar nicht in Kontakt mit der Redaktion?
A: Doch. Man bat mich um ein Statement zu sexueller Belästigung. Das habe ich gegeben und – kurz zusammengefasst – geschrieben, dass mir im Leben außer dummen Sprüchen, wie jede Frau sie schon mal gehört hat, noch nie was passiert ist, aber dass wir uns alle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt engagieren müssen, auch wenn wir selbst nicht betroffen sind. Davon, dass ich auf den Titel komme oder dergleichen war nie die Rede, und ich hätte dem niemals zugestimmt.

Immerhin: Der Sternchefredakteur hat den Fehler eingesehen.

A: „Der Chefredakteur hat sich entschuldigt. Da ist ein Fehler passiert, sagt er. Ich habe die Entschuldigung akzeptiert.“

An einer Stelle der FAQs bin ich mir nicht sicher ist es feine Ironie, oder doch dann wieder nur da übliche Bashing: „Ich gehöre zu den ganz wenigen, die irres Glück hatten und immer korrekt und respektvoll behandelt wurden.

Ich denke aber wohl eher keine Ironie. Denn Melanie Raabe hat den Glauben an den Stern nicht verloren:

„Ich bin immer noch schwer verärgert, vertraue jedoch darauf, dass die Redaktion das aufarbeitet und dass so ein Fehler nie wieder passiert.“

Frage, warum ist dann die Geschichte nicht so groß auf der Stern-Webseite, wie der, „Das sind doch nur die Beine von Verona“-Skandal bei Anne Will, der Frau Pooth anscheinend ziemlich am Poppes vorbeigeht?

Verona Pooth in ihrer inoffiziellen Pressestelle der BILD:

Verona nimmt den Kameramann gegenüber BILD in Schutz – und die ganze Angelegenheit ziemlich locker: „Genau DAS ist es, was ich ansprechen wollte. Der arme Kameramann – warum soll er denn nicht diesen Schwenk machen? DAS ist sicher nicht sexistisch.“

Es gibt sie noch. Frauen die beim Thema Sexismus nicht durchdrehen.

Eine Lanze für Verona Pooth. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich so was mal schreiben würde.

Was mich noch bewegt: Hatte man denn nicht genug „belästigte“ Frauen, die sofort und gerne auf das Stern-Cover wollten. Man hat doch „Opfer“ ohne Ende?

Oder wollte man Melanie Raabe wegen ihrer Hautfarbe auf dem Titel?

Wäre das dann nicht Rassismus?

Aber doch nicht beim Stern, oder? Das sind doch die „Guten“. Die machen so was nicht, die machen nur „Fehler“.

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