Alles Arschlöcher sogar „Mutti“ (Mit Verlaub)

Foto: Durch d1sk/Shutterstock
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Es bleibt das beliebteste Schmähwort schlechthin: Arschloch. Aus der politischen „Diskussion“ nicht mehr wegzudenken. Für Manche teilt sich gar die Welt in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher. Doch dieser Gegensatz ist ein Konstrukt. Sagt die Biologie.

Von Volker Kleinophorst

Die Grünen, seit jeher Freunde der gewählten Ausdrucksform, haben Arschloch in die parlamentarische Diskussion Deutschlands eingebracht. Gegen den inflationären Gebrauch des A-Wortes in der politischen Auseinandersetzung von heute ist Joschka Fischers Entgleisung im 1984 im Bundestag gegenüber dem Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen „Mit Verlaub, Herr Präsident, sie sind ein Arschloch“, allerdings quasi Florett. Stücklen hatte Christa Nickels (Grüne) das Mikrofon abgedreht. Fischer hat sich übrigens am nächsten Tag entschuldigt. Heute dreht sich die Welt  schneller und das Arschloch sitzt lockerer und schon gar nicht mehr „Mit Verlaub“.

Trump – ein Arschloch, da kann man ja jeden fragen. Da hat sogar Dieter Bohlen mehr Freunde. AfD, auch alle, sogar noch braun. Ja wer gegen die „Ehe für Alle“ ist, kann so Karin Göring-Eckard auch nur ein Arschloch sein. Wer gegen Merkel ist, laut Volker Kauder auch. Anders gar nicht denkbar. Und damit dann auch basta. Weil Arschlöchern muss man nicht zuhören, mit Ihnen reden schon gar nicht. Eigentlich sind das keine Menschen, allenfalls sind Arschlöcher menschenfeindlich.

Ein Charles Lewinsky hat sogar ein Buch darüber geschrieben: “Der A-Quotient – Theorie und Praxis im Leben mit Arschlöchern“. Schlecht recherchiert. So wäre Lewinsky wohl überrascht, wie die Meisten, die dieses Wort inflationär gebrauchen, wenn sie wüssten, dass alle Menschen bereits als Arschlöcher auf die Welt kommen.

ALLE MENSCHEN!

Ne, ne nix Beleidung, Volkshetzdingens oder so. Biologie: Nicht Gehirn, Herz, oder gar die Geschlechtsteile entspringen zuerst aus dem befruchteten Ei? Erst muss mal einer da sein, der den Müll rausbringt. Das Arschloch ist zuerst da.

Weil der Mensch wie alle Säugetiere dem Überstamm der Neumünder (Deuterostomia) angehört, wie übrigens auch Seeigel, Pfeilwürmer und jede Menge Krabbeltiere. Mit all Diesen haben wir Menschen gemein, dass wir Arschloch voraus die Welt begrüßen. Alle! Männer, Frauen und alle 4000 anderen Geschlechter, Schwarze, Weiße, Grüne, Gelbe, Gläubige, Ungläubige, Vegetarier und Fleischesser… Biologisch eine Soße. Alles Arschlöcher.

Etwas genauer funktioniert es so: Die ersten nach der Befruchtung entstanden Zellen nennt man Blastula. Die formen eine Öffnung, den sogenannten Blastoporus, auch Urmund genannt. Später erweitert sich dieser Urmund und tunnelt durch die Blastula. Das Loch bricht sozusagen durch zur anderen Seite, wo sich schließlich der Mund formt. Das griechische Wort für Neumünder „Deuterostomia“ heißt übersetzt „Der Mund als Zweites“, weil der eben das zweite Körperteil ist, den Neumünder entwickeln. Auch Alle. Dem Urmund wird nach der Formung des Neumundes endgültig und für immer die Rolle des Arschlochs zugewiesen.

Einfach erklärt, erschafft uns die Natur, in dem sie zwei gegenüberliegende Löcher formt und später die Lücken zwischen Mund und Arschloch mit dem schnöden Rest auffüllt.

Wenn Sie also mal wieder als Arschloch bezeichnet werden, können Sie jetzt wissend lächeln: „Sind wir das nicht alle?“

Und das Arschloch hat Macht, wie jedermann bei Durchfall oder Verstopfung sicher gerne bestätigt und dieser Witz sehr schön erklärt:

Eines Tages stritten sich die Körperteile, welches wohl das Wichtigste unter ihnen sei. „Ich bin’s“ meinte das Gehirn, „Ich halte doch den ganzen Laden zusammen.“ Die Beine waren anderer Meinung, „Durch uns kommt die Bewegung ins Spiel.“ Die Augen funkelten böse: „Und wer warnt vor Gefahr?“ Herz, Nieren und Lunge, jedes Körperteil hielt sich für das Wichtigste. Doch da furzte das Arschloch dazwischen: „Ohne mich läuft doch gar nichts.“ Wie die „sauberen Körperteile“ da das Arschloch auslachten. Das wurde ziemlich sauer und stellte seine Arbeit ein: „Ihr werdet schon sehen, wie wichtig ich bin.“ Schnell wurden die Augen trüb, Arme und Beine schlaff, die Galle produzierte Steine, das Herz aus dem Rhythmus, das Hirn benebelt. Schnell sahen alle ein: Der Chef kann nur das Arschloch sein!

Hoch lebe das Arschloch. Jeder hat Eins, jeder ist Eins. Demokratischer geht es nicht.

Wandere aus, solange es noch geht!
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