Oxfam, oder eine Ziege für Afrika

Foto: Durch NikkiHoff/Shutterstock
Foto: Durch NikkiHoff/Shutterstock

„Verschenke eine Ziege mit >>Oxfam Unverpackt<< an eine Familie in Afrika!“

So wirbt Oxfam offiziell damit, dass die Familie aus dieser Ziege eine Herde machen kann, einzelne Ziegen verkauft, sich davon Essen und Kleidung, sowie Schulmaterial für die Kinder kaufen kann.

Von Holm Teichert

Soweit so gut.

Doch mittlerweile hat die ganze Welt begriffen, dass es seit zig Jahren ständig irgendwelche Hilfsprogramme gab, die immer exakt so lange halfen, wie sie liefen.

Kaum waren die Hilfsprogramme ausgelaufen, brach alles in Afrika zusammen, was geschaffen wurde, und die Leute lebten wieder genau in den miserablen Zuständen, wie vor diesen Programmen.

„Brot für die Welt“, „Misereor“, „Ärzte ohne Grenzen“, „Internationales Rotes Kreuz“ oder wie auch immer die Hilfsfirmen hießen, sie alle haben Milliardenwerte nach Afrika gekarrt oder dort geschaffen. Natürlich nicht, ohne selbst dabei reich zu werden.

Nur eines haben sie nie erreicht: Dass Afrika diese Hilfe als „Hilfe zur Selbsthilfe“ verstand.

Die Hilfe wurde immer gerne angenommen, doch etwas Werthaltiges für die Zukunft des afrikanischen Kontinents wurde nie erreicht.

Selbst die DDR hat damals im Kampf gegen den Westen versucht, durch Hilfsprojekte zu helfen und damit die afrikanischen Regierungen zum Ostblock zu ziehen.

Es wurden durch DDR-Ingenieure Brunnen gebohrt, Schulen und Krankenhäuser errichtet.

Soldaten und Polizisten wurden durch DDR-Spezialisten (zu denen auch mein Vater gehörte, der seinen Dienst allerdings im dankbaren Vietnam versah) ausgebildet, um auch endlich innere Ordnung und Sicherheit dauerhaft zu gewährleisten.

Wir Schüler sammelten Kekse, Trockenmilch, Füllferderhalter, Schulhefte und Bleistifte, um der afrikanischen Bevölkerung zu helfen.

Die im Ostblock heiß begehrten LKWs „IFA W50“ wurden schiffeweise nach Afrika verbracht, obwohl sie in der heimischen Volkswirtschaft schmerzlichst fehlten.

Und was ist passiert? Ein befreundetes Ehepaar meiner Eltern aus Dresden, welches in Afrika Brunnen bohrte, erzählte, was mit der Hilfe in Afrika passiert ist:

Afrikanische Frauen gingen vor der Brunnenaktion teilweise in 2 oder mehr Tagesmärschen zum nächsten Fluss oder dem nächsten Wasserloch, um alte und dreckige Plastikbehälter mit Wasser zu füllen, um sie dann zum Dorf zu bringen. Die schwarzen Helden der männlichen Gattung Mensch hingegen blieben zu Hause sitzen. Nein Ihr Spaßvögel, sie passten nicht auf die Kinder auf. Die gingen selbstverständlich auf den gefährlichen, oftmals durch Raubtiere auch für die Menschen tödlichen, Gewaltmärsche mit.

Nachdem die DDR-Spezialisten in diesen Dörfern Brunnen bohrten, wiesen sie die Dorfbevölkerung ein, wie sie diese Brunnen hegen und pflegen sollten, damit diese, rein theoretisch sogar unendlich lange, nicht wieder versiegten.

Nach ein paar Monaten kamen sie turnusmäßig zu jedem Brunnen zurück, um zu kontrollieren, ob sie noch funktionierten, ob unvorhersehbare Schwierigkeiten mit den Untergrund aufgetreten sind. Quasi eine erste Garantie-Inspektion.

Doch was sahen sie? Bis auf eine Handvoll Brunnen in kleineren Dörfern, waren fast alle Brunnen wieder eingestürzt und versandet. Sprich, sie waren weg. Die eingesetzten Rohre waren mit Sand gefüllt und wertlos. Wasser gaben diese Brunnen natürlich nicht mehr.

Aber die Männer des Dorfes störte es nicht im Geringsten.

Denn zwischenzeitlich haben ihre Frauen wieder die Gewaltmärsche zu den Flüssen und Wasserlöchern aufgenommen.

Auch unsere LKWs, die nach Afrika geliefert wurden, erteilte größtenteils das selbe Schicksal.

Obwohl die DDR in jahrelanger und mühevoller Arbeit auch die Ausbildung von Afrikanern vornahm, die die gelieferten LKWs und Traktoren warten und reparieren sollten, stand es schon nach kürzester Zeit um die Fahrzeuge katastrophal.

Viele standen jahrelang rum, weil keiner der Dorfbewohner auf die Idee kam, sie zu nutzen, um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern, denn Feldarbeit, (das hatten die Verantwortlichen in der DDR nie bedacht) war Frauenarbeit. Die Männer blieben lieber vor den Hütten sitzen.

Frauen fahren aber in Afrika keine LKWs.

Also blieben viele gelieferte LKWs und Traktoren im Neuzustand stehen, ohne jemals ein Feld gesehen zu haben, bis Hitze und Staub ihnen den Garaus bereiteten.

Die, die genutzt wurden, wurden nur solange gefahren, bis sie eine Panne hatten. Egal ob leere Batterie, Reifenpanne oder durch den Staub zugesetzte Luftfilter.

Sie wurden einfach nicht repariert.

Sie wurden teilweise noch nicht einmal von den Felder runtergezogen, nachdem sie kaputt gingen, sondern blieben wirklich da stehen, wo sie ausgegangen sind.

Und die Frauen haben in den Jahren darauf, ihre Saat auf dem Feld um den kaputten und stehengelassenen LKW herum ausgebracht.

Und nun will Oxfam dass wir Ziegen für Afrika kaufen? Abgesehen davon, dass ich mich gerade frage, ob das nicht ein strafbarer Aufruf zur Zuhälterei ist, kann ich über soviel Naivität und Gutmenschlichkeit nur noch mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen. Immer wieder und immer wieder. Bis ich auch die letzte Kopfschmerztablette geschluckt habe.

 

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